Mittwoch, den 23. September 2020

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Laute Stadt und Orte der Stille
Gestern fand ich schwarz auf weiß bestätigt, was ich schon vermutete: Hannover ist eine überdurchschnittlich lärmgeplagte Stadt. 69 % der Stadtfläche weisen eine für unser Wohlbefinden abträgliche Dezibel-Zahl auf.

Umso mehr brauchst du gelegentlich einen Kraft-Ort zum Auftanken. Auf dem Deisterkamm oder am Ostufer des Steinhuder Meeres – da lässt sich manchmal die Stille hören.

In einem Gesprächskreis der Gemeinde werden wir uns diese Woche austauschen über Geheimtipps: Wo tanken Sie ihre Seele auf? Wo finden Sie echte Erholung?

Für den Menschen, der den 27. Psalm singt, ist die Antwort klar.

Er findet Gottes Tempel – auch in der Natur:

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten. Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen

Psalm 27,4.5

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Montag, den 21. September 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Eine Picknickdecke auf der Wiese, bedeckt mit kleinen Geschenken für die Kinder. Klappern, Enten und Frisbeescheiben, Püppchen, Puzzles, Haargummis und vieles andere mehr liegen aus. Weitere kleine Schätze befinden sich in der großen Kiste und den beiden Tüten... Nachdem die Kinder die verschiedene Bastel- und Spielstationen besucht haben, können sie sich kleine Geschenke aus dem Fundus aussuchen. Nur wenige Artikel sind – aus der Sicht der Erwachsenen – zweckmäßig, aber die kleinen Geschenke sind besonders: etwa bunt oder laut oder hübsch oder klein. Vielleicht bekommen sie einen besonderen Platz im Kinderzimmer? Vielleicht werden sie am Abend vergessen und erinnern erst später – beim Wiederfinden - an diesen Tag im Grünen, an den Jahrmarkt des Glücks, den wir dort erkunden wollten.

Glücksgefühle sind zu spüren, beim Ausspannen unter den schattenspendenden Bäumen oder auf der Decke in der warmen Mittagssonne, beim Wiedersehen und Plaudern, beim Erschaffen der riesigen, bunten Seifenblasen, bei dem Bekleben bunter, glitzernden, mit Federn geschmückten, exotisch wirkender Kindermasken, beim Beobachten des Trubels an den Plätzen und Stationen. Uns allen werden viele schöne Eindrücke geschenkt, den Kindern und den Erwachsenen. Wir können positive Erinnerungen mit nach Haus nehmen. Dabei fällt auf: Das Glück können wir nicht machen, nicht basteln, nicht anstreben, aber Glück wird uns im Verlauf des Tages doch geschenkt. Und Glücksgefühle tun uns gut – sie lassen uns lächeln. Sie geben uns Proviant für die nächste Woche, für die nächste Zeit.

Gott nah zu sein ist mein Glück. So steht es im Psalm 73, 28. Der Psalmbeter erlebt keinen schönen Tag, sondern sehr viel Bedrängendes und Bedrückendes. Nur den anderen scheint es gut zu ergehen, das ärgert ihn sehr. Er steckt in einer Krise. Wie kann er von Glück sprechen? Schließlich kommt er zur Besinnung. Gottes Nähe kann er als sein Glück verstehen, als die Hilfe, die er braucht, als die Unterstützung, die ihm Kraft gibt. Dieses Gottvertrauen wird ihm geschenkt. Auch in der Krise findet er das Gegenüber, an das er sich wenden kann: hoffend, klagend, einsehend, vertrauend. Wenn sich in der Krise Glück finden lässt, dann doch auch im alltäglichen Leben oder bei einem fröhlichen Fest mit alt und jung.

Es müssen Abständen eingehalten werden. Speisen und Getränke werden ausgeteilt. Die Hände werden häufig gewaschen und Spielgeräte desinfiziert. Das Glück ist gefährdet, die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Aber wie gut, dass wir uns glücklich fühlen können – dort auf der Wiese, auf dem Weg nach Hause und wenn wir uns in der kommenden Woche erinnern.

Danke, guter Gott, für das Glück, das du uns schenkst. Danke, dass du uns solch einen Tag als Pause und für Begegnungen miteinander einfach genießen lässt. Solche Glücksgefühle, die das Herz weit macht, wünsche ich auch Ihnen

Elisabeth Griemsmann

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Mittwoch, den 16. September 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

„Ein Kopf kann nicht allein entscheiden“, so lautet ein Sprichwort aus Ghana. In der Sprachen Twi heißt das „Tikro Enko Agina“. Das Bild zeigt eine Skulptur, die diesem Sprichwort Gestalt gegeben hat: der westafrikanischen Tikro-Freundschaftskreis. Die Personen in diesem Kreis sind eng umschlungen und untrennbar miteinander verbunden. Sie schauen sich dabei tief in die Augen. Die Skulptur wird aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt.  

Das Foto dieser Skulptur habe ich letzte Woche aufgenommen, als ich die Norddeutsche Mission in Bremen besuchte. Wiedermal war ich fasziniert von diesem Tikro-Freundschaftskreis. Dieses Bild ist so tiefgründig und kraftvoll.

Ubuntu. Dieser Gedanke kam mir dabei als erstes in den Sinn. Einigen ist dieser Begriff vermutlich durch das Linux Betriebssystem für Computer mit demselben Namen bekannt. Ein gesponsertes Betriebssystem, das möglichst allen Menschen frei zur Verfügung steht. Aber hinter Ubuntu steckt noch mehr. Der Begriff stammt aus den Sprachen der afrikanischen Völker Zulu und Xhosa und steht für „Menschlichkeit“. Er bezeichnet eine afrikanische Philosophie, die von der Erkenntnis gelenkt ist, dass das Leben durch Verbundenheit geprägt ist. Meine Humanität ist mit deiner Humanität verbunden. Eine Konsequenz von Ubuntu besteht deshalb darin anzuerkennen, dass wir alle unser Leben so führen müssen, dass andere gut leben können. Wenn es uns gutgeht, sollte es auch den anderen gut bzw. besser gehen und nicht schlechter.

In den achtziger Jahren praktizierten amerikanische Studenten Ubuntu, als sie an Colleges überall in den USA ihr Studium einstellten und damit gegen die US-amerikanischen Investitionen im südafrikanischen Apartheidstaat protestierten. Die Studenten hatten keinen erkennbaren Vorteil von ihrem Protest. Aber sie waren für die schwarzen Südafrikaner ein sehr realer Trost.  

Auch wenn wir zurzeit nicht mehr so eng umschlungen beieinander stehen dürfen, sollten wir doch nie aufhören uns unserer Verbundenheit bewusst zu sein. Wir entscheiden gemeinsam, wie sich das Leben auf dieser Erde gestaltet. Wir sollten füreinander einstehen im Kleinen und im Großen und Ubuntu praktizieren, wie vor einigen Jahren die amerikanischen Studenten.

Ein kraftvolles biblisches Bild, das für mich Tikro und Ubuntu enthält, findet sich im 1.Kor 12, 12-13.24-26

12 Denn wie der Leib einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus.
13 Und wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.
24 Und Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben,
25 auf dass im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder einträchtig füreinander sorgen.
26 Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.

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Montag, den 14. September 2020

WORTmeldung zur Tageslosung für Dienstag, 15. September 2020

Pastor Christoph Rehbein

Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.         1. Mose 12,4

Eigentlich Blödsinn, was er da macht. Er hat doch eine Heimat, dazu einigen Wohlstand. Und doch hört er auf diese Stimme. Die ihm sagt: Auf geht’s – in ein Land, das ich, Gott, dir zeigen werde. Am Ende findet er wieder einen Sinn für sein Leben. Gott segnet ihn mit Liebe – und er wird zum Segen für andere. Das ist eine neue, ganz andere Art von Reichtum.

Ob sein Beispiel eine Hilfe ist für Menschen, die sich heute auf die Flucht begeben müssen? Die tun das aus anderen Gründen als Abram, materiell geht es ihnen oft schlecht. Vielleicht aber hören auch sie eine Stimme, die ihnen sagt: Auf geht’s!

Eine Erkenntnis aus der alten Bibelgeschichte möge sie begleiten: Der von Gott Angesprochene findet Heimat auch unterwegs. In dem Vertrauen, dass Gott überall wohnt. Vor allem da, wo Menschen sich gegenseitig zum Segen werden.

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Mittwoch, den 9. September 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Auf der Suche nach Ratgebern und Ratgeberinnen! Wir sind es, wenn wir uns selbst überfordert fühlen, wenn wir das Problem nur ansatzweise erfassen können, wenn uns viel Geduld abverlangt wird und keine Lösung in Sicht ist. Sich bei Entscheidungen Unterstützung zu holen, ist sinnvoll. Vielleicht durch eine gute Freundin, die mich kennt und die weiß, was ich mir zutrauen kann. Oder durch den technischen Fachmann, der ihm etwas über die Lebensdauer des Motors sagen kann. Oder der Arzt, der täglich in seiner Praxis mit Hygienebestimmungen zu tun hat und sie vor den die Risiken der Ansteckung warnen kann. Sicher gibt es auch falsche Ratgeber: jemand, der mir schmeichelt, wenn eine Warnung nötig täte. Oder jemand, der ein Interesse daran hat, ihm ein bestimmtes Produkt verkaufen zu wollen. Oder jemand, der ihre Angst vor Ansteckung schürt, statt sachlich zu beraten.

Vor 2500 Jahren waren in Babylon, der Metropole der Weltmacht, Sterndeuter die Berater am Königshof. Doch das babylonische Weltreich hatte den Höhepunkt seiner Machtentfaltung bereits überschritten, das Kommen der persischen Großmacht zeichnete sich ab. Berater, die dem babylonischen König eine Zukunft versprachen, waren keine guten Berater. Aber vielleicht deuteten sie die Entwicklung einfach falsch, folgten ihren Wunschträumen und wurden selbst von den geschichtlichen Ereignissen überrascht. Der Prophet Jesaja sah für die Weltmacht Babylon und für ihre Berater keine Zukunft. Er schrieb: Es sollen hertreten und dir helfen die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde! 14Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt. (Jesaja 47, 13-14). Das ist die Losung des heutigen Tages.

Wer sind gute und wer sind schlechte Ratgeber? Auf schlechte Ratgeber und Ratgeberinnen können wir verzichten, ganz bestimmt. In einer Krise ist Angst ein schlechter Ratgeber, aber Vorsicht ein guter Ratgeber. Und Vertrauen beflügelt. Jesaja kannte die guten und die schlechten Ratgeber seiner Zeit. Und er vertraute darauf, dass das verschleppte Volk Israel durch Gott eine Zukunft haben würde, dass Gott zu seinen Versprechen stand.

Und heute? Wenn wir uns an der Gerechtigkeit, der Wahrheit und Liebe orientieren, lassen sich leichter falsche und gute Ratgeber unterscheiden. Und lassen wir uns dabei tragen von dem Vertrauen, dass Gott auch das Böse zum Guten führen wird.

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Montag, den 7. August 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Es ist wieder so weit, der Herbst steht vor der Tür.

Am Wochenende konnten meine Tochter und ich fleißig Kastanien sammeln.  Der Baum in unserem Garten hat in den vergangenen Tagen durch Regen und Wind einen ordentlichen Teil seiner Last abgeworfen. Wir müssen aufpassen, dass wir beim Einsammeln nicht von herunterfallenden Kastanien in ihrer stacheligen Schale getroffen werden. Einige Kastanien sind noch fest in ihrer Hülle und erst noch weißlich, wenn wir sie mühsam da heraus pellen. Während ich so herumlaufen und die Kastanien einsammle, kommen mir einige Assoziationen dazu:  das Leben ist nicht nur glatt, sondern manchmal ganz schön stachelig, so wie diese Kastanienhülle. Aber wenn man die stachelige Schale öffnet, sich durch sie hindurch arbeitet, dann findet man viel Schönes.

Wir sind unermüdlich und sammeln zwei Körbe voll dieser dicken braun glänzenden Handschmeichler. Die jetzt noch recht warme und goldene Herbstsonne lässt die Kastanien in besonders schöner Farbe erstrahlen.  

Mir kommt ein Gedicht von Gabriele Lins in den Sinn:

Herbstandacht

Der Tag die Morgenandacht hält,
behängt mit weichem Nebeltuch.
Ein Krähenruf in Stille fällt.
Es liegt wie ein geschloss’nes Buch
die Welt.

Verirrte Meise singt verhärmt,
da zieht der Tag den Nebel ab,
das Gänsevolk darunter schwärmt,
die Sonne strahlt so hell herab
und wärmt.

Das Buch der Erde öffnet sich,
Gott liest den Spruch des Tages vor.
Kein Windhauch ist jetzt hinderlich,
ein jedes Tierchen spitzt sein Ohr,
und ich.

Oh Herr, schreib gegen Lug und Trug
noch in die Seiten rasch hinein
den Namen Dein mit einem Zug,
dann mag’s für heute wieder sein
genug.

Kein böser Sturm den Tag verdirbt,
den leisen Wind spürt Blatt um Blatt,
wie zärtlich er um alle wirbt.
Da löst ein jedes sich so matt
und stirbt.

Dass jeder Baum so aufrecht steht,
auch wenn der Sturm sein Laub zerreißt,
dass nie ein Blatt verloren geht,
dass jedes Sterben Leben heißt …
du weißt.

Johannes 1,25-26

Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das?

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Mittwoch, den 2. September 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floss ihm auch etwas aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen musste sich der Großvater eines Tages hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in einem irdenen Schüsselchen und dazu noch nicht einmal satt. Einmal auch konnten seine zittrigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Da kaufte die Frau ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus musste er nun essen.

Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. „Was machst du da?", fragte der Vater. „Ich mache ein Tröglein", antwortete das Kind, „daraus können Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin." Da sahen sich Mann und Frau an und fingen an zu weinen, holten den Großvater an den Tisch zurück und ließen ihn von nun an immer bei sich essen.

Dies ist eine Erzählung der Gebrüder Grimm, auf die ich per Zufall in den letzten Tagen gestoßen bin. Ich habe nach Märchen für meine Tochter Ausschau gehalten, als ich sie fand. Gleich brachte sie mich zum Nachdenken.  

Sie ist keine ganz unbekannte Geschichte, dennoch eher untypisch für die Sammlung der Brüder Grimm. Es handelt sich um eine kurze belehrende Erzählung. Sie enthält weder märchenhafte noch unwahrscheinliche Elemente. Die Geschichte könnte sich also genauso zugetragen haben, wie sie dort steht.

Auch heute noch?  

Vielleicht nicht ganz genau so, wie sie uns von den Gebrüdern Grimm erzählt wird. Aber doch vielleicht ähnlich?

Die Geschichte bringt mich jedenfalls zum Nachdenken über das Zusammenspiel der Generationen in unserer Gesellschaft heutzutage. Wie gehen wir mit den älteren Menschen, wie mit unseren Kindern um?

Und sie lässt mich auch neu darauf schauen, was dazu in der Bibel geschrieben steht:

Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst auf dem Boden, den der Herr, dein Gott, dir gibt.“, heißt es bei den 10 Geboten in 2. Mose 20,12.

Und in Psalm 71,18 betet jemand: „Auch jetzt, wo ich alt und grau geworden bin, verlass mich nicht, mein Gott! Kindern und Enkeln will ich erzählen, wie mächtig du bist und wie gewaltig deine Taten sind.

Wir brauchen einander. Wir lernen voneinander. Mit der Vergangenheit im Gepäck können wir am besten gemeinsam und voll Hoffnung den ungewissen Weg in die Zukunft beschreiten.  

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Montag, den 31. August 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

"Wer bin ich? Was kann ich? Wo komme ich her? Was hat mich geprägt? Wie bewältige ich die Aufgaben, die sich mir in Zukunft stellen? Solche Fragen stelle ich mir nicht jeden Tag. Ich stelle sie mir dann, wenn mir etwas missglückt ist. Aber sie stellen sich mir auch an bestimmten Höhepunkten. Und wenn mir etwas gut gelungen ist, dann fallen mir die Antworten schnell ein. Wann nehmen uns die Zeit für uns selbst? In einer persönlichen Krise können wir der Selbsterkenntnis oft nicht ausweichen. Sie stimmt sehr nachdenklich und manchmal schuldbewusst. Wir müssen erst wieder neue Kräfte mobilisieren: „eine Auszeit wäre gut.“ Auch wenn wir uns von Freunden isoliert fühlen und unsere Freizeitaktivitäten eingeschränkt sind, beschäftigen wir uns notgedrungen mehr mit uns selbst: „ein spontanes Treffen im Park wie früher wäre schön.“ Aber auch bei Rückblicken geschieht Selbsterkenntnis: „gut ist es bisher gelaufen! Unerwartet und überraschend gut.“ Auch vor der Taufe oder vor der Hochzeit schauen Menschen auf sich selbst: „es ist ein bewusster Schritt.“ Und auch dabei lernen sie sich selbst besser kennen.

Wenn wir über uns selbst nachdenken, erkennen wir schnell: Menschen sind nicht auf sich allein gestellt: wir brauchen die Liebe und Unterstützung anderer Menschen, und wir können auch für andere da sein. Wir sind Individuen und soziale Wesen. Wer wollte das bezweifeln?

Gehen wir noch einen Schritt weiter: Menschen können sich eigentlich erst dann selbst erkennen, wenn sie Gott als ihr Gegenüber erkennen: als den Schöpfer und Erhalter des Lebens. Dann schauen sie aber nicht nur sich selbst, sondern sie erkennen, dass sie Geschöpfe sind, mit begrenzter Kraft und mit Schwächen. Sie können für selbst entscheiden, planen und handeln, sicher! Aber es hängt nicht alles von ihnen ab. Es gibt eine Entlastung. Niemand braucht sich selbst zu übernehmen.

In der Losung des heutigen Tages steht:

Erkennt, dass der HERR Gott ist! (Psalm 100, 3a) Durch die Bibel erfahren wir von diesem Gott. Gott hat mit seinem Volk am Sinai einen Bund geschlossen, doch seine Weisungen sind gut für alle Nationen. Er ist der gute Hirte für sein Volk und für die Völker, aber auch für die einzelnen, die zu ihm beten. Die Bibel hilft uns zu erkennen, wie gut es dieser Gott mit den Menschen meint, dass er gerechtes Verhalten einfordert und Frieden zwischen den Völkern fördert. Er überwindet die Grenzen, die Menschen aus Angst oder Eigennutz immer wieder aufbauen. Und der Vers des heutigen Tages weitet mir deshalb den Blick auf die Welt.

Wir können uns nur dann selbst richtig erkennen, wenn wir uns in der Beziehung zu den anderen Menschen und zu Gott sehen. Und diese Beziehung braucht Liebe und Vergebung, Ermutigung und Geduld. Ich wünsche Ihnen die Zeit, um dem nachzuspüren.

Elisabeth Griemsmann

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Mittwoch, den 26. August 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Der Blick geht in die Weite: die Felder hinab bis zu den Hügeln jenseits des Tals. Es ist eine gute Stelle, um die warmen Sonnenstrahlen und den leichten Windhauch zu spüren. Ein guter Ort, um Abstand zu gewinnen. Ein guter Platz, um durchzuatmen. Genießen wir diese Weite? Das Bedrängende und Bedrückende lassen wir zurück. Das, was uns Mühe und Arbeit macht: Die Situation nach den Ferien – wie wird es an den Schulen werden? Die Situation der älteren Menschen, die sich isoliert fühlen. Das Suchen nach neuen Formen der Begegnung zwischen Bekannten und Fremden. Das, was uns Arbeit und Mühe macht, lassen wir im Tal zurück und genießen die Weite. Es ist ein guter Platz.

Der Prophet Jesaja spricht in der Tageslosung von Gottes Mühe und Arbeit. Das ist eine eher ungewöhnliche Perspektive auf Gottes Verhalten: mit der Sünde und ihren verbrecherischen Taten haben die Menschen Gott Mühe und Arbeit gemacht. Ungerechtes, böses Verhalten belastet die Beziehungen der Menschen untereinander, aber auch das Verhältnis zu Gott. Diese Entfremdung tut Gott leid. Sie macht ihm Mühe. Dieser Mühe hat er sich gestellt. Und er tut es, weil er die Nähe zu den Menschen aufrechterhalten will, weil sie ihm selbst wichtig ist. Das Trennende will er selbst – trotz aller Mühe – überwinden. Gott bleibt beim „Du“.

Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht, spricht Gott. (Jesaja 43, 24-25). Gott macht sich Mühe und Arbeit mit den Menschen, die er liebt. Denn er hält an seinen Zusagen fest. Er steht auch dann zu seinen Versprechen, wenn es ihm Mühe bereitet. Seine Liebe ist der Schlüssel.

Auf der Seite der Menschen scheint nur das Negative gesehen zu werden: Sünde, Missetat, Übertretung. Wo bleibt das Gute, das gelingt, die Mühe, die gern übernommen wird und die Arbeit, die ausfüllt? Doch wenn Gottes Mühe das Böse überwindet, um wie viel mehr wird er sich an dem Guten erfreuen? Und fragt man nicht dann nach Gottes Erbarmen, wenn man sich ohnmächtig oder schuldig oder verlassen fühlt? Gott macht sich Mühe und Arbeit. Er gibt uns neue Zuversicht für unsere Aufgaben. Das schenkt uns eine Leichtigkeit. Nicht nur in der Weite...

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Montag, den 24. August 2020

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

In letzter Zeit ist es mir wieder ganz besonders häufig aufgefallen: Viel zu selten lebe ich in der Gegenwart. Zukunft oder Vergangenheit sind meist die Zeiträume, in denen ich mich einrichte. Entweder schweife ich mit meinen Gedanken ab in die gute alte Zeit, in der alles noch so schön und so einfach war. Oder ich sinniere über die tolle Zukunft, in der alles besser wird, ich noch mehr von dem erreiche, was ich mir vorgenommen habe, in der ich weniger gestresst und viel flexibler bin.

Aber, wo bleibt da die Gegenwart? Vielfach ist die Gegenwart einfach eine Zeit, die ausgehalten und überbrückt werden muss. Schon am Montag fragen wir uns bereits wieder: „Ach, wann ist endlich wieder Wochenende?“ Oder wir sagen uns: „Keine Sorge, jetzt geht der triste Alltag zwar wieder los, aber der nächste Urlaub kommt gewiss.“ Oder in einer langen Berufslaufbahn halten wir uns an den Gedanken: „Es ist nicht mehr lang bis zur Pensionierung, dann kann ich tun, was ich mir schon lange vorgenommen habe.“

Doch bei dieser Art zu leben bleibt eines auf der Strecke: die Gegenwart nämlich mit allem, was Gott in sie hineingelegt hat. Bedenken wir: Jeder Tag ist ein ganz besonderer Tag – ein Tag, den es noch nie zuvor gegeben hat und den es auch nie wieder geben wird.

Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“ Psalm 118,24

Und mit einem Mal kann uns auch der Montag in einem neuen Licht erscheinen.

Ob es wohl auch irgend so ein lästiger Werktag war, an dem der Zöllner Zachäus auf das freie Wochenende hin fieberte, als Jesus ihn ansprach: „ Heute muss ich in dein Haus einkehren.“? (Lk 19,1-10) Wie schnell kann man solche wichtigen, ja entscheidenden Begegnungen verpassen, nur weil sie an einem „zu überbrückenden“ Tag geschehen, an dem man nicht auf sie gefasst ist.

Bewusst durch den Tag gehen und weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft leben. Wir könnten das doch mal ausprobieren.   

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Mittwoch, den 19. August 2020

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Verstehst du, was du da liest?

 Apostelgeschichte 8, 30

Das fragt der Apostel Philippus den Minister aus Äthiopien, der sich in Jerusalem eine Bibel kaufte

und nun bei der Heimfahrt darin liest. Das Problem dabei ist, dass ihm der Lesestoff aus dem Prophetenbuch Jesaja nicht einleuchtet. Wie könnte ich (verstehen), wenn niemand mich anleitet? So lautet die rhetorische Antwort des wissbegierigen Reisenden. Philippus setzt sich zu ihm und erklärt den Text. Dann begreift der Mann dessen Sinn. Und lässt sich am Ende von Philippus taufen. Eine wunderbare Geschichte – nicht allein für den Kindergottesdienst...

Sie fiel mir heute morgen ein, als ich las, dass der hannöversche Verein Mentor erst einmal von der Pleite bewahrt bleibt. Wegen Corona und Schulausfall waren die Finanzen eingebrochen. Der Verein vermittelt Menschen im Ehrenamt, die benachteiligten Schülern beim Lesen und Verstehen helfen. Einmal pro Woche eine Stunde. Zusätzlich zum normalen Unterricht an der jeweiligen Schule. Immer demselben Kind, so dass eine Beziehung entstehen kann. Die Liebe zum Lesen wird so geweckt. Ein gutes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement in unserer Stadt – und so überzeugend, dass ein Spendenaufruf in der Zeitung Anfang Juli Erfolg hatte.

Was für eine gute Nachricht für die Lesekultur und die Förderung des Verstandes!

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Montag, den 17. August 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Im Park gibt es diese kleine Sitzgruppe aus Holzklötzen. Wenn wir uns dort hinsetzen, können wir uns einander zuwenden, unser Picknick auspacken und einander erzählen. Wir können uns über die Gemeinschaft freuen. Gemeinschaft ist so wichtig, aber welche Formen kann sie annehmen? Kann ich mit Fremden ins Gespräch kommen? Wie gut, dass es Themen gibt, die fremde Menschen an einem Ort zusammenführen. Mit Abstand genießen sie die Aufführung im Park oder das gemeinsame Singen unter freiem Himmel oder die Möglichkeiten, Tiere zu beobachten oder das Feiern eines Gottesdienstes.

Gemeinschaft ist auch in der christlichen Gemeinde so wichtig. Sicher, persönliche Gebete können überall gesprochen werden, Gebete lassen sich gut allein sprechen. Auch im Park. Aber der christliche Glaube führt die Einzelnen mit anderen zusammen, denn schon durch die Taufe wird die Zusammengehörigkeit zu Schwestern und Brüdern bewusst. Ich werde Teil dieser Gemeinschaft, des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Der Gottesdienst fördert diese Gemeinschaft, im Hören und Beten mit den anderen. Verschiedene Menschen lassen sich einladen, Gottes Geist führt sie zusammen.

Gemeinschaft entwickelt sich. In dieser Zeit gibt es viele neue Fragen nach Gesundheit, nach Hoffnung, nach Gerechtigkeit. Und es gibt besondere Erwartungen innerhalb der Gemeinde. Ein Stillstand ist nicht gar gut, die Veränderungen halten lebendig. So haben wir mittlerweile auch Formen gefunden, wie wir mit Abstand zusammenkommen, einander wahrnehmen und miteinander reden können. Auch diese neuen Formen tun uns gut. Die christliche Gemeinde unterwegs. Sie versucht durch Taten und Worten zu helfen. Und sie folgt dabei den biblischen Verheißungen Gottes.

Die Losung des Tages lautet: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist (Sach 8, 23). Sie steht bei dem Propheten Sacharja. Sie erinnert an den einen Gott, der sich an sein Volk Israel gebunden hat und sich für die Christen aus den anderen Völkern öffnet. Keine geschlossene Gesellschaft, sondern ein herzliches Willkommen. Wenn das keine großartige Gemeinschaft ist, die Gott aus seiner Barmherzigkeit und Güte heraus allen schenkt..."

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