Mittwoch, den 24. Februar 2021

WORTmeldung von Pastorin Griemsmannn

Ich esse gern Brot, helles und dunkles, Vollkornbrot und Weißbrot, Körnerbrot und Schwarzbrot. Deshalb freue ich mich über die Vielfalt an Brotsorten in unserem Land. Und ich begrüße die Tradition, dass in unserer Kirche Brot beim Abendmahl ausgeteilt wird. Auf Reisen in die Nachbarländer lerne ich, welches Brot dort gern gegessen wird und welche Mahlzeiten es ergänzt. Auch das Mehl erhält eine andere Zusammensetzung. Überall auf der Welt müssen die Menschen mit dem nötigen Grundnahrungsmittel ihrer Heimat versorgt werden: mit Reis, mit Mais, mit Hirse, mit Weizen. Der Hunger soll dort gestillt werden, wo Menschen durch Krieg und Bürgerkrieg von ihren Feldern vertrieben worden sind, wo die Dürre eine Ernte unmöglich macht und wo Menschen in großen Flüchtlingslagern zusammen. Wenn Brot knapp ist, wünscht man sich die Fülle, wenn das Brot alt ist, wünscht man sich den Duft von frischem Brot. Doch Brot im Überfluss wird auch wird vernichtet oder landet an der Tafel.

Die Losung des Tages lautet: Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen. (3. Mose 26,5) So spricht Gott spricht zu Mose und zu seinem Volk in der Wüste. Es ist für sie noch keine Gegenwart, sondern Zukunft, denn noch ist das Land nicht erreicht. Noch sind sie mit Mose am Sinai. Und es liegt auch an ihrem Verhalten, ob sie gemeinschaftsfördernde Gebote beachten werden, ob sie Schwache schützen und Gott die Ehre geben werden. Dann wird Gott ein gutes Miteinander und ihre Ernte segnen, und sie werden der Eroberungslust ihrer kriegerischen Nachbarn eine kluge Verhandlungspolitik entgegensetzen können.

Es ist nicht so, dass die spätere Geschichte des Volkes so gesegnet aussah. Denn es gab viele Phasen, in denen das Brot knapp war und Zeiten, in denen Kriege schlimme, tödliche Spuren hinterließen. Aber Gottes Segen würde sich nach einer Zeitspanne wieder zeigen. Darauf konnte sie hoffen. Und zu seinem Segen gehören Brot in Fülle und ein sicheres Leben für alle Bewohner und Bewohnerinnen des Landes. Gemeinschaft, Nahrung und Frieden gehören zu einer gesegneten Zukunft.

Im Neuen Testament gibt es die Geschichten der wunderbaren Speisungen. Jesus will seine vielen Zuhörerinnen und Zuhörer versorgt wissen. So lässt er nach einem Dankgebet das austeilen, was sie zur Verfügung haben: nur fünf Brote und zwei Fische. So wenig! Und doch reicht es für unzählige Menschen. Sie empfangen, teilen und werden satt. In seiner Gegenwart erleben Menschen Brot in Fülle, denn es blieb auch etwas übrig: 12 Körbe voll. Ein rundes Dutzend. Oder auch ein Korb für jeden der Stämme Israels. Bei Jesus finden Menschen Sättigung, Gemeinschaft und Frieden. Erfüllt sich so in Jesu Gegenwart nicht auch das, was Gott schon Mose und dem Volk versprochen hat!?

Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen. Wir haben in unserem Land Brot die Fülle, es funktioniert nur nicht immer mit der Verteilung. Denn manche haben zu wenig davon. Wir leben seit 75 Jahren im Frieden, aber es gibt doch Ängste vor Überfremdung und die Bedrohung von Minderheiten. Speise schmeckt dann am besten, wenn sie Menschen an einen Tisch zusammenführt. Zum Teilen des Brotes und zum Leben in Sicherheit kommt als Drittes die Gemeinschaft: es lohnt sich das Miteinander zu fördern. Der Austausch kann intensiviert werden. Unter dem geltenden Abstandsgeboten ist das eine besondere Herausforderung.

Und so wünsche ich mir eine große Tafel, an der wir wieder zusammensitzen können: alte und junge Menschen, Männer und Frauen, Geflüchtete und Einheimische, Single und Familien. Und ich freue mich auf die Abendmahlsfeier, zu der Gott uns einlädt, wenn wir Brot und Kelch miteinander teilen und von Gottes Friedensreich hören können. Zukunftsmusik?! Ja, heute noch. Aber sie trägt, nutzt das Mögliche und schenkt Geduld.

Elisabeth Griemsmann

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Mittwoch, den 17. Februar 2021

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“  Psalm 51,12

Es ist wieder soweit, heute beginnt die Aktion #7wochenohne. Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit.

46 Tage sind es von Aschermittwoch bis Ostern, doch gefastet wird traditionell nur an 40 Tagen. Die Sonntage gelten als Freudentage und sind ausgenommen. Die Zahl 40 hat in der Bibel eine hohe Symbolkraft. Sie steht für Zeiten der Bewährung, der Buße und der Läuterung. 40 Tage und Nächte währte die Sintflut. 40 Tage und Nächte hielt sich Mose auf dem Sinai auf und in dieser Zeitspanne wanderte auch Elia zum Horeb. 40 Tage war die Frist, die der in Ungnade gefallenen Stadt Ninive bis zum Untergang eingeräumt wurde. Ganze 40 Jahre wanderte Israel durch die Wüste, bis es das Gelobte Land erreichte. Und 40 Tage und Nächte verbrachte Jesus nach seiner Taufe in der Wüste und fastete.  

In der Bibel begegnen Menschen mit Fasten den Übergängen zwischen unterschiedlichen Phasen und Sphären. In der Sphäre zwischen Leben und Tod, beim Trauern oder in Lebensgefahr wurde, in einen Sack gekleidet und mit Asche auf dem Haupt, gefastet. Aber auch zu Gerichtsprozessen, an der Grenze von Recht und Unrecht, enthielt man sich der gewohnten Speisen. Und wer sich an Gott wenden wollte, bereitete sich darauf mit einem Fasten vor. Damit nahm man Gott gegenüber eine fragende Haltung ein und machte sich bereit auf das zu hören, was Gott zu sagen hat. Im Verzicht der Fastenzeit lebt die Erinnerung daran, dass wir Menschen selten selbst wissen, was gut für uns ist. Daran hat sich übrigens auch in Zeiten der Pandemie nichts geändert. Da wird es nur oft noch deutlicher, dass wir selbst nicht mehr so genau wissen, was eigentlich gut für uns ist. Auch wenn diese Zeit einen Verzicht erschwert, weil wir die letzten 10 Monate bereits auf so vieles verzichten mussten, kann es doch gerade jetzt von besonderem Wert sein.

 

Jetzt, in dieser Fastenzeit, da kann ich meinen Blick noch einmal bewusst nach innen und zu Gott richten und mich stärken lassen für diese Zeit und für die Hinwendung zu anderen. Ich kann mich darauf vorbereiten, was nach Ostern sein wird – hoffentlich ein Übergang in eine neue Phase.    

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Mittwoch, den 10. Februar 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Winter-Wunderland – im Dezember wurde es singend ersehnt, jetzt ist es da. In echt - mit sechs Wochen Verspätung und ganz überraschend. Was für ein Zauber! Der Schnee knirscht, der Frost klirrt. Und endlich wieder spielende Kinder draußen. Eiskristalle scheinen im hellen Licht über Aerosole zu siegen. Auch Erwachsene strahlen, rodelnd auf Schlitten, staksend auf Skiern...

Am Schreibtisch schlage ich nach, ob Schnee auch in der Bibel vorkommt. Ich weiß, deren Texte entstanden in subtropischem Klima. Trotzdem werde ich fündig an mehr als 10 Stellen im Wortregister. Von den weißen Gipfeln des Libanon ist da die Rede. Und ein Gebet finde ich, über das ich ins Nachdenken komme. Psalm 51,9: Wasche mich, Gott, dass ich schneeweiß werde.

Schneeweiß – die Farbe der Reinheit. Der noch immer lebendige Brauch eines weißen Taufkleides für frische, noch „unverdorbene“ Erdenbürger erinnert daran. Ich bete den Psalm weiter: Ach Gott, wie schön wäre es, wenn null Covid uns (r)einen Neuanfang bescheren könnte. Das wird wohl so schnell nichts werden. Und doch - eine Vollwäsche, die täte deiner und unserer ganzen Erde gut. Weg mit allen Viren und menschengemachten Dreckschleudern - lass uns einen Neustart zur Bewahrung der Schöpfung wenigstens versuchen! Weiß Gott: Schwarzmalen führt überhaupt nicht weiter. Einstweilen gilt: Ski und Rodel gut.

Amen.

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Mittwoch, den 3. Februar 2021

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

So vieles ist uns entglitten. Pläne, die ihm wichtig waren, kann er zurzeit nicht realisieren. Er fühlt sich ausgebremst. Begegnungen, auf die sie sich so sehr gefreut hat, sind bis auf weiteres ausgesetzt. Es fehlen ihr die persönlichen Gespräche im Gegenüber. Lernmethoden, die viele Jahre von Schülern und Schülerinnen eingeübt und praktiziert wurden, werden durch andere ersetzt. Sie brauchen bei den Lernenden besondere Konzentration, und ohne Unterstützung fällt es vielen schwer zu lernen. Es fehlen ihnen der direkte Austausch sowie Bewegung. Und die Geduld, die ich seit Monaten von mir erwarte, ist immer schwieriger aufzubringen. Schon solange übe ich mich darin. Die Verzögerungen belasten mich.

So vieles ist uns entglitten. Und wir suchen nach dem, was den Alltag erhellt. Das, was mir bisher so selbstverständlich war, nehme ich wahr und beginne es zu wertschätzen. Weil die Zukunft unbestimmt ist, versucht sie, den Augenblick bewusster zu genießen. Und er wird kreativ in Haus und Hof. Vieles ist schon erledigt. Doch auch diese Aufmerksamkeit für das Kleine lässt nach. Und wir stellen fest: vieles entgleitet uns. Und so suchen wir nach dem, was uns Halt gibt.

Wie kann ein Mensch sich Götter machen? Diese rhetorische Frage finden wir heute beim Propheten Jeremia (16,20). Die Antwort lautet: Nein. Das, was Menschen Halt in ihrem Leben gibt, können sie sich nicht selbst bauen. Und sie brauchen es auch nicht vergeblich zu versuchen. Das, was ihnen Halt gibt, kann nicht statisch und unbeweglich sein. Denn das, was den Menschen Sinn gibt, ist lebendig und passt sich den jeweiligen Situationen an, wenn jemand Angst spürt oder Sorge empfindet. Gottes Name lautet: Gott ist da. Der Gott der Bibel geht mit durch das Leben der Menschen seines Volkes und der Völker. Es ist nicht so, dass er sich für die eine oder andere Seite vereinnahmen ließe, das gewiss nicht. Aber er kommt uns entgegen - heute. Und wir können ihm vertrauen, dass er für jeden und jede von uns ansprechbar ist.

Vieles entgleitet uns. Manches lässt sich nicht mehr nachholen. In diesen Monaten der Kontaktbeschränkungen nehmen wir das besonders deutlich wahr. Aber weil Gott da ist, haben wir auch ein Gegenüber in trauriger Zeit. Er wird uns das finden lassen, was wir zum Leben brauchen. Er wird uns Halt geben. Er wird uns Freude schenken. Er lässt uns nicht allein. Bleiben Sie zuversichtlich.

Mittwoch, den 27. Januar 2021

 

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“
Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!
Psalm 4,7

Gerade zu Beginn eines neuen Jahres wüssten wir gerne, wie wir dafür sorgen können, dass uns nur Erfreuliches und Angenehmes begegnet. Doch wir ahnen, das ist nicht möglich. Es wird auch dunkle Tage geben. Es wird sie nicht nur geben, sie sind schon da.  Das Jahr hat dunkel begonnen mit vielen Einschränkungen, Ungewissheiten, grauen Tagen und Isolation. Der Weg im neuen Jahr führt durch dunkle und kalte Nächte.

Dieses Dunkel auszuhalten, das kostet eine Menge Kraft. Es stellt uns auf die Geduldsprobe und macht uns bei Zeiten Angst. Doch wenn wir uns in Geduld üben und das Dunkel auszuhalten lernen, dann hat es auch was Gutes: Die finstere Zeit können wir nutzen, um zu uns selbst zu finden und in uns hinein zu spüren. Und wenn die Zeit des Lichtes gekommen ist, dann scheint es umso heller und freundlicher.

Wir können das einmal ausprobieren und uns für 2 bis 3 Minuten in ein dunkles Zimmer setzen. Dann merken wir auch, wie viel Bestrahlung wir täglich durch Lampen, Leuchten und technischem Equipment ausgesetzt sind. Wirkliche Dunkelheit erleben wir in der Stadt nur selten. Die Dunkelheit kann beängstigend sein, aber man gewöhnt sich an sie und kann sich dadurch auch einmal auf die anderen Sinne konzentrieren: wir können genau hinhören und unsere Umgebung erfühlen. Wir sollten eine Kerze bereithalten und uns auch ein Bibelwort raussuchen. Vielleicht den Psalm 4 oder den Psalm 23. Wenn wir die Dunkelheit für einige Minuten ausgehalten haben, ja vielleicht sogar genießen konnten, dann zünden wir die Kerze an und lesen uns die Worte aus der Bibel laut vor. Das Kerzenlicht wird uns wunderschön und sehr hell vorkommen. Das Bibelwort macht spürbar: Ich bin nicht allein. Es gibt ein Licht in der Dunkelheit, Gottes Licht. Seine liebevolle und fürsorgliche Zuwendung leiten uns durch jedes finstere Tal hindurch und schenkt uns Leben, immer wieder neu. Es ist gut, sich das bewusst zu machen und es durch diese Übung spüren zu können, gerade jetzt in dieser Zeit. Probieren wir es doch mal aus.    

Bild: Ein Zettel zum Mitnehmen vor der Pauluskirche in der Südstadt  

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Mittwoch, den 20. Januar 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Mein Adressbuch,

es ist in die Jahre gekommen. Die Ecken sind abgestoßen. Viele Anschriften und Telefonnummern durchgestrichen, weil veraltet. Bei einigen Buchstaben fehlt es freiem Platz für neue Namen. S und K sind in unserem Land offenbar sehr beliebt. Und neulich ging es mir beim Durchblättern zum ersten Mal so, dass ich mich gar nicht erinnern konnte an den Menschen, dessen Adressdaten ich da notiert hatte. Trotzdem hänge ich an dem Buch und werde es noch nicht durch ein neues ersetzen. Aus Freude am Glauben habe ich mir unter G die 5015 notiert, ohne Vorwahl:

Die Telefonnummer Gottes, so lernte ich als Schüler im CVJM.

Psalm 50, Vers 15:

Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.

Das Gebet, so spüre ich, ist in unseren Gottesdiensten in diesen Zeiten noch wichtiger geworden.

Unser Gott ist immer ansprechbar. Seine Leitung hat viele Kanäle. Und ER gibt andere Antworten als automatische Ansagen.

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Mittwoch, den 13. Januar 2021

 

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Bei einem flüchtigen Blick kann man es glatt übersehen, das Chamäleon. Und das will es ja auch, schließlich ist es hilfreich, unsichtbar zu sein, ob man nun als Opfer oder Jäger unterwegs ist. Das sonderbare Tier kann sich dabei nicht nur an die Farbe seiner Umgebung anpassen, sondern auch an die Form. Es ist so kaum wahrzunehmen.

Auch Menschen verstehen es, sich anzupassen und zu tarnen. Eine solche Tarnung passiert nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich.  Oft gleichen wir uns mit unserem Verhalten und unseren Äußerungen der jeweiligen Umgebung oder Situation an, in der wir uns befinden. Nicht selten lassen wir dabei unter den Tisch fallen, dass wir im Glauben an Jesus Christus leben.

Gestern hörte ich im NDR2-Radio bei „Moment mal“ eine tolle Geschichte dazu: bei den Olympischen Spielen in London 1908 stand das Finale über 110 Meter Hürden an einem Sonntag auf dem Programm. Der Amerikaner Forrest Smithson hatte sich dafür qualifiziert. Nun brachte ihn das in Gewissensnöte, weil er die Gewohnheit hatte sonntags den Gottesdienst zu besuchen. Er war ein überzeugter Christ, das gute Gebot der Feiertagsheiligung wollte er auf keinen Fall übertreten. Aber im Finale der Olympischen Spiele zu stehen, das passierte einem auch nicht jeden Tag. Also machte er einen Kompromiss: Er ging an den Start und zwar mit einer Bibel in der Hand. Und er gewann.

Wenn das nur immer so einfach wäre. Aber was mir diese Geschichte noch einmal vor Augen führt: Unser Glaube, der kann was, den müssen wir nicht verstecken, auch und ganz besonders nicht in dieser Zeit. Er kann uns über diese große Corona-Hürde führen. Er kann uns über die Hürden des Lebens helfen. Und anderen auch, wenn wir ihnen davon berichten und uns nicht einfach anpassen und uns davor scheuen. Wir sind schließlich keine Chamäleons. Wir alle können ein Zeichen setzen, so wie Forrest Smithson auch.

Paulus schrieb dazu einmal in seinem Brief an die Gemeinde in Rom: „Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln" (Römer 12,2).

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Zum 6. 1.2021 (Epiphanias)

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann
zum 6. Januar 2021 (Epiphanias)

Am 6. Januar „endet“ die Weihnachtszeit. Danach wird die Weihnachtsdekoration abgenommen. Die erleuchteten Bäume, die hellen Sterne an den Fenstern, die Lichterketten mit ihrem warmen Licht verschwinden. Zurück bleibt ein nüchterner, grauer Eindruck.

Am 6. Januar geht es noch einmal um eine Weihnachtsgeschichte. Die Figuren und Symbole sind uns vertraut, denn die Weisen an der Krippe und der Stern über Bethlehem gehören zum Krippenspiel hinzu. Die Figuren sind bei Kindern besonders beliebt, auch deshalb, weil die Requisiten begehrt sind: goldene Kronen, glänzende Umhänge und die drei Geschenkpakete mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Ein Krippenspiel ohne Weise, ohne Stern und ohne Geschenke – da würde uns etwas fehlen. Das Weihnachtsevangelium aus dem Lukasevangelium verzichtet jedoch darauf. Erst im Matthäusevangelium finden wir die Gruppe der Weisen, die mit Geschenken ausgerüstet, in Israel nach dem neu geborenen König suchen und den Stern. Wir lesen von dem „fiesen“ König Herodes und den Gelehrten, die sich erst in der Bibel schlau machen müssen. In dem neutestamentlichen Vers für den heutigen Tag heißt es: Da die Weisen den Stern sahen, wurden sie hocherfreut. 11und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an. (Matthäus 2, 10-11).

Diese Geschichte macht ein Wunder anschaulich: den Weisen werden die Augen geöffnet. So können sie in dem kleinen Kind den gesuchten, neugeborenen König erkennen. Sicher, sie brauchten den Stern, aber sie brauchten auch den Hinweis aus der Bibel auf den Ort Bethlehem. Es ist das Wunder des 6. Januar: Gottes Ganz leuchtet von diesem Kind aus und erstrahlt die, die herantreten. Sie können es anbeten.

Weihnachten „endet“ am 6. Januar. Mit dieser wunder-vollen Geschichte. Diese Geschichte kann uns mit ihrem Glanz in unseren Alltag begleiten. Der Glanz von dem Kind ist nicht zu Ende, wenn die Dekoration abgenommen wird. Der Glanz des Kindes leuchtet auch in den grauen Alltag, der sich auftut, wenn weiterhin Geduld für die Folgen eines Lockdowns aufgebracht werden müssen. Der Glanz des Kindes erhellt unser Inneres, wenn wir traurig gestimmt das neue Jahr beginnen. Der Glanz, der von dem Kind Gottes ausgeht, erleuchtet auch unseren Aufbruch in das neue Jahr. Vielleicht hilft auch das Weihnachtslied über von dem „Stern über Bethlehem“, der uns den Weg zum Kind und wieder zurück in unser Leben führen wird.

Gottes Stern leuchtete den Weisen. Gottes Glanz aus Bethlehem strahlt auch für uns - nicht nur zur Weihnachtszeit. Er tut uns gut, jeder Zeit.

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Zum 31.12.2020 (Silvester)

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein
zu Silvester 2020

Was haben evangelische Christen eigentlich zu feiern am letzten Tag des Jahres?

Den positiven Papst Silvester aus dem 4. Jahrhundert überlassen wir in der Regel der katholischen Kirche. In unseren Kalendern heißt der Tag etwas verschämt Altjahrsabend. Und in diesen Zeiten können wir nicht mal mit der Parole „Brot statt Böller“ moralisch punkten. Knaller fallen aus und es werden kaum Raketen starten...

Dann sagen wir einander doch ganz einfach trotz fehlenden Glatteises Guten Rutsch! Das geht ja sprachlich ganz unwinterlich über das Jiddische zurück auf den Wunsch eines guten Rosch Ha Schana - hebräisch für Kopf des Jahres, also Neujahr.

Guten Rutsch! Auf ein frohes Neues! Ich denke, das reicht als Wunsch am Ende dieses ungewöhnlichen alten Jahres. Das für viele seelisch - oder auch rein geschäftlich gesehen - ein schweres war.

Ich habe noch einen anderen Neujahrswunsch gefunden, der passt.

Von Wilhelm Busch, der in einem evangelischen Pfarrhaus nahe des Steinhuder Meeres aufwuchs:

GESUNDHEIT UND FRÖHLICHEN MUT!

UND GELD GENUG, DANN IST'S SCHON GUT...

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Mittwoch, den 23. Dezember

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

„Ich liege und schlafe und erwache; denn der HERR hält mich.“

Psalm 3,6

So lautet der Vers aus den Losungen für den heutigen Tag. Psalm 3 wird König David zugeschrieben. Er soll ihn verfasst haben, als er auf der Flucht vor seinem Sohn Absalom war.

Auf der Flucht vor dem eigenen Kind, weil es einem nach dem Leben trachtet – das ist kaum vorstellbar. In Davids Leben passierte so einiges unvorstellbares, gerade sein familiäres Leben war in mehr als einer Hinsicht äußerst schwierig: Betrug, Intrigen, Morddrohungen und Mord, Lügen, Vergewaltigung und Gewalt. Da war wenig, was man als „heile Familie“ bezeichnen konnte. Entsprechend wird das Leben in Davids Haus nicht immer der Rückzugsort gewesen sein, wo er zur Ruhe kommen konnte.

Dennoch gab es einen Ruhepol in Davids Leben: Gott. Wie sonst könnte er solch einen Satz wie den Losungsvers in solch schwieriger Situation herauskriegen? „Der HERR hält mich“, das war es, was David Festigkeit und Ruhe gab.

Weihnachten steht unmittelbar vor der Tür. Vieles ist anders dieses Jahr, vieles aber auch gleich. Wir sehnen uns auch dieses Jahr – ganz besonders dieses Jahr – nach einer „heilen Welt“, nach „heiler Familie“. An Weihnachten soll ein Stück dieses „Heils“ durchschimmern. Alles soll nach unseren Vorstellungen „perfekt“ sein. Das ist eine große Anforderung, ein enormer Druck. Es macht die Sache nicht leicht. Gerade dann kommt es oft zu Konflikten.

Da kann es helfen, sich darauf zurückzubesinnen, worauf es Weihnachten wirklich ankommt, nämlich auf den, der da kommt. Auf den, der uns Ruhe und Heil schenken kann. Der nicht als scheinbar „perfekt“, als mächtiger und reicher König, in diese Weil kommt, sondern als kleines schreiendes Kind. Der das Unheil kennt, aber uns das ewige Heil schenken will.

Lassen Sie uns morgen darauf lauschen und zur Ruhe kommen und alle Konflikte und Spannungen, die die derzeitige Situation mit sich bringen in ihm ruhen lassen, in diesem kleinen Kind in der Krippe.

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Mittwoch, den 16. Dezember 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Erinnerung kann helfen. Wenn wir uns erinnern, vergleichen wir die Gegenwart mit der Vergangenheit. Wenn wir uns erinnern, erkennen wir das, was im vergangenen Jahr möglich war. Vieles machte uns Freude, und wir vermissen es. Gern erinnere ich mich zum Beispiel an den Besuch im Bibeldorf Riedberg. Die Kulissen, die Dekorationen, das Weihnachtsspiel mit den vielen Akteuren haben mich beeindruckt. Es war eine Zeitreise. Es geschah eine Annäherung an die biblischen Weihnachtserzählungen. Vielleicht wäre ich in diesem Advent wieder gefahren, weil es mich stärker bewegte als andere Angebote?! Im vergangenen Jahre gab es auch vieles, was uns Stress machte. Die Zeit wurde so kostbar. Wir mussten immer wieder Entscheidungen treffen, was Priorität bekommen sollte. Das war nicht einfach. Es gab Fehlentscheidungen. Wer konnte sich Zeit nehmen für Stille? Für Lektüre? Für Musik?

In diesem Jahr kann ich das Bibeldorf nicht besuchen. Nur die schöne Erinnerung bleibt mir.  Unsere Auswahl an Aktivitäten wird stark eingeschränkt. Dadurch gibt es Zeit für Stille. Ob sie uns guttut? Ob wir die Stille nutzen können, für uns selbst und unsere Familien? Oder ob die Stille uns belasten wird, weil sie mit Einsamkeit und Enttäuschung verbunden wird? Erinnerung kann auch traurig machen. Weil es in diesem Jahr so anders ist... Weil so vieles heute vermisst wird....

In dem Bibelvers für den heutigen Tag hilft die Erinnerung an die Vergangenheit. Die Gegenwart ist bedrückend aus vielerlei Gründen. Aber die Erinnerung an Gottes Hilfe hilft für die Gegenwart zu hoffen und auf eine bessere Zukunft zu vertrauen. Es heißt im Psalm 77,15: Du bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.

Auch der Advent lädt zum Erinnern ein und zum Hoffen auf Gottes Kommen in diese Welt. Dass Gott Wunder getan hat, davon erzählt die Bibel: in der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel. Und in den Weihnachtsgeschichten. Mit dem Advent haben Christen immer eine Zeit der Erwartung verbunden. Die konnte aktiver gestaltet werden mit gutem und gerechtem Handeln. Oder sie konnte passiver ausfallen mit einem aufmerksamen Beobachten des Unrechts und dem Halten der Fürbitte. Zum Advent gehörte das Warten. In diesem Advent müssen wir uns in vielen Lebensbereichen zurücknehmen und können dadurch anderes entdecken.

Dass Gott Wunder tut, daran können wir uns in schwierigen Situationen erinnern. Er ist ansprechbar in der Gegenwart. Dass er uns eine Zukunft eröffnen wird, darauf dürfen wir hoffen. Er bringt mit Weihnachten das Licht in die Welt – auch in unser Leben. Ist das nicht ein Wunder?

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Mittwoch, den 9.Dezember 2020

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

GESTERN fand ich auf Seite 1 der Tageszeitung folgendes Votum unserer Sozialministerin: „Wenn sich die sinkende Inzidenz in Niedersachsen fortsetzt, sind die Weihnachtsfeiertage nicht gefährdet.“

HEUTE denke ich noch einmal über diesen Satz nach. Ich verstehe, dass Frau Reimann es freundlich meint. Was ist aber, wenn die Zahl der Erkrankten auch in Hannover wieder steigt?

Ist Weihnachten dann in Gefahr? Gewiss wird die Feier sich anders anfühlen als gewohnt:

Kein Gedränge in der Kirche am Heiligabend, weniger Besuch, mehr Telefon.

Der Inhalt, die Botschaft des Christfestes aber ist ungefährdet. Sie zu hören, das tut uns wie immer gut: Gottes Sohn kommt in die Welt! Auch in diesem merkwürdigen Jahr 2020!

MORGEN lautet die adventliche Tageslosung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Der Herr wird kommen in seiner ganzen Herrlichkeit, und alle Menschen werden es sehen. Der Herr selbst hat das gesagt.

Jesaja 40,5 (Gute Nachricht in heutigem Deutsch)

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Mittwoch, den 2.Dezember 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!
Jesaja 52,7

Seit einer Woche nun steht ein kleiner Engel in meinem Wohnzimmer. Ein Weihnachtsengel. Jeden Tag betrachte ich ihn, diesen kleinen einsamen Engel, der so lieblich dreinblickt in seinem weißen Gewand und mit seinen goldenen Flügeln. Er ist ein Überbringer einer anderen, tieferen Wirklichkeit. Er steht für eine Welt der Geborgenheit und Leichtigkeit, der Schönheit und Hoffnung. Doch er steht da allein.

Wo sind die Engel geblieben,
die einst von Frieden gesungen?
Ist ihre frohe Verheißung
im Geschrei der Kriege verklungen?

 

Wo sind die Engel geblieben
und ihr Ruf „Fürchtet euch nicht!“
Steht doch fast jedermann heute
Zukunftsangst im Gesicht.

 

Wo sind die Engel geblieben
und die Freude um Rettung und Heil?
Sorgen und Langeweile
machen uns müde derweil.

 

Wo sind die Engel geblieben?
Mit ihrem hellen Licht
wollen sie dich und mich wärmen:
„Freu dich und fürchte dich nicht!“

 

Nur da, wo der Frieden gesiegt hat
und die Freude lacht weit und breit,
wo die Furcht ihr Ende gefunden,
dort nur ist Weihnachtszeit.

(Christa Spilling-Nöker)

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Mittwoch, den 25. November 2020

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen. 1. Chronik 29,13

Heute morgen war ich in aller Frühe mit unserem Hausmeister in einem Wald westlich von Hannover. Verabredet mit dem Mann, der unseren Weihnachtsbaum liefert. Der Boden ist gefroren, die Sonne gerade aufgegangen, am Horizont sehe ich zwei Rehe. Wir suchen einen Baum aus, der gut aussehen wird vor unserer Kirche. Eine wunderbare Fichte, gerade gewachsen, richtig grün. Als wir sie eine Stunde später dort aufrichten und mit einer Lichterkette schmücken, erfüllt mich endgültig große Dankbarkeit. Wir haben als Gemeinde dieses merkwürdige Jahr ganz gut überstanden. Ohne großen Streit bei den Entscheidungen über die wirklich notwendigen Einschränkungen. Ohne allzu viele Austritte, ohne stark nachlassende Teilnahmezahlen bei den Gottesdiensten. Mit neuen Formen der Begegnung im digitalen Bereich, mit vermehrten Telefongesprächen und Briefwechseln. Mit der Wiederentdeckung des Naheliegenden.

Gott sei Dank besteht Hoffnung auf eine deutliche Abschwächung der Pandemie im neuen Jahr.

Der Weihnachtsbaum ist eigentlich ein Adventsbaum. Jeden Mittwoch im Dezember wollen wir uns vor ihm abends um halb sechs für eine halbe Stunde zum Singen treffen - auf Abstand, aber mit Herz. Und in Gemeinschaft Gottes herrlichen Namen rühmend – seien auch Sie dazu willkommen!

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Mittwoch, den 18. November 2020 (Buß-und Bettag)

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?“ (Röm 2,4b)

Heute ist Buß- und Bettag. Das Wort Buße hat für viele Menschen heute einen negativen Klang. Buße wird mit einer Strafe und einer zu erbringenden Leistung verbunden. Das liegt auch daran, dass es in unserem Sprachgebrauch auf diese Weise Verwendung gefunden hat, wenn wir beispielsweise von „Bußgeld“ sprechen.

Dabei wird der positive Aspekt von Buße leicht übersehen. Buße hängt eng zusammen mit Selbstreflexion. Sie bringt die Verantwortung des eigenen Handelns Gott gegenüber zum Ausdruck.  Gottes Antwort darauf an uns ist seine Vergebung. Buße kann befreiend sein und uns davor schützen, uns immer wieder selbst zu entschuldigen.

Bußtage wurden seit der christlichen Antike von staatlicher oder kirchlicher Obrigkeit nach Katastrophen, bei Kriegsgefahr oder der Gefährdung des Christentums angeordnet. Das Ausmaß der Katastrophe diente dabei als Maßstab für den Zorn Gottes. Nur durch radikale Umkehr des Volkes und durch Bußübungen wie Fasten und Beten könne Gott wieder mild gestimmt werden, so war es häufig in den Bußpredigten zu hören.

Im 19. Jahrhundert wurde der Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres in der gesamten evangelischen Kirche in Deutschland einheitlich als Buß- und Bettag und staatlicher Feiertag bestimmt. Seit 1995 ist dieser Tag – mit Ausnahme in Sachsens – allerdings kein staatlicher Feiertag mehr und verschwindet immer mehr aus dem öffentlichen Bewusstsein. Das ist schade, denn damit geraten der positive Aspekt und die Chance, die dieser Tag und diese Tat der Buße eigentlich in sich bergen, immer mehr in Vergessenheit.

Anders als in der Geschichte der Bußtage nämlich oft gepredigt und auch in Zeiten der Pandemie heute vielfach verkündet, macht Jesus in den Evangelien deutlich, dass Tragödien oder Katastrophen kein göttliches Strafgericht sind.  Er warnt zugleich aber auch vor einem falschen Gefühl der Sicherheit, als seien Bewahrung und Wohlergehen im Leben gleichzusetzen mit dem Segen Gottes. Darum ist Buße eine notwendige Haltung des Menschen in seiner Beziehung zu Gott. Die Umkehr und das Bekenntnis unserer Sünde geben Gott die Möglichkeit, uns zu vergeben und seine Gnade an uns wirken zu lassen.   

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Mittwoch, den 11.November 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Die Schatzsuche war der Höhepunkt des Kindergeburtstags. Eine Spur war für die Kindergruppe gelegt, mit Hinweisen an einzelnen Stationen. Am Ende fand die Suche im Umkreis von 5 Metern statt. Die Kinder entdeckten das Versteck schnell und hoben die Schatzkiste. Darin befanden sich Süßigkeiten und kleine Mitbringsel. Sie teilten den Schatz gerecht, alle hatten ihren Spaß.

Die Suche nach einem Schatz reizt auch erwachsene Menschen. Sie versprechen sich vom Schatz sehr viel: Reichtum, Sicherheit, Erfüllung der Wunschträume. Die Suche nach dem Schatz erfordert Konzentration und Aufwand, aber der Einsatz soll durch das Finden des Schatzes belohnt werden. Ob es gelingt? Dass der Besitz eines Schatzes Neid weckt, dass er vor Raub und Zerstörung geschützt werden muss, dass er Unruhe bringt, erkennen Schatzbesitzer erst später.

In der Losung des heutigen Tages wird gewarnt, dass der Besitz eines Schatzes gar nicht so lohnend ist, dass weniger Besitz auch große Unruhe vermeidet. Besser wenig mit der Furcht des Herrn - als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist. (Sprüche 15,16)

Die Furcht des Herrn meint die Ehrfurcht vor dem lebendigen Gott. Das heißt, dass das Leben als Geschenk und als Aufgabe verstanden wird. Sie folgt den Geboten, die dem Zusammenleben der Menschen dienen, das eigene Leben schützen und letztlich Gott die Ehre geben. Auf die Furcht des Herrn kommt es an. So sieht es die Weisheit, die dieser Ermahnung aus dem Buch der Sprüche zugrunde liegt. Für ein ruhigeres Leben verzichtet sie auf Reichtum.

Ist es weise, mit weniger zu leben? Ist es weise, auf einen Schatz zu verzichten? Ja, es ist weise, weil die Ehrfurcht vor dem Herrn die Beziehungen zu den Menschen und zu ihm wichtigmacht. Und es ist gut, dass die Bedeutung des Reichtums einmal relativiert wird. Menschen, die das in ihrem Leben beherzigt haben, werden besonders verehrt. So auch Martin von Tours. Dass er als römischer Soldat Martin seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat, wird bei den Martinsumzügen im November nachgespielt. Und Martinsbrötchen werden geteilt, damit dann zumindest zwei Personen davon essen können.

Ist unser Bibelvers ein Loblied auf die Bescheidenheit? Nein, es geht um die Sichtweise auf das eigene Leben. Was wird mir geschenkt! Was ist mir alles möglich? Wo werde ich gebraucht? Was kann ich teilen? Die Ehrfurcht vor Gott lässt uns solche Fragen stellen und nach Antworten suchen. Es kommt nicht auf den großen Schatz an, sondern auf Erfahrungen von Wertschätzung und Begleitung, auf sinnvolle Aufgaben und beglückende Erfahrungen durch das Teilen. Und das können wir auch in schwierigen Zeiten erwarten.

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Mittwoch, den 4. November 2020

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.

Galater 4,28.

So heißt die neutestamentliche Tageslosung für den 5. November 2020

Paulus schriebt an die Gemeinden in der heutigen West-Türkei. Ich fühle mich mit angesprochen. Und antworte dem Apostel mit einem kurzen Brief:

„Lieber Paulus, danke für deinen Zuspruch. Du bringst uns Christenmenschen in enge Verbindung mit Israel. Du machst ganz deutlich: Antisemitismus ist für uns unmöglich. Mit Gottes „erster Liebe“ sind wir wie in einer Familie verbunden. Als Kinder der Verheißung verstehen wir uns nicht von selbst, sondern von Gott her, unserem himmlischen Vater. Der verspricht den Eltern des Isaak, Abraham und Sara: Ihr seid von mir gesegnet und werdet selbst zum Segen. Auf dieser Linie, lieber Paulus, leben ja auch wir unser Leben. Gut das du uns daran erinnerst.

Dein Bruder im Glauben Christoph

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Mittwoch, den 28.Oktober 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Was macht mich glücklich?

Noch immer kursiert die Vorstellung, dass glückliche Menschen rücksichtslos ihre Bedürfnisse durchsetzen, ihre Mitmenschen zu ihrem Vorteil ausnutzen und sich nur darum scheren, dass es ihnen gut geht. Sie sind glücklich, wenn sie anderen Menschen „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ präsentieren können. Es mag sein, dass es Menschen gibt, die das alles glücklich macht. Was Menschen allerdings als Glück empfinden, kann für jeden etwas anderes sein: Vogelgezwitscher, Kaffeeduft, ein großes Steak auf dem Grill, ein Sonnenaufgang, eine tolle Reise, ein neues Kleidungsstück, ein Abend mit meinen Liebsten,…

Augenscheinlich hat Glück ganz viel mit positiven äußeren Umständen zu tun. In den letzten Jahrzehnten wurden allerdings zahlreiche Studien durchgeführt, die Zusammenhänge zwischen sozialen Verhaltensweisen und dem Glücksniveau einer Person aufzeigen konnten. Demnach sind glückliche Menschen hilfsbereiter als weniger glückliche Menschen und z.B. häufiger ehrenamtlich tätig. Helfen macht glücklich. Darin klingt es bereits an: Glück hat vielmehr etwas mit einer inneren Haltung zu tun.

Was macht mich also wirklich glücklich, auch dann noch, wenn es regnet, tiefste Nacht ist und nichts mehr so zu laufen scheint, wie ich es mir vorstelle?

In der Apostelgeschichte 16, 23-34 sitzen Paulus und Silas im Gefängnis. Sie wurden aufgrund ihres Glaubens gefoltert und festgenommen. In ihrer Gefangenschaft loben sie Gott aus vollem Herzen mit lautem Gesang. Wie machen sie das? Ihre Lage ist ja alles andere als glücklich, warum ist ihnen danach zumute? Ihr Glück ist scheinbar nicht von äußeren Umständen abhängig. Sie wissen Gott an ihrer Seite mitten in ihrer Situation. Und das gibt ihnen Kraft.

Gott nahe zu sein ist mein Glück!!! Der Vers steht in  Psalm 73. Ausführlich steht dort: Aber, das ist meine Freude, das ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn.

Bei Silas und Paulus führt ihr starker Glaube zu einem ganz besonderen Glück im Unglück: Plötzlich geschieht ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wanken. Und alle Türen öffnen sich und die Fesseln fallen ab. Ihr Glück soll aber nicht zum Unglück des Kerkermeisters werden, der nun große Sorge hat, dass er dafür zur Verantwortung gezogen wird, dass die Gefangenen fliehen konnte. Darum helfen Silas und Paulus ihm aus seiner misslichen Situation. Denn: Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt!!!

Das alles möchte ich beherzigen – nicht auf die Umstände zu schauen, sondern auf Gott, der mir zur Seite steht und der Dunkelheit in Licht, Verzagtheit in Zuversicht und Müdigkeit in neue Kraft wandeln kann. Und dieses Glück möchte ich mit anderen Menschen teilen!

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Mittwoch, den 21. Oktober 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Nach einem langen Arbeitstag fühle ich mich müde und erschöpft. Den Weg zum Kühlschrank schaffe ich noch. Aber der Blick hinein enttäuscht. Nichts Leckeres! So nehme ich mir ein paar Kekse und brühe mir einen Tee auf. Ich lasse den Tag Revue passieren. Hoffentlich wird es morgen besser. Der warme Tee tut mir gut

Nach einem Tagesausflug in die nähere Umgebung fühle ich mich er­schöpft: so viele Eindrücke. Ich staune über das, was ich bisher alles übersehen habe. Hinzu kommt der Austausch mit den anderen Teilnehme­rinnen und der leckere Kuchen bei der Kaffeepause. Es gibt so viele Im­pulse. Ich brauche Zeit sie zu bedenken. Mein Sofa und ein Glas Tee hel­fen mir dabei. Auf das Abendessen kann ich verzichten.

Auch nach der Klausur fühle ich mich erschöpft. Tage lang habe ich dafür gelernt. Dann musste ich mich sehr konzentrieren. Nach der Abgabe habe ich mich mit den anderen ausgetauscht und leider Fehler festgestellt. Dann ließ die Anspannung endlich nach. Ich lege mich auf die Wiese und genieße den Sonnenschein.

Müde und erschöpft zu sein, das verbindet sich im Alltag mit guten Ge­fühlen. Dann bin ich erleichtert, zufrieden und muss nur neue Kräfte be­kommen. Doch manchmal verbindet es sich auch mit einem schlechten Gefühl. Dann fühle ich mich machtlos, verzweifelt oder sogar schuldig.

Die Bibel erzählt davon, wie der Prophet Elia auf der Flucht ist. Die Aus­einandersetzung mit den anderen Propheten und ihre Bestrafung hatte ihn sehr viel Kraft gekostet. Und dann musste er noch vor der erbosten Köni­gin fliehen, die ihn wiederum bestrafen wollte. Bei einer Rast wurde es ihm offensichtlich: Er hatte sich völlig verausgabt, körperlich und see­lisch. Er konnte nicht mehr weiter. Er wollte nicht mehr weiter. Angst- und Schuldgefühle müssen ihn gelähmt haben. Und doch machte er sich kurze Zeit später wieder auf den Weg und ging viele Tage bis zum Berg Gottes. 40 Tage und Nächte sollte seine Wanderung dauern. Wie hat er es geschafft? Die Bibel sagt: Ein Engel rührte Elia an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes. (1. Kön. 19,5.8)

Sicher bin ich am Ende des Tages nicht so erschöpft wie Elia nach seiner Flucht. Ich habe Methoden, die mir helfen zur Ruhe zu kommen. Und manchmal hilft eine ruhige Nacht, um den neuen Tag zuversichtlich be­ginnen zu können. Aber es gibt auch Zeiten, in denen ich nicht aus eige­ner Kraft weitermachen kann. Zeiten, in denen meine Methoden nicht ausreichen. Zeiten, in denen ich einfach Unterstützung brauche. Bei Elia kommt ein Engel Gottes ins Spiel. Es ist jemand von außen, jemand, der Angst und Lähmung von ihm nimmt, jemand, der Gottes Hilfe in Aussicht stellt. Auf solch einen Engel hoffe ich für die schwierigen Tage. Und solch einen Engel wünsche ich Ihnen, wenn Ereignisse schwer auf ihnen lasten.

Elisabeth Griemsmann

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Mittwoch, den 14. Oktober 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Was hat der Schmetterling mit dem tschechischen Komponisten Bedrich Smetana gemeinsam?

Eine schwere Frage, doch vielleicht konnten Sie es erraten?! Es ist der Name. „Schmetterling“ ist wohl verwandt mit ostmitteldeutsch „Schmetten“ (Milchrahm) – tschechisch „smetana“. Der Duden schreibt dazu in seinem siebten Band: „Nach altem Volksglauben fliegen Hexen in Schmetterlingsgestalt, um Milch und Rahm zu stehlen.“ Auf diesem Hintergrund finde ich es sehr interessant, dass der Schmetterling im Englischen „butterfly“ also „Butterfliege“ heißt.

Und was haben Schmetterlinge mit Christen gemeinsam?

Nicht den  Namen, nein. Aber dafür anderes. Den Schöpfer beispielsweise. Und vielleicht auch die Klassifizierung in die fünf Gruppen: Tagfalter, Schwärmer, Spinner, Eulenfalter und Spanner? Etwas provokativ, ich weiß, aber mir würden dazu trotzdem ein paar Ideen kommen. Die Schwärmer unter den Christen wären wohl die, die manchmal leicht abgehoben und nicht immer auf festem Boden der Bibel argumentieren. Die Spanner wären die, die lieber zuschauen, wie andere ihr Christsein ausleben, anstatt selbst aktiv zu werden. Die Eulenfalter sind die unauffälligen und robusten, die treuen Gemeindeglieder also. Und die Tagfalter und Spinner?

Vermutlich hingt der Vergleich ein wenig…

Doch die wohl schönste Gemeinsamkeit von Schmetterlingen und Christen ist ihre Verwandlung! Aus einer Raupe wird ein wunderschöner Schmetterling und aus einem vergänglichen Menschenkörper ein unsterblicher und herrlicher. Was für eine Zusage!!!  So steht es im 1. Brief an die Korinther:

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib.“

Aus 1. Korinther 15,35-54. Einfach mal nachlesen.

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