Mittwoch, den 25. November 2020

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen. 1. Chronik 29,13

Heute morgen war ich in aller Frühe mit unserem Hausmeister in einem Wald westlich von Hannover. Verabredet mit dem Mann, der unseren Weihnachtsbaum liefert. Der Boden ist gefroren, die Sonne gerade aufgegangen, am Horizont sehe ich zwei Rehe. Wir suchen einen Baum aus, der gut aussehen wird vor unserer Kirche. Eine wunderbare Fichte, gerade gewachsen, richtig grün. Als wir sie eine Stunde später dort aufrichten und mit einer Lichterkette schmücken, erfüllt mich endgültig große Dankbarkeit. Wir haben als Gemeinde dieses merkwürdige Jahr ganz gut überstanden. Ohne großen Streit bei den Entscheidungen über die wirklich notwendigen Einschränkungen. Ohne allzu viele Austritte, ohne stark nachlassende Teilnahmezahlen bei den Gottesdiensten. Mit neuen Formen der Begegnung im digitalen Bereich, mit vermehrten Telefongesprächen und Briefwechseln. Mit der Wiederentdeckung des Naheliegenden.

Gott sei Dank besteht Hoffnung auf eine deutliche Abschwächung der Pandemie im neuen Jahr.

Der Weihnachtsbaum ist eigentlich ein Adventsbaum. Jeden Mittwoch im Dezember wollen wir uns vor ihm abends um halb sechs für eine halbe Stunde zum Singen treffen - auf Abstand, aber mit Herz. Und in Gemeinschaft Gottes herrlichen Namen rühmend – seien auch Sie dazu willkommen!

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Mittwoch, den 18. November 2020 (Buß-und Bettag)

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?“ (Röm 2,4b)

Heute ist Buß- und Bettag. Das Wort Buße hat für viele Menschen heute einen negativen Klang. Buße wird mit einer Strafe und einer zu erbringenden Leistung verbunden. Das liegt auch daran, dass es in unserem Sprachgebrauch auf diese Weise Verwendung gefunden hat, wenn wir beispielsweise von „Bußgeld“ sprechen.

Dabei wird der positive Aspekt von Buße leicht übersehen. Buße hängt eng zusammen mit Selbstreflexion. Sie bringt die Verantwortung des eigenen Handelns Gott gegenüber zum Ausdruck.  Gottes Antwort darauf an uns ist seine Vergebung. Buße kann befreiend sein und uns davor schützen, uns immer wieder selbst zu entschuldigen.

Bußtage wurden seit der christlichen Antike von staatlicher oder kirchlicher Obrigkeit nach Katastrophen, bei Kriegsgefahr oder der Gefährdung des Christentums angeordnet. Das Ausmaß der Katastrophe diente dabei als Maßstab für den Zorn Gottes. Nur durch radikale Umkehr des Volkes und durch Bußübungen wie Fasten und Beten könne Gott wieder mild gestimmt werden, so war es häufig in den Bußpredigten zu hören.

Im 19. Jahrhundert wurde der Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres in der gesamten evangelischen Kirche in Deutschland einheitlich als Buß- und Bettag und staatlicher Feiertag bestimmt. Seit 1995 ist dieser Tag – mit Ausnahme in Sachsens – allerdings kein staatlicher Feiertag mehr und verschwindet immer mehr aus dem öffentlichen Bewusstsein. Das ist schade, denn damit geraten der positive Aspekt und die Chance, die dieser Tag und diese Tat der Buße eigentlich in sich bergen, immer mehr in Vergessenheit.

Anders als in der Geschichte der Bußtage nämlich oft gepredigt und auch in Zeiten der Pandemie heute vielfach verkündet, macht Jesus in den Evangelien deutlich, dass Tragödien oder Katastrophen kein göttliches Strafgericht sind.  Er warnt zugleich aber auch vor einem falschen Gefühl der Sicherheit, als seien Bewahrung und Wohlergehen im Leben gleichzusetzen mit dem Segen Gottes. Darum ist Buße eine notwendige Haltung des Menschen in seiner Beziehung zu Gott. Die Umkehr und das Bekenntnis unserer Sünde geben Gott die Möglichkeit, uns zu vergeben und seine Gnade an uns wirken zu lassen.   

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Mittwoch, den 11.November 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Die Schatzsuche war der Höhepunkt des Kindergeburtstags. Eine Spur war für die Kindergruppe gelegt, mit Hinweisen an einzelnen Stationen. Am Ende fand die Suche im Umkreis von 5 Metern statt. Die Kinder entdeckten das Versteck schnell und hoben die Schatzkiste. Darin befanden sich Süßigkeiten und kleine Mitbringsel. Sie teilten den Schatz gerecht, alle hatten ihren Spaß.

Die Suche nach einem Schatz reizt auch erwachsene Menschen. Sie versprechen sich vom Schatz sehr viel: Reichtum, Sicherheit, Erfüllung der Wunschträume. Die Suche nach dem Schatz erfordert Konzentration und Aufwand, aber der Einsatz soll durch das Finden des Schatzes belohnt werden. Ob es gelingt? Dass der Besitz eines Schatzes Neid weckt, dass er vor Raub und Zerstörung geschützt werden muss, dass er Unruhe bringt, erkennen Schatzbesitzer erst später.

In der Losung des heutigen Tages wird gewarnt, dass der Besitz eines Schatzes gar nicht so lohnend ist, dass weniger Besitz auch große Unruhe vermeidet. Besser wenig mit der Furcht des Herrn - als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist. (Sprüche 15,16)

Die Furcht des Herrn meint die Ehrfurcht vor dem lebendigen Gott. Das heißt, dass das Leben als Geschenk und als Aufgabe verstanden wird. Sie folgt den Geboten, die dem Zusammenleben der Menschen dienen, das eigene Leben schützen und letztlich Gott die Ehre geben. Auf die Furcht des Herrn kommt es an. So sieht es die Weisheit, die dieser Ermahnung aus dem Buch der Sprüche zugrunde liegt. Für ein ruhigeres Leben verzichtet sie auf Reichtum.

Ist es weise, mit weniger zu leben? Ist es weise, auf einen Schatz zu verzichten? Ja, es ist weise, weil die Ehrfurcht vor dem Herrn die Beziehungen zu den Menschen und zu ihm wichtigmacht. Und es ist gut, dass die Bedeutung des Reichtums einmal relativiert wird. Menschen, die das in ihrem Leben beherzigt haben, werden besonders verehrt. So auch Martin von Tours. Dass er als römischer Soldat Martin seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat, wird bei den Martinsumzügen im November nachgespielt. Und Martinsbrötchen werden geteilt, damit dann zumindest zwei Personen davon essen können.

Ist unser Bibelvers ein Loblied auf die Bescheidenheit? Nein, es geht um die Sichtweise auf das eigene Leben. Was wird mir geschenkt! Was ist mir alles möglich? Wo werde ich gebraucht? Was kann ich teilen? Die Ehrfurcht vor Gott lässt uns solche Fragen stellen und nach Antworten suchen. Es kommt nicht auf den großen Schatz an, sondern auf Erfahrungen von Wertschätzung und Begleitung, auf sinnvolle Aufgaben und beglückende Erfahrungen durch das Teilen. Und das können wir auch in schwierigen Zeiten erwarten.

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Mittwoch, den 4. November 2020

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.

Galater 4,28.

So heißt die neutestamentliche Tageslosung für den 5. November 2020

Paulus schriebt an die Gemeinden in der heutigen West-Türkei. Ich fühle mich mit angesprochen. Und antworte dem Apostel mit einem kurzen Brief:

„Lieber Paulus, danke für deinen Zuspruch. Du bringst uns Christenmenschen in enge Verbindung mit Israel. Du machst ganz deutlich: Antisemitismus ist für uns unmöglich. Mit Gottes „erster Liebe“ sind wir wie in einer Familie verbunden. Als Kinder der Verheißung verstehen wir uns nicht von selbst, sondern von Gott her, unserem himmlischen Vater. Der verspricht den Eltern des Isaak, Abraham und Sara: Ihr seid von mir gesegnet und werdet selbst zum Segen. Auf dieser Linie, lieber Paulus, leben ja auch wir unser Leben. Gut das du uns daran erinnerst.

Dein Bruder im Glauben Christoph

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Mittwoch, den 28.Oktober 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Was macht mich glücklich?

Noch immer kursiert die Vorstellung, dass glückliche Menschen rücksichtslos ihre Bedürfnisse durchsetzen, ihre Mitmenschen zu ihrem Vorteil ausnutzen und sich nur darum scheren, dass es ihnen gut geht. Sie sind glücklich, wenn sie anderen Menschen „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ präsentieren können. Es mag sein, dass es Menschen gibt, die das alles glücklich macht. Was Menschen allerdings als Glück empfinden, kann für jeden etwas anderes sein: Vogelgezwitscher, Kaffeeduft, ein großes Steak auf dem Grill, ein Sonnenaufgang, eine tolle Reise, ein neues Kleidungsstück, ein Abend mit meinen Liebsten,…

Augenscheinlich hat Glück ganz viel mit positiven äußeren Umständen zu tun. In den letzten Jahrzehnten wurden allerdings zahlreiche Studien durchgeführt, die Zusammenhänge zwischen sozialen Verhaltensweisen und dem Glücksniveau einer Person aufzeigen konnten. Demnach sind glückliche Menschen hilfsbereiter als weniger glückliche Menschen und z.B. häufiger ehrenamtlich tätig. Helfen macht glücklich. Darin klingt es bereits an: Glück hat vielmehr etwas mit einer inneren Haltung zu tun.

Was macht mich also wirklich glücklich, auch dann noch, wenn es regnet, tiefste Nacht ist und nichts mehr so zu laufen scheint, wie ich es mir vorstelle?

In der Apostelgeschichte 16, 23-34 sitzen Paulus und Silas im Gefängnis. Sie wurden aufgrund ihres Glaubens gefoltert und festgenommen. In ihrer Gefangenschaft loben sie Gott aus vollem Herzen mit lautem Gesang. Wie machen sie das? Ihre Lage ist ja alles andere als glücklich, warum ist ihnen danach zumute? Ihr Glück ist scheinbar nicht von äußeren Umständen abhängig. Sie wissen Gott an ihrer Seite mitten in ihrer Situation. Und das gibt ihnen Kraft.

Gott nahe zu sein ist mein Glück!!! Der Vers steht in  Psalm 73. Ausführlich steht dort: Aber, das ist meine Freude, das ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn.

Bei Silas und Paulus führt ihr starker Glaube zu einem ganz besonderen Glück im Unglück: Plötzlich geschieht ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wanken. Und alle Türen öffnen sich und die Fesseln fallen ab. Ihr Glück soll aber nicht zum Unglück des Kerkermeisters werden, der nun große Sorge hat, dass er dafür zur Verantwortung gezogen wird, dass die Gefangenen fliehen konnte. Darum helfen Silas und Paulus ihm aus seiner misslichen Situation. Denn: Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt!!!

Das alles möchte ich beherzigen – nicht auf die Umstände zu schauen, sondern auf Gott, der mir zur Seite steht und der Dunkelheit in Licht, Verzagtheit in Zuversicht und Müdigkeit in neue Kraft wandeln kann. Und dieses Glück möchte ich mit anderen Menschen teilen!

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Mittwoch, den 21. Oktober 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Nach einem langen Arbeitstag fühle ich mich müde und erschöpft. Den Weg zum Kühlschrank schaffe ich noch. Aber der Blick hinein enttäuscht. Nichts Leckeres! So nehme ich mir ein paar Kekse und brühe mir einen Tee auf. Ich lasse den Tag Revue passieren. Hoffentlich wird es morgen besser. Der warme Tee tut mir gut

Nach einem Tagesausflug in die nähere Umgebung fühle ich mich er­schöpft: so viele Eindrücke. Ich staune über das, was ich bisher alles übersehen habe. Hinzu kommt der Austausch mit den anderen Teilnehme­rinnen und der leckere Kuchen bei der Kaffeepause. Es gibt so viele Im­pulse. Ich brauche Zeit sie zu bedenken. Mein Sofa und ein Glas Tee hel­fen mir dabei. Auf das Abendessen kann ich verzichten.

Auch nach der Klausur fühle ich mich erschöpft. Tage lang habe ich dafür gelernt. Dann musste ich mich sehr konzentrieren. Nach der Abgabe habe ich mich mit den anderen ausgetauscht und leider Fehler festgestellt. Dann ließ die Anspannung endlich nach. Ich lege mich auf die Wiese und genieße den Sonnenschein.

Müde und erschöpft zu sein, das verbindet sich im Alltag mit guten Ge­fühlen. Dann bin ich erleichtert, zufrieden und muss nur neue Kräfte be­kommen. Doch manchmal verbindet es sich auch mit einem schlechten Gefühl. Dann fühle ich mich machtlos, verzweifelt oder sogar schuldig.

Die Bibel erzählt davon, wie der Prophet Elia auf der Flucht ist. Die Aus­einandersetzung mit den anderen Propheten und ihre Bestrafung hatte ihn sehr viel Kraft gekostet. Und dann musste er noch vor der erbosten Köni­gin fliehen, die ihn wiederum bestrafen wollte. Bei einer Rast wurde es ihm offensichtlich: Er hatte sich völlig verausgabt, körperlich und see­lisch. Er konnte nicht mehr weiter. Er wollte nicht mehr weiter. Angst- und Schuldgefühle müssen ihn gelähmt haben. Und doch machte er sich kurze Zeit später wieder auf den Weg und ging viele Tage bis zum Berg Gottes. 40 Tage und Nächte sollte seine Wanderung dauern. Wie hat er es geschafft? Die Bibel sagt: Ein Engel rührte Elia an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes. (1. Kön. 19,5.8)

Sicher bin ich am Ende des Tages nicht so erschöpft wie Elia nach seiner Flucht. Ich habe Methoden, die mir helfen zur Ruhe zu kommen. Und manchmal hilft eine ruhige Nacht, um den neuen Tag zuversichtlich be­ginnen zu können. Aber es gibt auch Zeiten, in denen ich nicht aus eige­ner Kraft weitermachen kann. Zeiten, in denen meine Methoden nicht ausreichen. Zeiten, in denen ich einfach Unterstützung brauche. Bei Elia kommt ein Engel Gottes ins Spiel. Es ist jemand von außen, jemand, der Angst und Lähmung von ihm nimmt, jemand, der Gottes Hilfe in Aussicht stellt. Auf solch einen Engel hoffe ich für die schwierigen Tage. Und solch einen Engel wünsche ich Ihnen, wenn Ereignisse schwer auf ihnen lasten.

Elisabeth Griemsmann

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Mittwoch, den 14. Oktober 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Was hat der Schmetterling mit dem tschechischen Komponisten Bedrich Smetana gemeinsam?

Eine schwere Frage, doch vielleicht konnten Sie es erraten?! Es ist der Name. „Schmetterling“ ist wohl verwandt mit ostmitteldeutsch „Schmetten“ (Milchrahm) – tschechisch „smetana“. Der Duden schreibt dazu in seinem siebten Band: „Nach altem Volksglauben fliegen Hexen in Schmetterlingsgestalt, um Milch und Rahm zu stehlen.“ Auf diesem Hintergrund finde ich es sehr interessant, dass der Schmetterling im Englischen „butterfly“ also „Butterfliege“ heißt.

Und was haben Schmetterlinge mit Christen gemeinsam?

Nicht den  Namen, nein. Aber dafür anderes. Den Schöpfer beispielsweise. Und vielleicht auch die Klassifizierung in die fünf Gruppen: Tagfalter, Schwärmer, Spinner, Eulenfalter und Spanner? Etwas provokativ, ich weiß, aber mir würden dazu trotzdem ein paar Ideen kommen. Die Schwärmer unter den Christen wären wohl die, die manchmal leicht abgehoben und nicht immer auf festem Boden der Bibel argumentieren. Die Spanner wären die, die lieber zuschauen, wie andere ihr Christsein ausleben, anstatt selbst aktiv zu werden. Die Eulenfalter sind die unauffälligen und robusten, die treuen Gemeindeglieder also. Und die Tagfalter und Spinner?

Vermutlich hingt der Vergleich ein wenig…

Doch die wohl schönste Gemeinsamkeit von Schmetterlingen und Christen ist ihre Verwandlung! Aus einer Raupe wird ein wunderschöner Schmetterling und aus einem vergänglichen Menschenkörper ein unsterblicher und herrlicher. Was für eine Zusage!!!  So steht es im 1. Brief an die Korinther:

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib.“

Aus 1. Korinther 15,35-54. Einfach mal nachlesen.

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Mittwoch, den 7. Oktober 2020

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Der Präsident einer Weltmacht, der aus einer schweren Krankheit eine Show macht und die Gesundheit seiner Bediensteten wissentlich gefährdet. Ein anderer Präsident, dessen Regierungszeit abgelaufen ist und der nur noch mit viel Wasser um sich wirft. Ein Kontinent - unser Erdteil! -, der sich abschottet gegen die Not des globalen Südens und höchst unwürdig „Abschiebepatenschaften“ ausschreibt.

Um mir einen stabilen Rest guten Muts zu erhalten, schränke ich für die nächsten Tage meinen Nachrichtenkonsum ein.
Mir fällt zu alldem nur noch das Gebet des Propheten Jona (2,9) im Bauch des großen Fisches ein:

Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade.

Und ich stelle einen positiven Satz daneben: Die sich halten an das Richtige, die finden Gott wieder.

Und was ist das Richtige? Das hat ein anderer Prophet namens Micha (6,8) in einer Art biblischem Dreisatz zusammengefasst:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

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Montag, den 5. August 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Etwa 16 g bringt ein solches Rotkehlchen auf die Waage. Was bei diesen leichtgewichtigen Vögeln beeindruckt, ist ihr hell klingendes Lied bis zum Einbruch der Dunkelheit. Deshalb nennt man sie „Dämmerungssänger“. Aber nicht nur das. Sie werden auch als „Erdsängerinnen“ bezeichnet, weil sich ihr Leben vielfach am  Boden abspielt. Ja, sie sind am Boden – aber singen trotzdem. Sie singen – nicht nur, wenn die Sonne scheint.

Uns Menschen fällt das oft schwer, „Erd- und Dämmerungssänger*innen“ zu sein. Wie oft bleibt uns doch ein Lied im Halse stecken, weil widrige Umstände unsere Sicht trüben. Was gibt es da zu singen?

Doch singen hilft, das erfährt auch David. Als seine Lage eher „finsterer Nacht“ als „Dämmerung“ glich, dauerte es eine ganze Weile, bis er sich durchringen konnte zu sagen: „Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, dass ich singe und lobe“ (Psalm 57,8). Wie befreiend es für ihn war, in dieser Situation lossingen zu können.

In manchen Situationen fehlen uns einfach die richtigen Worte. Da kann es helfen, Psalmen nachzubeten und nachzusingen. Auch die Lieder im Evangelischen Gesangbuch haben schon vielen Entmutigten neuen Mut und neue Hoffnung eingeflößt. Es kann überaus befreiend wirken, sie einmal laut für sich vorzusprechen oder vorzusingen. Versuchen wir‘s doch mal!

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Mittwoch, den 30.September 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Ganz unbekümmert wird in unserem Alltag von Glauben gesprochen. Wenn ich etwas nicht genau weiß...Wenn ich etwas vermute... Wenn ich mich mit meiner Aussage nicht festlegen kann.... Wenn ich mir etwas wünsche, es aber nur einschätzen kann.... Manchmal helfen mir gewachsene Beziehungen, einem anderen Menschen zu glauben. Und wenn ich jemanden gut kenne, kann ich sicher beurteilen, wie er sich verhalten wird. Und es ist naheliegend, in Beziehungen von Vertrauen zu sprechen.

Die Bibel spricht in vielen Geschichten von dem Glauben an Gott, an seine Gerechtigkeit und Güte. Dabei geht es um anwachsendes und schwindendes Vertrauen. Von großem Vertrauen und von tiefen Zweifeln an seiner Güte ist die Rede. Glauben soll gewagt werden und begegnet dem Wunsch nach Sicherheiten und Absicherungen. Der Glauben ist inneren und äußeren Angriffen ausgesetzt und erlebt Bestätigung. Der Glaube verändert sich. Er wird strapaziert, er wird bestätigt. Ein Prozess.

Persönliches Gottvertrauen kommt in der Losung des heutigen Tages aus dem 116. Psalm zum Ausdruck: Ich glaube, auch wenn ich sage: ich werde sehr geplagt (Vers 10). Da versucht ein Mensch, trotz seiner bedrückenden und beängstigenden Erfahrungen an dem zugewandten Gott festzuhalten. Er empfindet das, was er erlebt, als Plage. Es ist ihm sehr schlecht ergangen. Diese Plage können wir nicht ernst genug nehmen. Der Beter spürt die große Gefahr für Leib und Seele. Ob die Plage schon zu Ende gegangen ist? Oder ob die nächste Welle schon wieder auf den Betenden zurollt? Hat er sich den Glauben erhalten können? Oder erhält der Glaube ein Fragezeichen, weil eine große Plage doch nicht einfach von einem festen Glauben sprechen kann? Trotz der Plage erkennt sich der Betende in der Beziehung zu Gott – als fragender, als hoffender, als glaubender Mensch.

Gefahr an Leib und Seele - Solch eine Plage möchte ich nicht erleben, und ich wünsche sie keinem. Aber viele erleben sie: die Flüchtlinge im Mittelmeer und in den Lagern, Menschen in den Pflegeheimen und den Intensivstationen. Und vielfach belasten Armut, Krankheit und Einsamkeit. Wie gut, dann ein Gegenüber zu haben, dem alle Fragen gestellt werden können, der um Hilfe gebeten werden kann, der Tränen trocknet, und der die Solidarität unter den Leidenden segnet.  

Mögen wir auch für uns erkennen, dass der Glaube an den zugewandten Gott keiner Plage ausweichen kann, aber dass er gestärkt wird und gewiss hilft, Krisen zu bewältigen.

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Montag, den 28 September 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Ich mag Leuchttürme. Sie erinnern mich an Urlaub. Wenn ich Bilder von Leuchttürmen sehe, dann strahlen sie für mich immer etwas Majestätisches aus, einen gewissen Frieden und eine Sicherheit. Und natürlich Orientierung. Leuchttürme sind wie der Fels in der Brandung. Sie stehen fest bei Wind und Wetter und schenken durch ihr helles Licht immer Orientierung, komme was wolle.  

Kein Wunder, dass zu den sieben Weltwundern auch ein Leuchtturm zählt, der Leuchtturm von Pharos nämlich. Er war der Überlieferung nach der erste Leuchtturm überhaupt und bis ins 20. Jahrhundert mit etwa 120 Metern der höchste Leuchtturm, der je gebaut wurde. Bei Tag wurde das Sonnenlicht über einen polierten Hohlspiegel aus Bronze gebündelt und – angeblich bis ans Ende der Welt – reflektiert. Nachts wurde die Sonne ersetzt durch eine Lichtanlage, in der man Öl und Baumharz verbrannte. Auf der Insel Pharos stehend wies er so den Schiffen den Weg durch die gefährlichen Sandbänke, damit sie sicher den Hafen von Alexandria in Ägypten erreichen konnten.

Manchmal, so denke ich, sind wir Menschen wie ein Kapitän auf hoher  See, der den Orientierungspunkt verloren hat. Wir fahren kreuz und quer in unseren eigenen kleinen Booten ohne einen Leuchtturm, geschweige denn einen Hafen oder festes Land sehen zu können.  Jeder baut sich seine eigene Wahrheit zusammen, will seinen ganz eigenen Weg gehen. Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein und auch ganz schön schief gehen.

Wie gut, dass wir mit der Bibel einen Leuchtturm mit göttlicher Autorität haben, der uns den Weg durch gefährliche Riffe hindurch in den himmlischen Heimathafen weist. Denn:

Dein Wort ist eine Leuchte für mein Leben,
es gibt mir Licht für jeden nächsten Schritt.

So heißt es im Psalm 119,105 (hier: Übersetzung Gute Nachricht Bibel).

Und in einem modernen Lobpreis-Lied bekommen wir die Zusage:

Wenn ich zweifle und kämpf mit mir,
wenn ich falle, bleibst du doch hier.
Deine Liebe trägt mich durch.
Du bist mein Halt in der rauen See.

Sei mein Licht, sei mein Licht.
Du strahlst wie ein Leuchtturm, und ich schau auf dich.
Sei mein Licht, sei mein Licht.
Du gabst das Versprechen: sicher bringst du mich bis ans Land.

Englische Originalversion: Lighthouse von Rend Collective

Deutsche Version: Sei mein Licht/Leuchtturm von Klaus Göttler

https://www.youtube.com/watch?v=i15qA04Lkhs

Mittwoch, den 23. September 2020

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Laute Stadt und Orte der Stille
Gestern fand ich schwarz auf weiß bestätigt, was ich schon vermutete: Hannover ist eine überdurchschnittlich lärmgeplagte Stadt. 69 % der Stadtfläche weisen eine für unser Wohlbefinden abträgliche Dezibel-Zahl auf.

Umso mehr brauchst du gelegentlich einen Kraft-Ort zum Auftanken. Auf dem Deisterkamm oder am Ostufer des Steinhuder Meeres – da lässt sich manchmal die Stille hören.

In einem Gesprächskreis der Gemeinde werden wir uns diese Woche austauschen über Geheimtipps: Wo tanken Sie ihre Seele auf? Wo finden Sie echte Erholung?

Für den Menschen, der den 27. Psalm singt, ist die Antwort klar.

Er findet Gottes Tempel – auch in der Natur:

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten. Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen

Psalm 27,4.5

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Montag, den 17. August 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Im Park gibt es diese kleine Sitzgruppe aus Holzklötzen. Wenn wir uns dort hinsetzen, können wir uns einander zuwenden, unser Picknick auspacken und einander erzählen. Wir können uns über die Gemeinschaft freuen. Gemeinschaft ist so wichtig, aber welche Formen kann sie annehmen? Kann ich mit Fremden ins Gespräch kommen? Wie gut, dass es Themen gibt, die fremde Menschen an einem Ort zusammenführen. Mit Abstand genießen sie die Aufführung im Park oder das gemeinsame Singen unter freiem Himmel oder die Möglichkeiten, Tiere zu beobachten oder das Feiern eines Gottesdienstes.

Gemeinschaft ist auch in der christlichen Gemeinde so wichtig. Sicher, persönliche Gebete können überall gesprochen werden, Gebete lassen sich gut allein sprechen. Auch im Park. Aber der christliche Glaube führt die Einzelnen mit anderen zusammen, denn schon durch die Taufe wird die Zusammengehörigkeit zu Schwestern und Brüdern bewusst. Ich werde Teil dieser Gemeinschaft, des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Der Gottesdienst fördert diese Gemeinschaft, im Hören und Beten mit den anderen. Verschiedene Menschen lassen sich einladen, Gottes Geist führt sie zusammen.

Gemeinschaft entwickelt sich. In dieser Zeit gibt es viele neue Fragen nach Gesundheit, nach Hoffnung, nach Gerechtigkeit. Und es gibt besondere Erwartungen innerhalb der Gemeinde. Ein Stillstand ist nicht gar gut, die Veränderungen halten lebendig. So haben wir mittlerweile auch Formen gefunden, wie wir mit Abstand zusammenkommen, einander wahrnehmen und miteinander reden können. Auch diese neuen Formen tun uns gut. Die christliche Gemeinde unterwegs. Sie versucht durch Taten und Worten zu helfen. Und sie folgt dabei den biblischen Verheißungen Gottes.

Die Losung des Tages lautet: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist (Sach 8, 23). Sie steht bei dem Propheten Sacharja. Sie erinnert an den einen Gott, der sich an sein Volk Israel gebunden hat und sich für die Christen aus den anderen Völkern öffnet. Keine geschlossene Gesellschaft, sondern ein herzliches Willkommen. Wenn das keine großartige Gemeinschaft ist, die Gott aus seiner Barmherzigkeit und Güte heraus allen schenkt..."

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