Mittwoch, den 30. November 2022

WORTmeldung von Vikarin Sabine Schumacher

Morgen startet der Dezember und mit ihm das Öffnen von Adventskalendertüren.
Der Monatsspruch blickt hinter die Tür einer uns fremden Welt:

„Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten.“ Jesaja 11,6

In unserer Lebenswelt sind das abstrakte Bilder, die doch in mir einen Wunsch wecken:
Wie wäre es, wenn es in Iran oder der Ukraine statt Straßenkämpfen heitere Volksfeste gäbe?
Wie wäre es, wenn die verstrittene Familie oder Nachbarschaft sich zum fröhlichen Punschtrinken auf dem Weihnachtsmarkt gemeinsam zusammenfinden würde?
Wie wäre es, wenn die Kollegin und der Kollege sich gegenseitig Erfolge gönnen statt sich zu misstrauen?

Ein Traum von einer anderen Welt?! Bei Jesaja können wir lesen wie das gelingen kann:

„Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt.“ Jesaja 11,9

Damit wir Menschen eine Ahnung davon bekommen, was es bedeutet in diesen Traum von einer veränderten Welt einzutauchen und diesen mitzugestalten, ist Gott selbst sichtbar und ganz konkret zu uns gekommen. Das Leben und Wirken von Jesus zeigt uns, was es bedeutet mit Gott in dieser Welt zu leben.

Ihn will ich in diesem Advent neu in diese Welt und mein eigenes Leben einladen, darum bitten und singen:

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,Meins Herzens Tür dir offen ist.Ach zieh mit deiner Gnade ein;Dein Freundlichkeit auch uns erschein.Dein Heilger Geist uns führ und leitDen Weg zur ewgen Seligkeit.Dem Namen dein, o Herr,Sei ewig Preis und Ehr.

Ich wünsche Ihnen und Dir eine frohe Adventszeit!

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Mittwoch, den 23. November 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Manchmal passt es nicht zusammen. Das Auto ist zu breit für die Garage, das Schiff zu hoch für die Einfahrt, der Lkw zu schwer für die Brücke. Dann muss das Auto vor der Garage geparkt werden, das Schiff die Masten absenken und der Lkw die Umgehungsstrecke fahren. Wenn es irgendwie geht, wird umgebaut oder saniert. Die Portale der Kathedralen sind mehr als großzügig gebaut. Sie haben etwas Ehrfurcht Gebietendes. Menschen, die in eine Kathedrale eintreten, werden an ihre Winzigkeit erinnert. Zugleich gewähren die Portale vielen Menschen gleichzeitig einen Einlass. Heute braucht es diese großen Portale nur selten. Sie könnten kleiner sein...

Manchmal passt es nicht zusammen. Auch nicht mit unseren Vorstellungen von Gottes Wirken. Denn Gott war nicht im großen, starken Wind, nicht im Erdbeben und nicht im Feuer, eher in einem stillen, sanften Sausen. Und der neugeborene Heiland der Welt wird in eine Krippe gelegt.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ So lautet die Losung für den heutigen Tag. (Psalm 24,7) Da passte etwas nicht zusammen. Die Tore des Jerusalemer Tempels sollten sich für den Einzug Gottes weiten. Trotz ihrer Größe wurden sie der Größe Gottes nicht gerecht. Aber welche Größe würde ausreichen? Denn Gott hat Himmel und Erde geschaffen. Vielleicht geht es darum, dass Mauern dem lebendigen Gott nicht gerecht werden können. Dem mitgehenden, barmherzigen Gott entsprechen keine starren Mauern.

In wenigen Tagen ist der erste Advent. Wir werden das Adventslied vom Georg Weissel singen: „Macht hoch die Tür, die Tür macht weit“. Darin öffnen sich verschiedene Orte für Gottes Kommen: von der weiten Welt über das eigene Land, über die Stadt bis zum Herzen des einzelnen Menschen. Gott kommt zu uns. Und überall sollen Menschen ihr Inneres für Gottes Kommen öffnen. Das wird sie trösten und zuversichtlich machen. Und dann passt es wieder zusammen. Mögen wir erhalten, was zu uns passt und von dem erfüllt werden, was uns fehlt.  

Fotoquelle: Pixabay

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Mittwoch, den 16. November 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

 Heute ist Buß- und Bettag, der fast vergessene Feiertag.

Der Name, das fand ich als Kind, klingt ein wenig aus der Zeit gefallen. Es war ein stiller Tag in dunkler Jahreszeit.
Im Jahr 1994 dachten wohl nicht wenige, dass so ein Tag den Zeitgeist, den Mainstream, stört.
Er wurde als arbeitsfreier Tag gestrichen, um die Mehrbelastung der Arbeitgeber für die neu eingeführte Pflegeversicherung durch Mehrarbeit der Arbeitnehmer auszugleichen. Ein Zusammenhang zwischen Buße und Arbeitgeber-Belastung? Wohl kaum gegeben...

Was ist die Aufgabe von Bußtagen überhaupt? Wikipedia hilft pragmatisch weiter: „Eine Aufgabe von Bußtagen ist, das eigene Gewissen und die eigene Einstellung zu Gott zu prüfen.“
Die heutige Losung bringt auf den Punkt, was ein Nachdenken über das eigene Denken und Handeln zum Ergebnis haben kann: 

Siehe, die Furcht das Herrn, das ist Weisheit,

und meide das Böse, das ist Einsicht.“ (Hiob 28,28)

 Schon lange wünsche ich mir inzwischen, es gäbe wenigstens einen Tag im Jahr, der nur dazu dient, dass alle kritisch die eigene Lebenseinstellung und den eigenen Beitrag zur Bewahrung der Werte in unserer Welt hinterfragen.
Es braucht keine besondere Nähe zu einer Kirche oder einer Glaubensgemeinschaft, um den Impuls des Lehrtextes für den heutigen Tag für sich anzunehmen. Er tut allen als Mahnung gut, die eigene Lebensspur immer neu zu prüfen: 

Gib acht, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist.“ (Lukas 11,35) 

##bußundbettag #hannover #reformiert
(Foto privat: Playa Cabuya, Costa Rica)

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Mittwoch, den 9. November 2022

WORTmeldung von Pastorin Grace Daeli

„So wie das Meer voll Wasser ist, wird das Land erfüllt sein von der Erkenntnis des HERRN“ Jesaja 11,9b

Viele Menschen lieben das Meer.  Wenn die Temperaturen kälter werden, vermissen wir die Sommerferientage, an denen viele Menschen das Meer oder den Strand besuchen, um sich ermüdet von ihrer Arbeit zu erholen und neue Energie zu sammeln, um wieder mit der Arbeit zu beginnen.  Auch in der Bibel wird das Meer oft erwähnt.  Das Meer kann eine bedeutungsreiche Metapher sein.  Die Wellen des Meeres können Segen darstellen, aber der tiefe Ozean kann auch den Tod bezeichnen.  Hier in der Tageslosung  steht das Meer für Wissen oder Erkenntnis.  Das ist ein ungewöhnliches Gleichnis, aber sehr treffend.

Was für ein Genie ein Mensch ist, wenn er ein so umfassendes Wissen hat, dass er das Meer und alles, was darin ist, erkennen kann!

Wir alle wissen, dass das Meer voller Geheimnisse ist.

Doch so hat der Prophet Jesaja die Zukunft beschrieben:

Das Land wird erfüllt sein von Erkenntnis des Herrn.

Jeder sucht nach Wissen und Wahrheit, um das Leben besser zu machen. Es soll aber nicht nur die Wissenschaft sein. Die Bibel sagt, dass ein besseres Leben nur dadurch entsteht, dass man Gott kennt.

„Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge“ Jesaja 11,9a

Kannst du dir vorstellen, dass genau so wie das Meer seinen Grund bedeckt und da kein Platz für trockenes Land ist, so auch jeder Gott und seine Wahrheit kennt und niemand Böses tun oder betrügen wird?  Es wird keinen Krieg oder Hunger geben.  Es wird kein Hass und keine Einsamkeit sein.  Ist das ein Traum?  Nicht nur ein Traum.  Es ist eine Hoffnung!  Ist es nur eine Hoffnung?  Nicht nur Hoffnung, sondern auch Anstrengung! Ist das der Himmel?  Ja, das ist der Zustand des Himmels, für den wir uns die Mühe geben, damit er auf dieser Erde auch Realität werden kann.

(Das Foto wurde von Yurman Waruwu auf Nord Nias aufgenommen)

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Mittwoch, den 3. November 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Zusammen:halt lautet das Motto der diesjährigen Friedensdekade,

die auch im Raum der Kirchen seit vielen Jahren im November begangen wird. Dieses Jahr beginnt sie am kommenden Sonntag, dem 6.11. Das Motto wurde festgelegt, als noch niemand wusste, dass ein Krieg in der Ukraine ausbrechen würde, der uns bis jetzt in Atem hält. Russland unter Putin hält seine Angriffe trotz Rückschlägen durch und in der Ukraine scheint die nationale Geschlossenheit noch zu wachsen. Ein Ende der Blutbäder ist nicht abzusehen – und die früher so starke Friedensbewegung in unserem Land weiß keinen Rat dazu. Was können wir dazu beitragen, dass der Frieden wieder in Bewegung kommt? Was lässt neuen Zusammenhalt verfeindeter Völker wachsen?

Vielleicht sollten wir es machen wie diese entschlossene Gänseschar, die unserem Touristenbus letztes Jahr auf den Faröer-Inseln über den Weg lief. Sie blieben trotz der bedrohlichen Übermacht des schweren Gefährtes auf ihrem Kurs und zeigten, was gemeinsames Handeln und Furchtlosigkeit  bewirken kann. Federn gewinnen gegen Blech. Dem schweren Gewicht wird Einhalt geboten: Pause! Waffenruhe! Neues Nachdenken darüber, wer recht hat. Von wegen dumme Gänse...

Am Sonntag soll eine Predigt über Matthäus 5, Vers 9 folgen.

Jesus Christus sagt: Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Was für eine Verheißung für alle, die auf dem Weg des Friedens zu bleiben versuchen!

Am 14.11. werden wir abends in unserer Gemeinde über die Zukunft der Friedensbewegung diskutieren. Herzliche Einladung zu beidem!

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Mittwoch, den 02.11.2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein für Mittwoch, den 02. November 2022

Zusammen:halt lautet das Motto der diesjährigen Friedensdekade,

die auch im Raum der Kirchen seit vielen Jahren im November begangen wird. Dieses Jahr beginnt sie am kommenden Sonntag, dem 6.11. Das Motto wurde festgelegt, als noch niemand wusste, dass ein Krieg in der Ukraine ausbrechen würde, der uns bis jetzt in Atem hält. Russland unter Putin hält seine Angriffe trotz Rückschlägen durch und in der Ukraine scheint die nationale Geschlossenheit noch zu wachsen. Ein Ende der Blutbäder ist nicht abzusehen – und die früher so starke Friedensbewegung in unserem Land weiß keinen Rat dazu. Was können wir dazu beitragen, dass der Frieden wieder in Bewegung kommt? Was lässt neuen Zusammenhalt verfeindeter Völker wachsen?

Vielleicht sollten wir es machen wie diese entschlossene Gänseschar, die unserem Touristenbus letztes Jahr auf den Faröer-Inseln über den Weg lief. Sie blieben trotz der bedrohlichen Übermacht des schweren Gefährtes auf ihrem Kurs und zeigten, was gemeinsames Handeln und Furchtlosigkeit  bewirken kann. Federn gewinnen gegen Blech. Dem schweren Gewicht wird Einhalt geboten: Pause! Waffenruhe! Neues Nachdenken darüber, wer recht hat. Von wegen dumme Gänse...

Am Sonntag soll eine Predigt über Matthäus 5, Vers 9 folgen.
Jesus Christus sagt: Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Was für eine Verheißung für alle, die auf dem Weg des Friedens zu bleiben versuchen!

Am 14.11. werden wir abends in unserer Gemeinde über die Zukunft der Friedensbewegung diskutieren. Herzliche Einladung zu beidem!

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Mittwoch, den 26.10.2022

WORTmeldung von Vikarin Sabine Schumacher für Mittwoch, den 26. Oktober 2022

Eine Zeit lang habe ich alte Dosen gesammelt. Sie haben zeitgeschichtlichen Erinnerungswert und sind praktisch einsetzbar. Die auf dem Bild fotografierte zeigt eine leicht kitschige, aber auch anrührende Szene aus den dreißiger Jahren zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Sie kümmert sich liebevoll um seine Wunde. Vielleicht wird sie ihn anschließend noch kurz drücken und dann ist seine Welt wieder in Ordnung.

„Pusten, trösten, Pflaster drauf. Es wird alles wieder gut“ – so heißt es in einem aktuellen Kinderlied.

Da steckt ein Wunsch und eine Sehnsucht drin, die auch besteht, wenn wir aus den Kinderschuhen herauswachsen. Menschen suchen körperliche Gesundheit und sie suchen innere Heilung.

In einer frustrierten und müden Situation formuliert der Prophet Jeremia dazu ein Gebet:

„Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ Jeremia 17,14

In all seiner Not erinnert er sich an seinen fürsorglich liebevollen Gott. Sein Glaube und seine Hoffnung auf den heilenden und helfenden Gott sitzen fest. Er lässt sich nicht davon abbringen, dass Gott selbst sein Leben letztlich zum Guten führen wird. Nicht durch seine Erfahrungen, nicht durch eigenen Zweifel oder den Spott der anderen.

Es hilft sich diese kurzen Worte zu leihen, wenn keine eigenen Worte da sind - egal ob verzweifelt geschrien, resigniert oder stumm gebetet.
Wir können es für die Menschen beten, die selbst dazu keine Kraft haben.
Und gemeinsam können wir daran festhalten und uns erinnern, dass Hilfe und Heil erfahrbar werden. Persönlich. Gesellschaftlich. Und für die Welt.

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Mittwoch, den 19.10.2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann für Mittwoch, den 19. Oktober 2022

Manchmal soll es ganz schnell gehen. Ich habe schon so lange gewartet. Schon so viel investiert. Meine Ungeduld ist groß. Aber ich mache nicht nur Fortschritte, ich trete manchmal auch auf der Stelle. Manchmal hindert mich auch das Tempo der anderen. Ein gemeinsames Projekt braucht Zeit. Und ich brauche Geduld. Dafür bete ich.

Manchmal muss es ganz schnell gehen, weil die Not so groß ist. Unrecht schreit zum Himmel. Menschen und Tiere müssen vor militärischen Angriffen gerettet werden. Vor Bränden, Überschwemmungen oder Erdbeben müssen sie in Sicherheit gebracht werden. Sofort muss die Hilfe greifen. Jede Verzögerung hat schlimme Folgen. Um schnelle Hilfe bete ich.

Der Beter des 38. Psalm erlebt eine tiefgreifende Verunsicherung. Es geht ihm in vielerlei Hinsicht schlecht. Gegner bedrängen ihn. Freunde haben sich zurückgezogen. Und die eigene Schuld belastet das Verhältnis zu Gott. Ein Tiefpunkt ist erreicht. Wie kann es weitergehen? Er wünscht sich Gottes Antwort. Und während er klagt, spürt er Widerstandskräfte wachsen. Er will sich den Gegnern widersetzen. Und er erbittet von Gott Hilfe. Er betet: Eile mir beizustehen, Herr, meine Hilfe. (Psalm 38,23). Die Antwort auf sein Gebet bleibt offen, aber er bleibt im Gespräch. Von Gott erwartet er sich Hilfe, fordert sie ein und erhofft sie.

In sein Klagen und Ringen können sich heute Menschen in großen Krisen wiederfinden. Das Gebet formuliert Worte für Unsagbares. Und es zeigt eine Richtung aus der Krise an und ein Gegenüber. Ob die Hilfe gleich kommt oder später? Wie erhofft oder ganz anders? Der Psalm lässt es offen.

Die großen Krisen der einzelnen und der vielen Menschen lassen uns dringend mit seinem Worten um Gottes Hilfe bitten. Sie wecken auch unser Mitgefühl und unsere Hilfsbereitschaft. Die kleinen Krisen können uns oft besondere Erfahrungen vermitteln. Auch damit sind wir nicht allein. Gott sei Dank.

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Mittwoch, den 12.10.2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

Da war vor in paar Tagen dieser altbekannte Patient, chronisch krank zwar, aber doch gut durch den Alltag kommend. Eine Routinekontrolle. Das Gespräch lief so dahin. Ja, gesundheitlich war alles stabil. Nein, Corona hat er nicht bekommen. Die Werte sind auch gleich geblieben. Ein neues Rezept für drei Monate wäre gut. Wir sehen uns wieder in einem halben Jahr. Passen sie gut auf sich auf.

Da schiebt er mir beim Rausgehen sachte dieses Kärtchen über den Schreibtisch. Ein wenig überrascht lese ich die zugeschobene Ermutigung. Sei stammt aus dem Buch des Propheten Jeremia:. „Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben. Ich bin dir treu wie am ersten Tag.“  (Jeremia 31,3)

Ich wusste von früheren Besuchen, dass er ein frommer Mann ist. Ihm geht es um das Wort der Bibel. Die Glaubensrichtung, die die Karte herausbringt, ist nicht meine. Der Vers dagegen hat seine eigene Kraft. Er hat mich innehalten lassen und den Moment besonders gemacht.

Der Vers ist die Zusage von Liebe und Treue, die Gott seinem Volk Israel gibt. Ein Volk, das alles andere als perfekt ist.

Das Schöne an dieser Liebe ist, dass sie Fehler hinnimmt, nicht mit Höchstleistungen zu gewinnen ist und in schwierigen Zeiten durch eine Wüste trägt. Sie ist eine Absage an eine Welt, die nach immer reicher, perfekter und glänzender strebt. Sie hat die Kraft, aus Letzten Erste zu machen.

Wie gut, dass wir mit dem Lehrtext zur heutigen Losung die Zusage auf eine andere Ordnung haben als die, die unsere Gegenwart bestimmt.

Jesus spricht:
Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.
Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.
(Lukas 13,29-30)

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WORTmeldung von Vikarin Sabine Schumacher für Mittwoch, den 5. Oktober 2022

Haben Sie schon davon gehört, dass künstliche Intelligenz nun auch Bilder malen kann? Ob in Ölfarben oder wie Picasso - durch eingetragene Vorgaben werden neue Kunstwerke erstellt. Mein Mann und ich haben es ausprobiert und sind fasziniert davon, wie aus wenigen Begriffen neue Bilder entstehen.

Malen oder zeichnen Sie manchmal?
Vielleicht auch innerlich in Ihrem Kopf eine Idee, eine Vision für die Zukunft?

Eine ganz neue Vorstellung zu entwerfen ist schwierig.
Der Schreiber der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buches der Bibel, schildert dennoch die zukünftige Welt. Er sieht Menschen, die allen Schmerz und alles Leid überstanden haben und gemeinsam singen. Aus dieser Zukunftsvision kommt der Monatsspruch Oktober. Der Text stammt aus einem Lied von Mose. Von damals bis in die fernste Zukunft hinein gilt der gleiche Zuspruch, die gleichen vertrauensvollen Zeilen:

„Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr und Gott, du Herrscher über die ganze Schöpfung. Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König der Völker.“
Offenbarung 15,3e

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Können Sie sich dieses Bild im zukünftigen Himmel vorstellen?
Darauf vertrauen, dass Gott alles in seinen Händen hält - damals, heute, übermorgen?
Manchmal ist das gar nicht so leicht. Und doch glaube ich, ist es hilfreich immer wieder neu hier die Fantasie anzuregen. Sich vor Augen zu führen, dass er uns begleitet und verlässlich mit uns in die kommende Zeit geht. Denn sein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Bild von Mystic Art Design auf Pixabay

Mittwoch, den 28. September 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Enttäuschende Erfahrungen gibt es immer wieder. Da denkt eine: „Ich komme zu kurz. Meine Wünsche werden nicht beachtet. Meine Sorgen werden nicht ernst genommen“. Da denkt einer: „Es gibt nicht die Anerkennung, die ich erwartet habe“. Sie reagieren vorsichtig oder gereizt. Beides schenkt keine erfüllenden Erfahrungen, sondern neue Enttäuschungen. Ein Kreislauf...

Wie anders Paulus (2. Korinther 9,8):„Gott kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk.“ Gottes Gnade schenkt den Menschen so viel, dass sie sich beschenkt fühlen und auch noch weiter schenken können. Niemand muss Sorge haben, zu kurz zu kommen. Niemand muss verärgert sein. Denn Gottes Gnade gibt reichlich. Eine unerschöpfliche Quelle...

Können beide Positionen zusammenfinden? Nun, Paulus hatte eine konkrete Situation vor Augen. Er schrieb an die christliche Gemeinde in Korinth und bat sie um finanzielle Unterstützung für die Gemeinde in Jerusalem. Also ein Spendenaufruf. Doch Paulus begründete ihn mit der reichen Gnade Gottes. Die Christen aus Korinth würden von Gottes Gnade leben. Sie täte ihnen gut. Sie lebten in der Gemeinschaft Christi. Sie seien vielfach begabt. Sie seien nicht nur im geistlichen Sinne beschenkt und reich, sie könnten einander auch materiell stärken. Paulus bat sie um Unterstützung für die Gemeinde in Jerusalem. Ob es den Gemeindegliedern leichtfiel, sich an der Sammlung zu beteiligen? Es gehörten auch viele Arme, Sklavinnen und Sklaven, zur Gemeinde. Aber Paulus traute ihnen allen zu, aus der Dankbarkeit heraus zu helfen. Und das würde den Gebenden und den Empfangenden nur guttun.

Wie erleben wir die Gnade Gottes? Sicher sehr unterschiedlich und auch besonders. Das Erntedankfest gibt uns in diesen Tage Impulse. Gottes Gnade beschenkt jeden und jede reichlich – Sie schenkt Liebe und Zutrauen. Sie schenkt Begabungen für all die Aufgaben, die anstehen - zwischen den Menschen und auch zum Schutz der Schöpfung. Und wenn das Gottvertrauen am Anfang steht, können Enttäuschungen zurücktreten und neue, erfüllende Erfahrungen gemacht werden. Es ist ein gesegneter Anfang.

Fotoquelle: Pixelio

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Mittwoch, den 21. September 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Singt dem Herrn!

So steht es in der heutigen Tageslosung Jesaja 12,5.
Viele sagen: Ich kann nicht singen.
Bei einer Beerdigung schon gar nicht!
Darum werden da immer öfter CDs gespielt.
Im Trauerzug wird dann das Schweigen nicht ausgehalten.
Weil man ja so lange still sein musste in der Kapelle.
Musste man gar nicht!
Ich ermutige auch Trauernde zum Singen.
Es muss ja nicht immer Lobe den Herren sein.
Auch wenn für viele Verstorbene gilt:
In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet...
Singen tut der Seele gut, auch wenn sie trauert.
Singen schafft Resilienz, also Widerstandskraft.
Wer singen kann, schöpft Atem zum Weiterleben,
in der Friedhofskapelle und anderswo.
In jedem Gottesdienst beachten wir Jesajas Worte (12,5).

Eines meiner Lieblingslieder aus dem Gesangbuch ist Nr. 533.
Gedichtet von Arno Pötzsch im Jahr 1942:

Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand,
die er zur Heil uns allen barmherzig ausgespannt.
Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade, trotz aller unserer Not.
Wir sind von Gott umgeben, auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.

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Mittwoch, den 14. September 2022

 

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Heute kommt die Wortmeldung ausnahmsweise nicht zu einem Bibelvers.

Sie beginnt vielmehr mit einem lateinischen Motto, das einige Kirchenglocken ziert: vivos voco, mortuos plango, fulgura frango.

Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze zerbreche ich.

Allein Teil drei verweist auf vorchristliche Zeiten, als Glocken noch eine magische Schutzfunktion zugeschrieben wurde.

Unsere Glocken im Kirchturm zeigen drei Frauenporträts: Kurfürstin Sophie, Prinzessin Friederike und nicht zuletzt Königin Victoria von England als Stifterin.

Erlauben Sie mir drei Gedanken dazu:

  • Sie laden jeden Sonntag verlässlich um 10 vor 10 zu unserem Gottesdienst ein: Drei Glocken sind Minimum für einen einladenden Wohlklang in den Ohren. Der ist bei uns durchaus gegeben!
  • Zur Langen Nacht der Kirchen läuten unsere Glocken in dieser Woche auch am Freitag, vor 18 Uhr und zur Mitternacht: Mehr als ein Schmuckrahmen um gute Musik – Zeichen dafür, dass Gottes Wort laut wird zu Anfang und am Ende. Und Ausdruck der Freude darüber, dass nach dreijähriger „coronabedingter“ Pause diese Nacht wieder gefeiert werden kann.
  • Unsere Glocken sind ein Geschenk von Königin Victoria, die - bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts - fast genauso lang regierte wie Elizabeth. Nun müssen wir dreimal Ur sagen. Victoria ist die Urururgroßmutter von König Charles.

Übrigens: Nächstes Jahr am 4. September können wir 125 Jahre Glocken-Jubiläum feiern!

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Mittwoch, den 07. September 2022

 

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! (Psalm 84,2)

Woran dachte wohl der Dichter dieses Psalms? Hatte er den Tempel von Jerusalem vor Augen oder denkt er an das Reich Gottes?

Mir fällt dazu ein, dass bei uns Kirchen auch als „Gotteshäuser“ bezeichnet werden. Ein vieldeutiges Wort. Was macht aus einer Kirche ein Gotteshaus?
Vor einem Jahr habe ich schon mal über den Eingang zur Klosterkirche in Arendsee geschrieben: eine kleine Tür, die von sieben gotischen Bögen eingerahmt wird. Dahinter öffnet sich der Raum in das riesige, stille Kirchenschiff. Die Kirchenhüterin zeichnete damals das wunderschöne Bild, dass mit dem Durchschreiten unter jedem Bogen eine Last des Alltags abfällt und man mit dem Betreten der Kirche in eine anderen Welt eintritt, in der Gnade, Treue und Barmherzigkeit gelten.

Manchmal findet man auch heute Kirchenräume, die einen aus dem Alltag in eine andere Welt tragen. Und manchmal sind es gerade Orte außerhalb von Gebäuden, die einem das Gefühl geben, dem EINEN Schöpfer nahe zu sein.

Es ist gut, wenn man Orte hat, die den eigenen Glauben stärken. Gleichzeitig gehört zu einem lebendigen Glaube vor allem die Gemeinschaft von Menschen, die in dem EINEN Geist zusammenkommen, losgelöst ist von jedem Gebäude.

Jesus spricht:
Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.
(Matthäus 18,20)

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Mittwoch, den 31. August 2022

WORTmeldung von Vikarin Sabine Schumacher

Morgen ist meteorologischer Herbstanfang: Für Menschen mit eigenem Garten beginnt damit die Obsternte. Etwa Äpfel, Birnen oder Pflaumen wollen eingesammelt werden.

Das heutige Bild stellt die Frage, was wir innerlich an Gedanken und Ideen ansammeln.
Es sind viele Themenbereiche, die zurzeit zusammenkommen und die eigenen Kräfte, das eigene Herz sehr in Anspruch nehmen können.

Ich möchte mit allem, was in den Körben ist, mich von Hanna aus dem Alten Testament ermutigen lassen und diese vor Gott ausschütten.
Hanna singt und betet:
»Der HERR erfüllt mein Herz mit großer Freude, er richtet mich auf und gibt mir neue Kraft!
1. Samuel 2,1

Denn trotz allem, was gerade los ist und in uns vorgeht will auch Gott immer wieder unser Herz mit Freude voll machen und uns neue Kraft für unseren Weg geben. Und das gerade dann, wenn unsere inneren Körbe, unser Herz und Kopf schon so voll sind mit anderem.

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Mittwoch, den 24. August 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

 Vor sechs Tagen hat sich mein Sohn auf den Weg in den weiten Raum gemacht, ein entwicklungspolitisches Jahr in Mittelamerika, zwölf Monate fern der Heimat.

Manchmal muss man in die Ferne gehen und sich auf die Suche machen nach dem, was einem wichtig ist und sich von allem lösen, was einen bindet. Auch wenn man dort fehlt, wo man war und vermisst, was man hatte.

Es macht bewusst, dass uns unsere Kinder nur geliehen sind, sowie wir selber hier nur Gast sind.

 Ob man als Eltern das richtige Werkzeug mitgegeben hat, kann man nur ahnen. Es bleibt das Vertrauen, dass dort wo die elterliche Fürsorge endet, eine Kraft behütet, ein Segen begleitet und jenseits unseres menschlichen Vermögens dafür gesorgt ist, dass die Suche auf den richtigen Weg führen wird.

 Das Gebet der Losung von heute bringt es auf den Punkt, was so manchen jungen Menschen in diesen Wochen mit Ende der Schulzeit zu neuen Ufern aufbrechen lässt.

Es lautet in der Verdeutschung von Franz Rosenzweig und Martin Buber:

 Ergehn darf ich mich in der Weite, denn ich frage deinen Ordnungen nach.

Psalm 119,45

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Mittwoch, den 17 August 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Seht doch, wie große Dinge Gott an euch getan hat!
Samuel 12,24

Das sind die letzten Worte, die der alte Gottesmann Samuel an Israel richtet. Von sich selbst sieht er ab und schaut auf Gott.

Ab und an öffnet sich weiter Raum in uns und um uns herum.

So ging es mir, als ich unfreiwillig das Gespräch zweier Freundinnen mithörte. Das war am Rand des Maschseefestes letzte Woche. Die gar nicht so üble Livemusik trat in den Hintergrund, als sich den am Ufer Sitzenden dieser Ausblick nach Westen öffnete. „Weißt du“, sagte die eine, „wenn ich hier so sitze, könnte ich direkt an Gott glauben. Trotz Krieg und Klima: Die Erde ist immer noch schön. Und wir haben es gerade gut hier“. Und die beiden schwiegen eine Weile miteinander. Ich stimmte in Gedanken zu und sprach ein stilles Dankgebet.
Amen.

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Mittwoch, den 10. August 2022

WORTmeldung von Vikarin Sabine Schumacher

Eine Runde Yoga auf der ruhigen Ostsee, das habe ich vor ein paar Jahren ausprobiert. Schön in der Balance auf dem Brett stehen und spüren, wie die Wellen dennoch sicher tragen.
Wenn ich heute Nachrichten lese fühlt es sich eher an als würde man auf einer stürmischen See das gleiche versuchen, aber es scheint nahezu unmöglich da die innere Ruhe beizubehalten. Klappt das nur, wenn man die Augen zumacht und ignoriert, was da um uns herumtobt?

Der heutige Losungs- und Lehrtext provoziert:

„Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.“ Jesaja 43,2

„Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen!“ Matthäus 8,26

Glauben heißt, mein Vertrauen auf Gott auszurichten. Aus seiner Gnade und seinem Frieden neue Kraft zu tanken. Er ist auch in den Stürmen dabei. So will ich mich herausfordern und bete die Worte, die meine Yogalehrerin ans Ende einer Einheit setzt:

„Mögen Gnade und Frieden in dir Raum einnehmen,
mögen Gnade und Frieden in uns Raum nehmen,
mögen Gnade und Frieden da Raum einnehmen,
wo sie gerade so dringend gebraucht werden.“

Bild von Felix Ulich auf Pixabay

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Mittwoch, den 27. Juli 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Geht es Ihnen auch so? Im Urlaub gehe ich gern mit den Augen in anderen Kirchen auf Bilder-Entdeckungsreise. Allzu schnörkeliger Barock stößt mich ab – anderes erfreut auch Herz und Verstand. Zum Beispiel Mose, der die Kanzel trägt. Was für ein kräftiges Symbol: Ohne Altes Testament als Basis bricht christliche Verkündigung zusammen! Mittlerweile führe ich eine Liste der Kirchen, in denen ich solche von Mose gestützten Kanzeln finde (und bin für ergänzende Hinweise, geneigte:r Leser:in, dankbar!) Meist hält Mose die beiden Gebotstafeln in Händen.

Im schwedischen Kalmar fand ich jüngst im dortigen Dom erstmals einen Mose mit Stab. Und schlug die entsprechende Bibelstelle nach:

Numeri (= 4. Mose) 20,11: Mose erhob seine Hand und schlug den Felsen mit dem Stab zweimal. Da kam viel Wasser heraus, so dass die Gemeinde trinken konnte und ihr Vieh.

Ich nahm meine Wasserflasche und prostete dem zu, der in der Wüste für das elementare Lebensmittel sorgt.

Und ohne den und sein Volk es wohl auch diese Kirche gar nicht gäbe…

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Mittwoch, den 20. Juli 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

Der Hauptmann sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. (Matthäus 8,8)

Der Mann ist ein Vorgesetzter, wie man ihn sich nur wünschen kann, war mein erster Gedanke beim Lesen der ganzen Szene zwischen den Versen 5 bis 13. Daraus stammt der heutige Lehrtext.  Welch ein sensibler und umsichtiger Mensch, dieser Hauptmann!

Der Text beschreibt eindrucksvoll, was die Kraft aus Vertrauen, Respekt und Fürsorge bewirken kann.

Ein Hauptmann, vermutlich ein römischer Offizier, macht sich große Sorgen um seinen Knecht, der schwer erkrankt ist und Qualen leidet, wie der Text sagt.  Er greift zum Äußersten und macht sich selber auf den Weg, um Hilfe zu holen. Das ist echte Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein!

Er sucht Jesus auf, der in den Ort gekommen ist, und spricht ihn mit großem Respekt an. Er bittet für seinen Knecht. Jesus will zum Erkrankten gehen, um ihn zu heilen. Der Hauptmann entgegnet, er sei es nicht wert, dass Jesus in sein Haus käme. Im nächsten Moment offenbart er ein tiefes Vertrauen in das Wirken von Jesus, indem er meint, dass ein Wort von Jesus reiche, um seinen Knecht zu heilen.

Jesus seinerseits äußert daraufhin Verwunderung über den starken Glauben des Hauptmannes.

Der Knecht ist geheilt, als der Hauptmann zurückkehrt. Das sagt Jesus zu. Am Ende bleibt offen, ob durch Jesus Wort oder den Glauben des Hauptmannes. Oder beides zusammen?

Was braucht es demnach, um heilsam in der Welt zu wirken? Diese Geschichte legt es nahe. Und es klingt eigentlich gar nicht so schwer: Fürsorge für Hilfsbedürftige, Respekt vor dem Anderen, Wertschätzung des Mitmenschen und Vertrauen in das Wort.

Du bist mein Schutz und mein Schild; ich hoffe auf Dein Wort. (Psalm 119,114)

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Mittwoch, den 13. Juli 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Gehet hin in alle Welt, … So beginnt einer der Bibeltexte für diesen Tag. Passt das nicht zu dem Beginn der Sommerferien? Viele Familien haben den Urlaub seit Monaten geplant. Es geht ihnen um das Ziel: sich am Sandstrand erholen. Fremde Länder kennenlernen. Religiöse Stätte aufsuchen. Besondere Naturschauspiele mit eigenen Augen sehen. Doch in diesem Jahr müssen alle viel Geduld aufbringen: die Flughäfen und die Bahnhöfe sind überfüllt, die Autobahnen überlastet. Der Anreise ist schwieriger als sonst...

Gehet hin in alle Welt, … Der Apostel Paulus hatte eine andere Motivation für seine Reisen. Er war unermüdlich unterwegs, um das Evangelium von Jesus Christus zu predigen. Er legte lange Reisen zu Land und zu Wasser zurück. Jede Reise brachte ihn weiter fort. Auf seiner vierten Reise nach Rom überlebte er nur knapp einen Schiffbruch. Welch ein Einsatz. Er hielt sich an den Bibelvers: „Gehet hin in alle Welt, und predigt das Evangelium aller Kreatur“ (Markus 16,15).

Der Zweck der Reise wird in diesem Bibelvers festgelegt. Das Evangelium, die gute Nachricht soll gepredigt werden. Aber der Zweck ist auch weit gefasst, weil es um alle Kreatur geht. Der ganzen Schöpfung tut es gut, von Jesu Auferstehung zu hören. All diejenigen, die durch Sünde und Tod in ihrer Existenz belastet sind, erhalten eine neue Hoffnung. Paulus warb für das Evangelium – ohne Gewalt. Mit Worten.

Dieser Reisezweck ist uns heute eher fremd. Wir predigen nicht auf unseren Reisen. Und doch bringen wir an unser Reiseziel etwas von dem mit, was uns wichtig ist. Der Glaube an das Evangelium begleitet uns auch an unser Urlaubsziel und lässt uns Gottes Schöpfung wahrnehmen: wir sind ergriffen von einem Sonnenuntergang oder von der Weite des Horizonts. Wir erkennen den Reichtum fremder Kulturen. Wir sehen die Armut und die Gastfreundschaft der Menschen. Wir spüren die Stille einer Kirche. Wir sehen auch die Mühen, dem Klimawandel zu begegnen. Mit Umsicht, Dankbarkeit und Hoffnung können wir in die Welt reisen.

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Mittwoch, den 6. Juli 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

 Im Lehrtext zur Losung von heute geht es um das Licht:

"Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. (1. Joh 1,5)"

 Mir kommt dabei unser Taizé-Abend vor einer Woche in den Sinn. Eins unserer Lieder, die wir ausgesucht hatten, beginnt so: „Gott, lass meine Gedanken sich sammeln zu Dir. Bei dir ist das Licht, du vergisst mich nicht ...“

Ich war neugierig und habe nach der Herkunft des Liedes geforscht: Es greift ein Morgengebet von Dietrich Bonhoeffer auf.

Als Dietrich Bonhoeffer das Gebet schreibt, sitzt er in Berlin im Gefängnis ohne einen Prozess, weiß sein Leben bedroht und kennt die Menschenverachtung des Dritten Reiches. Etwas über zwei Jahre wird er gefangen gehalten werden, bevor er wenige Tage vor der Kapitulation auf persönlichen Befehl Hitlers ermordet wird.

Beim Lesen des Gebets habe ich tief Luft geholt. Es hat mich berührt, dass aus ihm einerseits so klar die tiefe Verzweiflung eines Menschen spricht, der einem brutalen System ausgeliefert ist, und auf der anderen Seite gleichzeitig ein so tiefes Gottvertrauen offenbart.

Es macht auch in unserer Zeiten Mut, mit diesem Gebet den Tag zu beginnen, sich wieder neu auf den Weg zu machen und bei allen Widrigkeiten das Licht im Blick zu haben.

 Morgengebet von Dietrich Bonhoeffer

 Gott, zu dir rufe ich am frühen Morgen

hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;

ich kann es nicht allein

In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht

ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht

ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe

ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden

in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld

ich verstehe deine Wege nicht,

aber du weißt den rechten Weg für mich.

Amen

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Mittwoch, den 29. Juni 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

„Du hast die Wahl. Ich überlasse dir die Entscheidung“, höre ich von meinem Gegenüber. Und ich freue mich darüber, entscheiden zu dürfen, wie wir den Nachmittag gemeinsam verbringen werden. Mal wieder schwimmen gehen. Oder das neue Eiscafe´ ausprobieren. Oder zu einer Ausstellung ins Museum. Ich darf mir etwas wünschen. Aber es lockt mich alles. Entscheidungen fallen oft nicht leicht, weil das Angebot so groß ist. Und sie fallen geradezu schwer, wenn wir die Konsequenzen nicht überblicken können. Welcher Beruf wird mich reizen? fragen sich junge Leute. Ist es der richtige Studiengang? fragen sich Studierende. Wie soll meine Zukunft aussehen? Welches Bild von Familie prägt mich? Kann ich eine Entscheidung rückgängig machen? Finde ich dafür Verständnis und das nötige Kleingeld?

Mose wandte sich in einer langen Rede an das Volk Israel. Sie waren mit ihm durch die Wüste gezogen und hatten ihr Ziel fast erreicht: das verheißene Land. Es war schon zu sehen. Mose erinnerte sie an Gottes Gebote, die sie am Gottesberg in der Wüste erhalten hatten und die für das Leben in der Freiheit gelten sollten. Er nannte ihnen die Konsequenzen ihres Verhaltens: Gottes Gebote sollten das Leben fördern. Aber wenn sie sich dagegen entscheiden, vereinzelt oder immer wieder, hätte das negative Folgen. Er gab Gottes Rede weiter: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben wählst. (5. Mose 30, 19).Wie die Zukunft im einzelnen aussehen würde, war unklar. Welche Aufgaben würden kommen, wenn sie sesshaft würden? Wie würden sich klimatische Bedingungen auswirken: Trockenheit, Hitze, Kälte? Wie würde das Zusammenleben mit den einheimischen Nachbarn gelingen? Aber sie erhielten Gottes Gebote zur Orientierung und sollten sie als Entscheidungshilfe nehmen können – für das Zusammenleben. Das würde Segen und Leben bringen.

Wenn wir heute entscheiden dürfen, können wir eine Auswahl treffen. Manchmal fühlen wir uns überfordert. Und manchmal können wir nicht so frei entscheiden, wie wir gern möchten. Aber wir werden von Gott ernst genommen als diejenigen, die entscheiden können. Dabei können wir seine Gebote beachten, die Segen bringen und dem Leben dienen. Das macht die Zukunft noch nicht klarer, aber es gibt Entscheidungshilfen. Und Vertrauen in Gottes Hilfe. So wird uns die Hoffnung auf Gottes Segen begleiten.

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Mittwoch, den 22. Juni 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

Vor Ostern waren wir in einer Gemeindegruppe von jung bis alt im Negev unterwegs, auf dem letzten Stück des Israel National Trails. Dort wo Israel, Jordanien und Ägypten eng beieinanderliegen und das Rote Meer in den Blick kommt.

Es war so eindrücklich in diesen Tagen der Wanderung mit einer ungewöhnlichen Hitzewelle: die scharfkantigen Felsen, die schmalen Wege über steile Anstiege und entlang von Schluchten, die fast unerträgliche Hitze, die brennende Sonne, die knapp werdenden Wasservorräte, die geteilt werden, ein Magen-Darm-Virus, das Zusammenhalten, damit auch die Schwächeren im nächsten Wüstencamp ankommen.

Ich habe Respekt vor dem, was die Bibel erzählt: Da macht sich ein Volk auf und zieht mit ganzen Familien und Hab und Gut durch genau diese lebensfeindliche Wüste, um ein Land zu erreichen, das ihnen verheißen wurde. Jahrelang werden sie unterwegs sein zu diesem vagen, unbekannten Ziel.

Das braucht ganz schön viel Mut, aber auch Regeln, die für den Zusammenhalt sorgen. Hier kann nicht das Recht des Stärkeren gelten, wenn alle überleben und ankommen sollen.

Das ist die Zeit der Zehn Gebote.

Sie halten eine Gemeinschaft zusammen, die sich nicht über Landbesitz definiert. Es sind Regeln, die nicht gemacht sind, um einem Herrscher zu dienen, sondern um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, für das Wohlergehen einer Gemeinschaft zu sorgen und den Einzelnen zu schützen. Sie tragen, wenn die Zeit es fordert, sogar durch eine Wüste.

Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel.
Sprüche Salomos 7,2

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Mittwoch, den 15. Juni

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Jesus sagt in seiner Bergpredigt (Matthäus 6,31 + 32):

Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.

Das ist der neutestamentlichen Lehrtext zur Tageslosung für den 16. Juni. Er trifft mich tief, denn ich mache mir zu oft zu viele Sorgen. Jesu Worte treffen positiv auch punktgenau meinen Glauben. Denn ich weiß: Ohne das Urvertrauen, dass Gott für mich sorgt, gäbe es ab und an Grund zum Verzweifeln.

Ich hatte gerade, wie so viele aus unserer Reisegruppe, ein blödes Andenken aus Schottland importiert. Sein Name: Omikron. Meine Frau zur Zeit nicht zu Hause – wer sorgt nun für mich in der Isolation?

Schon am ersten Tag bekam ich per Telefon vier fürsorgliche Angebote. Und konnte sie gar nicht alle nutzen…

Dann wohl dank frischer Impfung: milder Verlauf. Viel Zeit zum Lesen anregender Lektüre. Die Londoner Journalistin Lois Pryce hat ein wunderbar erfrischendes Buch geschrieben. Mit dem Titel: „Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren… Was passierte, als ich es trotzdem tat.“

Alle Freundinnen hatten der Abenteurerinnen vorher abgeraten: In den Iran? Als Frau? Allein? Sie wagt es dennoch - und macht überwältigende Erfahrungen von Gastfreundschaft. Braucht so kaum eigenes Geld für Ernährung. Auch wenn sie selbst ohne Glauben an Gott lebt, kommt sie Jesu Lebensweisheit sehr nah.

Das Motto einer früheren Iran-Alleinreisenden, die Lois Pryce zu ihrer Reise inspirierte, bewahrheitet sich. Es könnte ein Leitgedanke für den Sommerurlaub werden:

Man kann nur dann wirklich reisen, wenn man loslässt und annimmt, was jeder Ort zu bieten hat, ohne ihn in eine bestimmte Schablone pressen zu wollen.
(Freya Stark)

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Mittwoch, den 8. Juni 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Sicher ist er ein eher strenger Mann gewesen:

John Knox, der Reformator Schottlands.

Aber waren sie das nicht auf ihre Art alle, die Männer, die im 16. Jahrhundert eine festgefahrene Kirche veränderten?

Kämpferisch mussten sie schon sein - und entschlossen in ihrer klaren Richtungsentscheidung: zurück, oder sagen wir, vorwärts zu dem, was in der Bibel wirklich steht. In meinem sonst hochklassigen Kultur-Reiseführer wird John Knox nur als Bilderstürmer und Fanatiker beschrieben. Extremer noch als Calvin, sein Lehrer, in Genf.

Ich möchte dagegen seine beiden wesentlichen Verdienste herausstellen. Die Church of Scotland ist noch immer presbyterianisch strukturiert. Das bedeutet: antihierarchisch geleitet – von der evangelischen Klugheit der Vielen, die Autor Frank Schätzing Schwarmintelligenz nennt.

Und seit John Knox wird Volksbildung in Schottland groß geschrieben. Jedes Kind soll nach seiner Auffassung die Bibel selbstständig lesen können – wie modern er da schon denkt!

Ich hätte gern mal einer seiner Predigten gehört – als fiery werden sie beschrieben. Das muss ja nicht mit fanatisch übersetzt werden. Vielmehr mit feurig oder so kurz nach Pfingsten: geistreich!

Der neutestamentliche Lehrtext zur Tageslosung des 9. Juni steht im Galaterbrief (5,1) des Apostles Paulus:
Zur Freiheit hat uns Christus befreit.
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Mittwoch, den 1. Juni 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

Lust und Leidenschaft sprechen aus dem Hohelied, dem Lied der Lieder, versteckt zwischen dem Prediger Salomo und dem Propheten Jesaja. Noch immer viel zu selten wahrgenommen und wenn, dann eher als Stolperstein in den Büchern der Bibel.

Mit der Aufklärung wurde das Hohelied meist als ein weltliches, erotisches Liebeslied verstanden. Im Christentum wurde es lange Zeit übertragen als Liebe zwischen Christus und der Kirche. Und nach jüdischen Verständnis stellt das Lied der Lieder zuerst und vor allem die Liebe zwischen Gott und seinem Volk dar.

Das Lied der Lieder hätte allerdings kaum seinen Platz in den Schriften der Hebräischen Bibel bekommen, wäre es nur die Beschreibung einer begehrenden Liebe zwischen zwei Menschen.

Folge ich der jüdischen Vorstellung, dann lädt das Hohelied ein, den eigenen Glauben mit einem anderen Blick wahrzunehmen. Da ist viel Lust und weniger Vernunft dabei. Im Lied der Lieder begehren sich zwei gegenseitig. Es ist eine erotische Liebe, die nicht nach dem Sinn fragt. Sie ist leidenschaftlich und gleichberechtigt. Einer ist erfüllt vom anderen. Sie ist nur möglich, wenn tiefes Vertrauen zueinander da ist. Sie lädt ein, sich ganz auf den anderen einzulassen, Sie steht über allem und lässt sich nicht infrage stellen. Beide geben und beide nehmen. Einer kann nicht ohne den anderen.

Gewiss täte es unserem Glauben gut, wenn er nicht von unserer üblichen sachlichen Zagheit geprägt wäre, sondern viel mehr von der Hingabe und dem Vertrauen, die das Lied der Lieder erfüllen.

Der Monatsspruch für diesen Monat lautet:

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.

Hoheslied 8,6

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Mittwoch, den 25. Mai 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Nur ein kleines Rädchen im Getriebe! Was kann es bewegen? Ein kleines Puzzleteil darf nicht verlorengehen, denn es fehlt zum Großen und Ganzen. Fühle ich mich klein und größeren Mächten ausgeliefert? Bin ich klein und kann nur wenig Einfluss nehmen? Die Perspektive der Kleinen beschäftigt mich, wenn ich die Tageslosung lese. Gibt es bei den Kleinen nicht die große Sehnsucht nach Schutz durch den starken, mächtigen und großen Gott? Gibt es nicht bei Gott Zuflucht und Schutz für den, der sie sucht und braucht?

David preist Gott mit den Worten in 1. Chronik 29,11: „Dein, HERR, ist die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein“.

David ist selbst ein mächtiger König geworden. Er weiß genau, dass er den Bau des Tempels für Gott gut vorbereitet hat. Er ist sich seiner Größe und Kraft bewusst. Zugleich erkennt er, dass er nur das weitergeben kann, was Gott den Menschen zur Verfügung gestellt hat. Auch er ist abhängig von Gottes Gaben und von Gottes Segen – wie jeder anderer Mensch.

Durch David erhält Gott all die Attribute eines großen Königs zugesprochen: Majestät, Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit. Was sterbliche Herrschende für eine Zeit beanspruchen, schützen und am Ende wieder abgeben müssen, für Gott gilt es in Ewigkeit. Auf ihn richtet sich das Vertrauen der Kleinen, auf seine Macht trauen die Ohnmächtigen, auf seinen Sieg sehen die Verlierer. Das ist naheliegend. Aber nicht nur sie, auch ein mächtiger König wie David erkennt deutlich seine eigenen Grenzen und lobt den ewigen, mächtigen Gott.

Um Gott zu loben, braucht man sich nicht besonders klein zu fühlen. Um Gott zu preisen, kann man sich der eigene Begabungen bewusst sein und sie einsetzen. Und wenn wir Gott die Ehre geben, können wir gut in unseren Grenzen leben und verantwortlich handeln."

Bildquelle: pixabay"

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Mittwoch, den 18. Mai 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

Der Urknall - die Theorie davon bringt mich jedes Mal an die Grenze meiner Vorstellungskraft. Nach dem Stand der Wissenschaft war am Anfang das Universum mit aller Materie der heutigen Sterne, Sonnen und Planeten in einem winzigen Punkt vereint, der sich plötzlich mit nahezu unendlicher Geschwindigkeit  ausgedehnt hat und immer noch ausdehnt.

Meine Frage, was wohl davor gewesen sein mag, erübrigt sich, weil in dem Moment des Anfangs erst die Zeit entstanden sei. Was wird danach sein? Wird die Zeit aufhören? Was ist der Raum, in den sich alles ausdehnt? Warum hat sich der Punkt ausgedehnt? Was gab den Anstoß?

Bei aller Wissenschaftlichkeit bleibt es jenseits dessen, was ich erfassen kann.

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“

(Johannes 1,1)

In der Losung für den heutigen Tag steht da im Griechischen „Logos“, was nicht nur Wort, sondern auch „Sinn“ und „Vernunft“ bedeutet und somit der heutigen Losung einen weiten Raum gibt.

Und in gewisser Weise beschreiben diese ersten Verse des Johannesevangeliums ebenfalls  einen „Urknall“, eher einen leisen, einen göttlichen. Wie übrigens auch jener andere Urknall entgegen seiner Bezeichnung wohl ganz leise abgelaufen ist.

Während sich das Universum in der Unendlichkeit verliert und auch die Vorstellung davon, setzt die alttestamentliche Losung einen festen Halt dagegen:

„Der Welt Grundfesten sind des Herrn, und er hat die Erde darauf gesetzt.“ (1. Samuel 2,8)

Selbst in Zeiten, wo für einen selber oder für die Welt alles aus den Fugen zu geraten scheint, bleibt die feste Zusage, dass SEINE Grundfesten, die Schutz und Geborgenheit auch in der Not bieten, Bestand haben.

Der Pfarrer und Lieddichter Arno Pötzsch hat diese Zuversicht 1941 unter den Kriegseindrücken sehr eindrücklich in ein Lied gefasst (EG 533):

Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand,

die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod

doch ein in Gottes Gnade trotz aller unsrer Not.

Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit

und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.

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Mittwoch, den 11. Mai 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Können Worte einfach zur Erde fallen? Wenn sie zur Erde fallen, erinnern sie mich an Regentropfen, die den Boden feucht halten. Für die Erde ist es gut. Aber Worte, die auf die Erde fallen, erreichen nicht das Gegenüber. Mit meinen Worten möchte ich mein Gegenüber erreichen, etwas Gutes mitteilen oder Kritik vorbringen oder um Verständnis werben. Wenn sie ungehört auf die Erde fallen, werde ich enttäuscht...

Es zeichnet Samuel aus, dass er schon als Jugendlicher im Tempel Gottes Botschaft mitteilen konnte. Und diese wichtige Aufgabe blieb Samuel später erhalten. Was er im Namen Gottes sagte, erfüllte sich. Es heißt in der Losung des Tages: Samuel aber wuchs heran, und der HERR war mit ihm und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen.(1. Samuel 3, 19).

Es gab sicher viele Gründe, an den Worten Samuels zu zweifeln. Er hatte Kritiker. Denn Samuel hatte nicht nur gute Nachrichten zu überbringen. Und außerdem erfüllte sich nicht gleich, was er weitergegeben hatte. Erst im Nachhinein wurde allen Beteiligten deutlich, dass Samuel das angekündigt hatte, was sich in der Zukunft erfüllen sollte.

In diesen Monaten werden mir die Worte Gottes, die vom Frieden sprechen, besonders wichtig. Ich wünsche mir, dass diese Worte nicht ungehört zu Erde fallen, sondern dass sie zwischen den Menschen und Völkern an Wirkung gewinnen, dass Waffen schweigen und Friedensgespräche gesegnet werden. Mögen alle Worte, die für den Frieden werben, deutlich gehört werden. Und mögen Gottes Worte vom Frieden die Hoffnungen stärken.

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Mittwoch, den 4. Mai 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Wohl allen, die große Freude haben an Gottes Geboten!
Psalm 112,1

Im Judentum wird sogar ein Fest gefeiert, das solche Freude in Wort und Tanz zum Ausdruck bringt: es heißt Simchat Tora.

Christenmenschen tun sich da schwerer. Wir empfinden schon die Zehn Gebote als eine Aufgabe, an der wir täglich scheitern. Jeder Mensch redet mehrmals täglich falsch Zeugnis und am Feiertag kaufen wir in der Bäckerei ein, deren Angestellte doch auch mal frei haben sollten.

Der Heidelberger Theologe Gerd Theissen ist der Meinung, dies solle unter Christen reformierter Konfession anders sein. In einem Vortrag im Jubiläumsjahr des Heidelberger Katechismus 2013 bot er dazu einen provozierenden Vergleich auf. Bei den Lutherischen würden die Zehn Gebote als Spiegel unserer Verfehlungen im Flur hängen. Sie müssten da zuerst beschämt hineinschauen, bevor sie näher treten könnten.

Bei den Reformierten dagegen hinge der Dekalog als gerahmtes Bild in der guten Stube – wie ein Meisterbrief, der uns zeigt, wozu wir fähig sind.

Machen wir was daraus!

An dieser Stelle ausnahmsweise noch ein Veranstaltungstipp: die Gemeindeabende Reformiert heute am 6., 12. und 18. Mai, jeweils um 19 Uhr mit anschließendem Friedensgebet für die Ukraine.

Näheres in allen digitalen Medien und im aktuellen Gemeindeblatt.

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Mittwoch, den 27. April 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

Haltet dem HERRN, eurem Gott, die Treue, so wie ihr es bisher getan habt.

Josua 23,8 (Gute Nachricht Bibel)

Nach unserer Israel-Gemeindereise vor Ostern, die mir noch sehr präsent ist, stehen mir die Beschreibungen der Wüstenwanderung des Volkes Israel viel plastischer vor Augen. Die Mühsal der langen Wanderung durch die Wüste, oft zu wenig Wasser, zu viel Hitze, die bange Frage, wie das verheißene Ziel gegen die vielen Widerstände erreicht werden kann.

Als Josua zur Treue auffordert, ist alles überwunden. Der Auftrag von Mose, der über den Jordan nach Westen schauen durfte, aber das Ziel nicht erreichen würde, ist vollendet. Die Menschen sind unter Josuas Leitung im verheißenen Land, in dem Milch und Honig fließt, angekommen. Alles ist gut gegangen. Es ist eingetroffen, was Gott seinem Volk zugesagt hat. Und nun?

An dieser Stelle finde ich die Übersetzung der Zürcher Bibel eindringlicher:

Ihr sollt festhalten am HERRN, eurem Gott, wie ihr es getan habt bis zum heutigen Tag.

So viel hat sich den letzten 3000 Jahren nicht geändert:

Es fällt leicht, sich an Gott zu erinnern, wenn die Lage schwierig ist. "Not lehrt beten", heißt es nicht umsonst.

Josuas Ermahnung passt heute genauso wie damals:

Wirf deinen Glauben nicht über Bord, wenn es dir gerade gut geht.

Gott begleitet dich in schweren Zeiten, er ist auch in guten Zeiten da.

Vergiss ihn nicht!

Mittwoch, den 20. April 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Der Israel zerstreut hat, der wird es auch wieder sammeln.

Jeremia 31,10

Die Erfüllung des Versprechens der Tageslosung steht noch aus. Im Brief an die Hebräer (Kapitel 4) habe ich neulich entdeckt: Die Redewendung zur Ruhe kommen ist von Luthers Bibelübersetzung geprägt – wie so viele Beispiele für schöne Sprache. Dort geht es um das Ziel, dass eines Tages alle Menschen sich in Gottes Sabbat-Ruhe mit einfinden können.

Gerade in bezug auf Israel wünschte ich das sehr. Das Land, auf dass zwei Völker Anspruch erheben, bebt vor Unruhe und Spannungen.

Als Wandergruppe in der Wüste haben wir davon in der Karwoche zum Glück wenig mitbekommen. Im Gegenteil: Ein junger israelischer Reiseleiter erzählte sehr lebendig von einer ostfriesischen Gruppe, die er kürzlich begleitete. Eines hatte ihn besonders beeindruckt: Die Wanderer haben, mitten in der Wüste eine Teezeremonie mit ihm veranstaltet. Sogar Kandis hatten sie dabei, allein die Sahne habe gefehlt. Was sie versäumt hatten, dem Guide zu erzählen, kann ich dann noch beisteuern: Dass die Sahne mit dem Schöpflöffel stets gegen den Uhrzeigersinn in die Tasse gegeben wird. Um richtig Pause zu machen und für einen Moment die Zeit anzuhalten.

Die Russen sollen doch auch ein Volk großer Teetrinker sein. Kann sich da nicht allmählich der Gedanke an einen Waffenstillstand durchsetzen? Zur Ruhe kommen, sich sammeln können – o Gott, lass unserer Welt bitte genau das widerfahren. Amen.

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Mittwoch, den 13. April 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Im Frühling wird ausgesät. Die Körner werden gewassert, mit Erde zugedeckt, sie ruhen und beginnen dann auszutreiben. In diesem Frühjahr behindert in der Ukraine der Krieg die wichtige Aussaat von Getreidekörnern und Sonnenblumenkernen. Auch in entfernten Regionen drohen Versorgungsengpässe. Jesus benutzte die Beobachtung von Saat und Wachsen, um sein Sterben und Auferstehen zu deuten. Im Johannesevangelium heißt es: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh. 12,24)

Dass das Sterben neues Leben bringen soll, konnten die trauernden Jünger nicht sehen. Sie sahen nur das Ende. „Wie soll da etwas Neues entstehen können?“ fragten sie sich. Aber der Vergleich mit dem Weizenkorn hilft weiterzusehen. Mit dieser Deutung erhält Jesu Sterben einen besonderen Sinn in einem größeren Zusammenhang. Sein Tod bringt Frucht. d.h. Er bleibt nicht im Grab. Er ermöglicht den Jüngern und Jüngerinnen Verstehen und neues Vertrauen. Es gibt einen Gewinn.

Wir befinden uns in der Karwoche. Übermorgen ist Karfreitag. Wir denken an Jesu Tod am Kreuz. Doch sein Tod ist nicht das Ende. Ostern wird er viele Menschen ermutigen, das Vertrauen auf Gott zu setzen und auf den Sieg der Gerechtigkeit zu vertrauen. Er traut der Jüngerschaft zu, dass sie auch anderen von ihrer Hoffnung auf Gerechtigkeit erzählen kann. So bringt sein Tod „viel Frucht“.

Ich bin froh und dankbar dafür, dass es diesen Vergleich mit dem Weizenkorn gibt. So kann ich leichter von Jesu Sterben und Tod erzählen. Das Weizenkorn stirbt, damit es eine neue Ernte geben kann, damit Menschen Jesu Anliegen weitertragen können. Diese Ernte wird auch in unserer Gegenwart sichtbar, wenn Menschen sich über alle Zweifel hinweg vertrauensvoll an Gott wenden und auf seinen Frieden für die Welt hoffen.

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Mittwoch, den 6 .April 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

 

Wer bestimmt den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber unterweist ihn?
Jesaja 40,13

 

Diese Fragen möchte ich in diesen Tagen spontan einem weltlichen Herrscher im Osten stellen:
Was bestimmt Deinen Geist? Deine Gedanken?
Wer ist Dein Ratgeber?
Wer rät Dir, Schulen, Krankenhäusern, Städte, Theater, Kirchen und Wohnungen zu zerstören? Was muss passieren, damit Du aufhörst Soldaten, Männer, Frauen und Kinder zu töten?

Der HERR, von dem Jesaja in der heutigen Lösung schreibt,
lässt sich nicht benutzen, um einen Krieg zu führen.

 

ER steht vielmehr auf der Seite eines verschleppten Volkes.
Auf Fürsten und Nationen legt ER keinen Wert. ER lässt sich mit unseren Maßstäben und Kategorien nicht messen und erfassen.
ER steht über den Dingen und entzieht sich unseren Erkenntnissen.
Wer sollte in der Lage sein, IHM zu raten?
ER ist weder bestechlich, noch boykottierbar.
ER ist nicht empfänglich für fake news.
ER lässt sich nicht kaufen und auch nicht benutzen, um Kriege zu führen.
Von keinem Menschen.

 

Gut ist, Werkzeug des einen, fürsorglichen Gottes zu sein, der nicht auf der Seite der Herrschenden und stets Siegreichen ist,
sondern auf der Seite der Müden und Schwachen, denen er neue Kraft geben will.

 

Es ist tröstlich, sich in diesen Zeiten auf das ganze Kapitel, aus dem die heutige Losung kommt, einzulassen: https://www.bibleserver.com/ZB/Jesaja40

 

O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!
Römer 11,33

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Mittwoch, den 30. März 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Welche Geschichte aus der Bibel dem Maler Otto Pankok wohl vor Augen stand, als er dieses Bild unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1950 schuf?

Sein Titel lautet in künstlerischer Freiheit: Christus zerbricht das Gewehr.

Mir fällt dazu die dramatische Szene der Verhaftung Jesu ein, eine Etappe auf dem Weg ans Kreuz.

Der Evangelist Matthäus erinnert an einen kernigen Satz Jesu:

Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.             (Mt. 26, 52b)

Jesus weist damit einen seiner Begleiter zurecht, der mit seiner Waffe einem Knecht des obersten Priesters ein Ohr abgeschlagen hatte – im frischen Zorn über die Gefangennahme seines Lehrmeisters.

Aus dem Mund Jesu folgt noch eine Frage an den, der mit seinem Schwert zuschlägt:

Meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten und er würde mir nicht sogleich mehr als 12 Legionen Engel zur Seite stellen?                                                                         (Mt. 26, 53)

Jesus bedient sich hier eines militärischen Begriffs: Eine Legion, das sind etwa 5000 Soldaten.

Ich für mein Teil möchte Jesus bitten, seinen Gedanken wahrzumachen.

Mehr als sechzigtausend Boten Gottes an der Seite des Gewaltlosen?

An der Seite auch derer, die für einen Waffenstillstand in der Ukraine eintreten, zum Beispiel in Gestalt von orthodoxen Priestern und Gläubigen?

Das hätte was!

Das wäre auch eine realistische Zahl.

So stark könnte eine Bodentruppe von Gottesboten sicher dazu beitragen, die grausame Sprache heutiger Waffen zum Verstummen zu bringen.

Es wäre höchste Zeit.

 

Möge Jesu Klarheit mehr als eine Vision sein!

Wir treten durch unsere Gebete mit dafür ein.

Zurzeit jeden Mittwoch 19 Uhr in unserer Kirche.

Mittwoch, den 23. März 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Es lässt sich nicht alles planen. Es gibt positive Überraschungen. Gott sei Dank. So trifft sich ein Paar und verliebt sich auf den ersten Blick. Es gibt Wendungen in der beruflichen Tätigkeit. Die Stelle war ihr sicher, aber sie entdeckte zufällig einen ganz anderen Bereich. Sie sattelte um und die neue Aufgabe macht ihr viel mehr Spaß. Und zu den Treffen der Kirchengemeinde lassen sich viele wieder gern einladen. Genauso gibt es negative Ereignisse, die enttäuschen oder aus der Bahn werfen. Gott, hilf uns mit diesen Erfahrungen umzugehen. Wer hätte gedacht, dass der ehrenamtliche Einsatz so wenig erfolgreich war? Wer hätte mit der schlimmen Erkrankung des Freundes gerechnet? Und wer hätte erwartet, dass es wirklich zu einem Krieg in der Ukraine kommen würde. Nur die besonders sachkundigen Militärstrategen hatten diese Möglichkeit erwogen.

Es lässt sich nicht alles planen. Unser Tun ist nicht immer vernünftig. Unser Denken ist nicht immer gradlinig. Ängste und Wünschen nehmen Einfluss. Mit manchem Ereignis war einfach nicht zu rechnen. Wie gut, dass wir angesichts der schönen und bösen Überraschungen beten und uns an Gott wenden können.

Es lässt sich nicht alles planen. In der christlichen Gemeinde von Philippi kamen Männer und Frauen gern zusammen. Sie mussten sich Anfragen von außen und Zweifeln von innen stellen. Der Apostel Paulus wollte sie ermutigen auf das zu vertrauen, was sie von ihm gehört und geglaubt hatten: die gute Nachricht von Gottes Liebe. Paulus wünschte ihnen den Frieden Gottes, der umfassender ist als all ihre Vernunft und ihr bruchstückhaftes Verstehen. So sollten sie in die Zukunft gehen können. Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. (Philipper 4,7)

Es lässt sich nicht alles planen. Gottes Frieden ist auch umfassender als unser Denken und Verstehen, als unser Fragen und Antworten, als unsere Traurigkeit und unsere Wünsche. Wir geraten an die Grenzen unseres Denkens und Verstehens. Deshalb möge Gottes Friede unsere Herzen und unsere Gedanken bewahren. Möge er unsere Zuversicht erhalten in dieser schwierigen Zeit.

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Mittwoch, den 16. März 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

Mir liegt die Tageslosung für den morgigen Tag nahe:

„Gedenke des ganzen Weges, den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre.“ (5. Mose 8,2)

40 Jahre Wüstenwanderung durch alle Höhen und Tiefen! Wir waren im Februar nur mal einen Nachmittag lang gemeinsam unterwegs: hier in Norddeutschland auf dem Jakobsweg. Mal im Gespräch, mal schweigend, mal durch Matsch und über entwurzelte Bäume, mal dem Wind ausgesetzt, mal über Wege voller Pfützen, am Ende müde und hungrig, froh anzukommen in der Dämmerung: warmes Licht aus Kirchenfenstern, dann von Stille umfangen und Pause für die müden Beine.

Pilgerwege sind eigentlich wie unser Leben. Manche Wegstrecke ist im Sonnenschein und manchmal geht es einfach nicht geradeaus. Dann fehlt eine Markierung und man ist eigentlich zu müde, um die nächste Schritte zu tun. Der Weg scheint überhaupt zu weit, zu kalt, zu schwierig.

Überlege dir, was Du mitnimmst, damit es unterwegs nicht zu schwer wird, pack nur das Nötigste ein. Und such dir kein goldenes Kalb am Wegrand. Es hilft nicht, wenn Du stehenbleibst. Das Leben schreitet weiter fort, nichts kannst du festhalten, nichts wird bleiben, wie es jetzt gerade ist. Verlier das Ziel nicht aus den Augen, auch wenn der Weg unwegsam wird. Und vergiss nicht: du gehst nicht allein, auch wenn der Weg gerade schwierig scheint und der Wind ins Gesicht bläst und Krieg und Gewalt den Weg bedrohen.

Mir kommt ein Lied ins Ohr: Ich möchte, dass einer mit mir geht, der´s Leben kennt, der mich versteht…. (EG 209)

Jesus spricht: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig: so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. (Matthäus 11,29)

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Mittwoch, den 9. März 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Ich möchte heute der EKD-Ratsvorsitzenden Annette Kurschus das Wort geben - ich zitiere aus ihrem Statement zum Ukraine-Krieg:

„...Wir sind überzeugt: Waffengewalt wird Leid und Unrecht nur vergrößern. Auch jetzt darf das diplomatische Gespräch mit Russland nicht abreißen. Unsere Kirchen und Gemeinden werden über unsere ökumenischen Beziehungen weiter den Kontakt mit unseren Brüdern und Schwestern in Osteuropa halten. Die Kraft und der Wille zum Frieden muss nicht nur bei den Regierenden wachsen; es ist wichtig, dass sie auch bei denen gefördert werden, die regiert werden. Als Christinnen und Christen glauben wir:

Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens.

  1. Korinther 14,33

Wir weigern uns, zu glauben, dass keine Chancen mehr auf Verständigung und für einen gerechten Frieden bestehen. Wir beten für die Verantwortlichen auf allen Seiten um Einsicht und Besonnenheit, um Mut zur Umkehr und Gerechtigkeit und wir stehen ein für die Hoffnung auf neue Wege zu einem Miteinander der Völker, das berechtigte Interessen ausgleicht und zugleich geltendes Recht stärkt und bewahrt. Mit unseren Partnerkirchen in Russland und der Ukraine, in Polen und im Baltikum und mit allen Menschen guten Willens wissen wir uns versöhnt durch den Gott des Friedens. Wir rufen zu Gott:

Gib Frieden, Herr, wir bitten! Die Erde wartet sehr.

Es wird so viel gelitten, die Furcht wächst mehr und mehr...

Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt,

und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt.                                             aus dem Ev. Gesangbuch, Lied 430 (Jürgen Henkys)

 

Anmerkung: Diese Lied singen wir zurzeit des Öfteren in unserem Abendgebet für den Frieden in der Ukraine. Jeden Mittwoch um 19h in unserer Kirche!

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Mittwoch, den 2. März 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Herr, unser Gott,

die Nachrichten vom russischen Angriff auf die Ukraine haben uns zutiefst erschreckt. Das hätten wir nicht erwartet. Das hätten wir nicht für möglich gehalten. Das hätten wir uns ganz anders gewünscht. Wir hätten uns mehr Einsicht und Geduld, mehr Diplomatie und Einfühlsamkeit in die Position des anderen gewünscht. Nun sind wir traurig, ängstlich und wütend.

Dir sagen wir unsere Angst vor den schlimmen Nachrichten heute und morgen, vor einer Ausweitung der Kampfhandlungen.

Dir sagen wir uns Sorgen um die vielen Menschen in der Ukraine, die aufgeschreckt und verzweifelt sind, die durch Angriffe bedroht werden: Alte und Kinder, Frauen und Männer.

Dir zeigen wir unsere Wut über den militärischen Angriff und unseren Ärger über die schwache Begründung, die Sachverhalte verfälscht.

Dir sagen wir unser Mitgefühl mit den vielen Flüchtenden. Wir verstehen sie.

Dich fragen wir, wie hat es so weit kommen können?

Dir sagen wir unsere Hoffnung, dass Soldaten sich Befehle zu schießen doch verweigern, dass die Not und das Elend der Zivilisten zum Einlenken führen, dass die Diplomatie nicht ruhen wird.

Herr, unser Gott, dir sagen wir unser Erschrecken, unsere Sorge, unsere Angst und unsere Hoffnung, Gib du dem Raum. Führe uns zusammen hier in der Kirche und an den vielen anderen Orten, an denen um Frieden gebeten wird. Lass deinen Geist des Friedens stark werden. Und lass die Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung wachsen. Amen.

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Mittwoch, den 23. Februar 2022

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

 "Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zuschanden." (Psalm 119,6)

 Beim ersten Lesen lässt mich die Losung für den heutigen Tag ratlos zurück. Klingt es nicht ein wenig aus der Zeit gefallen? Meine Kinder spricht es jedenfalls nicht an, wenn ich auf die Regeln, auf die Gebote der Familie, hinweise.

 Beim Lesen des ganzen Psalms stelle ich fest: der Psalm fasziniert mich. Er ist der längste aller Psalmen. Im Hebräischen ist er sorgsam strukturiert. In jedem Abschnitt beginnen die Verse mit dem gleichen Buchstaben und folgen so dem hebräischen Alphabet von Anfang bis Ende. Inhaltlich schwankt der Beter zwischen Nöten und Bedrängnis und Lob und Hingabe an die Gebote Gottes. In dem Psalm stehen so inhaltliche Unruhe einer klaren äußeren Struktur gegenüber.

 Das spiegelt wider, was Gebote auch für uns heute ausmachen: wo sonst Chaos herrschen würde, geben sie Struktur.

 Ich denke nochmal an die eigenen Kinder. Ihnen gibt man Gebote, um ihr Chaos zu ordnen, um Halt zu geben und sie langfristig auf dem richtigen Weg zu begleiten. Grenzen zu setzen, ist dabei auch ein Ausdruck von Liebe und Fürsorge.

 Gebote geben und Gebote beachten sind Eckpunkte, dass man einander nicht egal ist. Sie sind das Gegenteil von Beliebigkeit.

 Ich suche, was heute Gebot sein kann, um die Richtung nicht zu verlieren, und halte mich mal einfach an die Frage: „Was würde Jesus dazu sagen?“

 Diese Frage hat übrigens den Pfarrer Martin Niemöller geprägt, Begründer des Pfarrernotbundes, Hitlers persönlicher Gefangener, späterer Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und Aktivist der Friedensbewegung. Er entdeckte ihn, als er seinen Vater, einen Pfarrer, zu einem Krankenbesuch bei einem Textilarbeiter begleitete. Da stand mit Glasperlen auf ein Samtkissen gestickt: „Was würde Jesus dazu sagen?“. Das wurde sein Leitmotiv.

 Und Jesus hat ja tatsächlich eine Antwort auf die Frage nach dem höchsten Gebot, die gar nicht so kompliziert klingt:

 „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das höchste und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst Deinen Nächstes lieben wie dich selbst.“ (Mt 22,37-39)

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Mittwoch, den 16. Februar 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Neulich habe ich Hartmut besucht. Vergnügter Senior in hessischer Kleinstadt, Cousin meiner Mutter. Er zeigte mir ein Schriftstück seines Großvaters. Meines Uropas, der leider schon kurz nach meiner Geburt verstarb. Ich hätte ihn gern kennengelernt, schon allein um dieser unglaublich exakten Handschrift willen. Habe ich von ihm geerbt, dass ich bis heute lieber mit der Hand als mit der Maschine schreibe? Ich finde das persönlicher.

Vielleicht ist es eine gute Möglichkeit, Jesus einmal anders zu bezeichnen denn als „Gottes Sohn“. Jesus ist die Handschrift Gottes. Er steht für Gottes Wort ein, voll und ganz, mit Leib und Seele, markant und unverwechselbar. Ich denke, das kommt auch im neutestamentlichen Lehrtext zur Losung des morgigen Donnerstags zum Ausdruck.

Jesus sagt denen, die ihm folgen wollen:

Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

Johannes 8,31-32

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Mittwoch, den 19. Januar 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Wie ist das mit der Achtung und der Wertschätzung? Sie achtet den anderen und möchte dieselbe Achtung für sich. So können sie einander auf Augenhöhe begegnen. Er fordert die Wertschätzung ein und ist verärgert, wenn sie ausbleibt. Dann müssen die beiden erst wieder zu einer gemeinsamen Basis finden. Aber öfter ist es erschwert durch unterschiedliche Voraussetzungen: auf der einen Seite sind die alte Hasen, auf der anderen Seite die Neulinge. Es gibt lautere und leisere Typen. Es gibt Statusunterschiede. Und ganz unten? In der Stadt beobachte ich eine Frau in einem Hauseingang mit all ihrem Besitz in einem Einkaufswagen, vor sich eine Schale für Münzen. Sie schaut auf den Boden. Kein Blickkontakt. Nur ein Aufsehen, wenn eine Münze in die Schale fällt. Aber eine Begegnung auf Augenhöhe kann nicht gelingen.

Die Tageslosung warnt vor einem geringschätzigen Verhalten gegenüber den Armen. Und sie warnt vor Schadenfreude. Es ist die Warnung eines barmherzigen Menschen vor unbarmherzigem Tun. In Sprüche 17,5 steht: Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer und wer sich über eines anderen Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.

Der Spott wird nicht einfach verboten, denn er kommt zu oft vor. Und es wird nicht nur an das Mitgefühl appelliert, denn auch Schadenfreude ist verbreitet. Vielmehr wird ein größerer Zusammenhang gesehen: hinter dem Armen steht sein Schöpfer und auf meine Schadenfreude folgt doch oft auch ein eigenen Schaden. Vielleicht hätte die Tageslosung auch einfach zu mehr Achtung und Wertschätzung auffordern können? Aber so wird doch der Rahmen des menschlichen Handeln bewusst: dem Schöpfer verdanken wir so viel. Und wenn wir Schweres durchmachen, hilft uns vor allem Solidarität.

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Mittwoch, den 12. Januar 2022

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Vor einigen Wochen war ich in einer mir noch unbekannten Kirche in Hessen.

Unser Sohn ist dabei und zeigt mir dieses laminierte Gebet. Es beeindruckt ihn so, dass er eine Kerze dazu anzündet. Ich tue es ihm gleich. Und ich denke: Wie schön, dass es nicht nur reformierte Kirchen gibt. So sehr ich unsere Aufgeräumtheit liebe – ich mag auch Kerzenlicht!

Na klar, ich kenne die theologischen Begründungen, dass Reformierte nur im Advent Kerzen haben, oder ausnahmsweise bei Taufen: Ende des Opferkultes, keine „unnatürliche Feierlichkeit“, da unsere Kirchen Orte mitten in der Welt sind...

Aber an jenem Tag leuchtet sie mir stärker ein, im wahrsten Sinn des Wortes: die Kerze, die ich anzünden und in den Sand stecken kann. Ein einfaches Ritual – es begleitet mein Innehalten, mein Nachsprechen des Gebetes.

Hilf mir, in deinem Licht meinen Weg durch den Tag zu gehen. Amen.

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Mittwoch, den 5. Januar 2022

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt. In diesen Tagen haben wir Frühlingstemperaturen erlebt und Schneeregen. Wir haben Entspannung bei den Inzidenzzahlen gesehen und den Anstieg der letzten Tage beobachtet. Wir genießen die Ruhe der letzten Ferientage und fragen uns besorgt, wie es in den Schulen wieder beginnen wird. Wir räumen traurig die Weihnachtsdekoration zur Seite und trösten uns mit dem Kauf von Frühlingsblumen. Besuche in Krankenhäusern müssen wegen der Infektionsgefahr verschoben werden, aber Telefonate sind weiterhin möglich. Der Aufbruch ins neue Jahr wird durch das Hin und Her ausgebremst. Da wünsche ich mir ermutigende Worte, die mich zuversichtlich stimmen.

In der Tageslosung geht es um Gottes Zuwendung. Mose hörte diese Worte am Sinai, als er zwischen Gott und dem Volk Israel vermittelte. Eigentlich hatte er sich noch mehr erhofft, nämlich Gottes Angesicht zu sehen. Aber Gott schützte ihn von den fatalen Folgen eines solchen Sehens und versprach ihm seine Gnade und sein Erbarmen. Der HERR spricht: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. (2.Mose 33,19). War Mose enttäuscht? Gott sagte ihm, was möglich ist und was unmöglich ist. Und Gott kündigte an, was Er möglich machen wollte, nämlich seine Gnade und sein Erbarmen zu zeigen.

Gottes Zuwendung brauchen wir in diesen Tagen. Mancher Wunsch lässt sich nicht erfüllen und manche Hoffnung muss korrigiert werden, aber wenn Gott uns seine Gnade schenkt, hilft es, geduldiger zu sein. Und wenn Gott barmherzig ist, können auch wir barmherzig sein – mit all den anderen und auch mit uns selbst. Mose wird daran erinnert, wie klein er als Mensch ist angesichts des großen Gottes. Aber der große, allmächtige Gott ist nicht unberührt von Sorgen und Hoffnungen der Menschen. Der ewige Gott will uns in unserer Zeit begegnen. Er macht das Kleine groß. Das konnten wir Weihnachten hören. Das können wir ins neue Jahr mitnehmen. So wird unsere Zuversicht wachsen.

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Mittwoch, den 20. Oktober 2021

WORTmeldung von Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek, Vorsitzende des Presbyteriums

Die Losung für den heutigen Tag ist mal wieder so Vers in der Bibel, über den ich stolpere:
„Der HERR sprach: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“. (1. Mose 8,21)

Er steht in der Geschichte von Noah, nachdem Sintflut zurückgegangen ist, Noah mit seiner Familie und den Tieren die Arche verlassen hat und das Leben auf der Erde wieder beginnt.
Pädagogisch gesehen, als Mutter von herangewachsenen Kindern, ruft dieser Vers bei mir Widerspruch hervor. Mit der Einstellung kann ich nicht an Erziehung herangehen! Wie soll ich mit dieser negativen Erwartungshaltung eine positive Entwicklung anregen? Er passt so gar nicht in die heutige Zeit. Wahrscheinlich taucht dieser Vers deswegen auch in keiner Kinderbibel auf.
Aber an dieser Stelle darf man nicht aufhören zu lesen! Die Beziehung zwischen Gott und Menschen nimmt nun eine Wendung und wird ganz erwachsen. Sie erinnert mich ein weiteres Mal daran, wie es ist, wenn Kinder größer werden und ihr eigenes Leben aufbauen: man hört auf Grenzen zu setzen, zu tadeln, Regeln aufzustellen, Wege vorzuschreiben und Hausaufgaben zu kontrollieren. Es kommt stattdessen das ermunternde „Dafür bist Du jetzt selbst verantwortlich“ und „Das ist jetzt Deine Aufgabe, nimm es selber in die Hand“. Aber auch ein “Tu, was Du nicht lassen kannst, aber beschwer Dich nicht, wenn es schiefgeht“ und ebenfalls „Ich werde mich in Zukunft aus Deinen Sachen heraushalten. Du musst es selber organisieren“.
Letztlich traut Gott den Menschen eine ganze Menge zu. Er übergibt die Erde mit allem, was auf ihr lebt, in die Verantwortung der Menschen und sagt zu, nicht mehr bestrafend einzugreifen.
Ein größeres Vertrauen könnte man seinen Kindern mit der Übergabe der Schöpfung kaum aussprechen!

Und dann blitzt da doch auch die elterliche Fürsorge auf, die anhält, auch wenn die Kinder ausgezogen sind, die Sorge, ob es Ihnen gut geht, wenn sie ihre eigenen Wege suchen. Es ist diese Zusage, dass Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht aufhören werden und mündet in dem Bogen im Himmel als Zeichen des Bundes zwischen Gott und „allem Fleisch, das auf Erden ist“.

Es ist diese fortwährende und wohltuende elterliche Zusage: „Wenn Du mich brauchst, bin ich da“.

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