Mittwoch, den 28. Juli 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Das darf ja wohl nicht wahr sein! So dachte ich laut bei mir, als ich auf einer Radtour diesen Schaukasten entdeckte. Mitten in Niedersachsen, in einem mehr als verschlafenen Dorf. Aber irgendwer sollte doch noch zuständig für „die Kirche“ sein, oder? Wundert es noch jemanden, wenn schon bald der Zeitpunkt erreicht ist, zu dem Kirchenmitglieder in unserem Land die Minderheit bilden werden?

Ich lese die Tageslosung für heute aus Hiob 12, Vers 10:

In Gottes Hand ist die Seele von allem, was lebt.

 Gott sei Dank fand ich am Tag danach eine einladende Kirche. Direkt am Weserradweg. Eine freundliche Frau, die gerade für frische Blumen sorgte, begrüßt mich freundlich-unaufdringlich. Ich bin eingeladen, auf einer großen Deutschlandkarte meinen Wohnort zu markieren. Gegen freiwillige Spende gibt es ein gutes Foto des schönen Gotteshauses. Und Wasser -  im Häuschen direkt nebenan! Was der Radler so braucht.

Und ich finde: Die Kirche, die Gemeinde von morgen kann nur eine gastfreundliche sein oder an Relevanz weiter verlieren...

Gottes Wort wird mich heute begleiten: In Seiner Hand ist die Seele von allem, was lebt!

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Mittwoch, den 21. Juli 2021

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Heute ist der letzte Schultag vor den Sommerferien, die Zeugnisse werden ausgeteilt. Persönlich. In der Klasse. Im vergangenen Jahr wurden sie häufig nur an der Schule abgeholt. Die Fahrt in den Urlaub kann beginnen: ans Meer oder in die Berge oder auf den Campingplatz in der Nähe. Es gab nicht die große Auswahl, aber es gab doch allerlei Möglichkeiten. Außerdem locken die Ausflüge in die nähere Umgebung mit einem Zoobesuch, mit Eisessen bei einem Stadtbummel, mit Bootsfahrten auf der Ihme, Leine oder Aller und mit dem Pflücken von Heidelbeeren auf der Plantage... Es ist Sommerzeit, nicht so sonnig und warm, wie es sich viele wünschen, aber es ist Sommer, die Ferien beginnen - und ich kann es spüren: die Entspannung im Straßenverkehr, die Gelassenheit in den Geschäften, gute Stimmung in den Schrebergärten oder auf den Balkonen. Es tut uns allen gut.

Die vergangenen drei Wochen waren anstrengend. So vieles sollte seit Anfang Juli nachgeholt werden: Geburtstagsfeiern und Konfirmationen, Hochzeitsfeiern, Grillpartys und Ausflüge. Immer wieder mussten wir uns entscheiden zwischen all den Angeboten. Es war gar nicht so leicht. Aber wir haben schöne Veranstaltungen erlebt und fröhlich gefeiert. Sicher wurde auch auf Abstand geachtet. Aber die Impfnachweise, die Nachweise über erfolgte Genesung und die aktuellen Tests gaben relative Sicherheit. Der Beginn der Ferienzeit vermittelt wieder mehr Ruhe. Veranstalter gehen in die Sommerpause. Ein bisschen Ruhe tut uns allen gut.

In dieser Aufbruchszeit erschütterten uns die Bilder von den Überschwemmungen und ihre Folgen in West- und Süddeutschland. Es gab Nachrichten von Todesopfern. Viele Menschen aus den betroffenen Regionen leiden unter Verletzungen und unter Traumata. Die Zerstörungen werden nur mühsam beseitigt. Die Schäden sind immens. Doch es ist tut gut, zu hören, dass die Notlage Menschen vor Ort zusammenschweißt, dass Hilfe von fühlenden Menschen aus der ganzen Bundesrepublik kommt. Und dass professionelle Helfende das ihre tun. Die Beseitigung der Not wird als eine gemeinsame Aufgabe verstanden. Diese Einsicht hilft angesichts der Zerstörung.

„Meine Zeit steht in deinen Händen“ aus dem 31. Psalm (16a). Meine Zeit ist in diesen Wochen gefüllt mit vielen Eindrücken, Aufgaben und Fragen, mit schönen Erlebnissen und erschreckenden Nachrichten. Es gibt Schönes und Hoffnungsvolles, weniger Gutes und Schlimmes, was mich umtreibt und beschäftigt. Es ist fast zu viel. Deshalb entlastet es mich zu wissen, dass meine Zeit in Gottes Händen steht, dass ich mir Zeit nehmen kann für die Arbeit und Zeit für die Erholung, Zeit für Hilfe und Zeit für mich. Ich habe ein Gegenüber, dem ich danken kann, dem ich meine Klage und Sorge sagen kann, den ich um Kraft bitten kann, dem ich andere anvertrauen kann. Meine Zeit steht in deinen Händen, Gott. Und so kann ich mich auf die Ferien freuen. Und das wünsche ich Ihnen auch.

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Mittwoch, den 14. Juli 2021

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Die Wüste.
Es gibt sie in vielerlei Form: Als Sandwüsten wie hier auf dem Bild in Marokko. Als Steinwüsten wie z.B. in Israel. Als Eiswüsten an den Polen. Es gibt aber auch die Betonwüsten wie in manchen unserer Städte. Und es gibt sie in uns, die innere Wüste. Was zeichnet so eine innere Wüste aus? Leere, Mangel, Alleinsein, Kraftlosigkeit, Erschöpfung und Müdigkeit. Symptome, die nach einem Corona-Jahr nicht wenige von uns kennen. Gut, dass Wüsten immer auch Oasen haben. Die muss man allerdings erst finden.  

Wenn wir in der Bibel nach Berichten rund um das Thema Wüste schauen, dann stellen wir mit Erstaunen fest, dass es sehr viele Geschichten um und in der Wüste gibt und, dass an diesen öden Orten immer auch Gottes Fürsorge zu sehen ist. So offenbarte sich Gott seinem Volk in der Wüste! Und dort versorgte er es die 40 Jahre lang hindurch auf wunderbare Weise. Wieder und wieder führte er die Menschen, die er liebte, zu Oasen, wo sie Quellwasser und neuen Mut schöpfen könnten. Später prophezeite Jesaja die kommende Heilszeit unter dem Messias und verband damit diese Aussicht: „In der Wüste brechen Quellen auf und Bäche ergießen sich durch die Steppe. Der glühende Sand verwandelt sich zum Teich und im dürren Land sprudeln Wasserquellen.“ (Jesaja 35,6-7)

Jesus selbst wird uns zur Oase in der Wüste, nicht nur in der landschaftlichen Wüste, auch in der inneren Wüste. Setzen wir auf ihn, wenn wir in dieser Sommer- und Ferienzeit unsere Akkus wieder aufladen und das dürre Land unserer inneren Wüste zur wiederaufsprudelnden Quelle werden lassen wollen. Wie? Gehen wir auf die Suche: bei einem Spaziergang, in der Stille, bei einem Sonnenuntergang, in der Musik, beim Tanzen, in der Gemeinschaft oder andernorts! Viel Freude dabei!

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Mittwoch, den 6. Juli 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Am Sonntag ist es wieder soweit – für mich gleichrangig mit Weihnachten das emotionalste Fest, das wir in der Gemeinde feiern: Konfirmation. Als Kinder fingen sie an mit dem „KU“. Im Lauf der zwei Jahre wurden sie zu Jugendlichen. Vor einigen Wochen fanden sie ihren persönlichen Bibelvers zur Konfirmation. Den werden sie am Sonntag selbst aufsagen.

Werden sie ihn rasch vergessen oder wird sie der Denkspruch weiterhin begleiten?

Im Jahr 1973 hat noch der Pastor selbst die Auswahl getroffen. Mein Spruch von damals ist eine harte Nuss, die ich bis heute nicht geknackt habe. Trotzdem lernte ich ihn auswendig – oder gerade deswegen. An einer entscheidenden Stelle meines Lebens tauchte der Vers dann ganz unerwartet auf. Ich weiß es noch wie heute. Leer, 11. März 1986, erstes Examen. Besonders gefürchtet war der Berliner Professor, der Neues Testament prüfte. Meine Aufgabe gleich zu Beginn: einen Vers aus dem eher schwierigen Griechisch des zweiten Korintherbriefes ins Deutsche zu übersetzen. Was soll ich sagen? Es war mein Vers! Der Prüfer freute sich, wie glatt das ging. Am Ende bekam ich eine überraschend gute Note. Ich glaube das hat mit Gottes großer Gnade zu tun…

Wie gesagt: Mein Konfirmationsspruch bleibt inhaltlich für mich eine Herausforderung.

  1. Korinther 5 Vers 17: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Theologisch kann ich das wohl nachvollziehen: Nach einem bekannten Tauflied bin ich seit meiner Taufe in Christus eingesenkt.

Ein neuer Mensch zu werden, daran arbeite ich aber noch.

Oder sollte ich sagen: Christus arbeitet in mir?

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Mittwoch, den 30. Juni 2021

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Du musst mehr Biss zeigen!“ Diese Ermahnung kennen wir. Oft wird sie Sportlern und Sportlerinnen empfohlen. Oder einer ganzen Mannschaft. Mehr Biss würde zeigen, dass sie den Sieg auch wollen. Mehr Biss würde ihnen zum Sieg in dem Wettkampf verhelfen. „Ihr müsst kämpfen!“ Auch das wird Sportlerinnen und Sportlern gern gesagt. Es soll die Motivation fördern. Es soll auf einen guten Weg bringen. Es soll Kraftreserven mobilisieren. In diesen Wochen der Fußball-Europameisterschaft geben viele selbsternannte Trainer und Trainerinnen vor den Bildschirmen solche Empfehlungen ab. Fehlt es bei einer Niederlage an mangelndem Kampfgeist? Erst wenn wir aus einem Abstand auf einen Wettkamp zurückschauen, erkennen wir auch noch viele andere Faktoren; es liegt nicht nur an dem Willen zum Sieg, sondern auch an inneren Blockaden, an schlechter Konstitution, an unglücklichen Konstellationen, an zwischenmenschlichen Spannungen, ...

Auch das Leben der Christen und Christinnen wird immer wieder mit Sprachbildern aus dem Bereich des Sports verglichen. Sie wissen, dass sie auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen sind. Sie können auf Gottes Großzügigkeit und Gnade vertrauen. Aber es gab und gibt so vieles, mit dem sie sich im Alltag auseinandersetzen müssen. Krankheit und Sterben, Hoffnung und Enttäuschung, Zweifel und Ungerechtigkeit – all diese Erfahrungen fordern heraus und lassen nach Antworten durch den Glauben suchen. Einer der Bibeltexte für den heutigen Tag gibt eine Ermutigung für die Probleme im Alltag und begründet sie mit der Hoffnung auf die Zukunft mit Gott. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist. (1. Timotheus 6, 12).

Eigentlich möchte ich mein Leben nicht als Kampf verstehen. Ich genieße die Leichtigkeit, die Pausen, die Begegnungen mit anderen, den Austausch mit Kollegen und Kolleginnen. In der Zeit des Lockdowns wurden wir gezwungen Abstände einzuhalten. Und mancher Verzicht führte zu einem inneren „Kampf“. Und die Zeit, die vor uns liegt? Es gibt vorsichtige Pläne. Es gibt neue Ziele. Es macht ja auch Spaß, kreativ zu werden, und Phantasie spielen zu lassen. Ich erkenne, dass es auch gute Kämpfe gibt, die mir selbst guttun und anderen helfen. Im Vers vor der Ermahnung zum guten Kampf steht: jage nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut.

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Mittwoch, den 23.Juni 2021

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Deutschland steckt wieder im Fußballfieber. Wer hätte das gedacht?!? Durch die Pandemie und die Verlegung der EM auf 2021 schien mir die Fußball-Begeisterung eher verhalten. Ich selbst stand dem ganzen neutral gegenüber und habe die Spiele nur oberflächlich verfolgt. Bis zum Spiel am vergangenen Samstag. Dieses Spiel hat Spaß gemacht, nicht nur, weil es die erste Gelegenheit seit langem war, bei der ich mit einer Gruppe von Menschen aus unterschiedlichen Haushalten zusammenkommen konnte (wir waren nämlich auf Konfirmandenfahrt). Sondern auch, weil es für schöne Überraschungen gesorgt hat und mir einiges bewusst gemacht hat:

„Seid klug wie die Schlange, aber ohne Falsch wie die Taube.“   Matthäus 10,16

Eine biblische Weisheit, die ich auch in diesem Spiel wiederentdecken konnte. Es gab eine Taktik,   nach der die Mannschaft spielen und natürlich auch den Gegner besiegen sollte. Am Samstag schien die Taktik von Bundestrainer Jogi Löw aufgegangen zu sein.

Vor jedem großen Fußballspiel entwickelt der Trainer oder die Trainerin eine solche Taktik. Manchmal setzt er oder sie auf seine Stürmer*innen im Angriff. Manchmal ist es klug die Abwehr zu stärken und eher aus der Verteidigung heraus zu spielen. Taktisch klug verhalten sich auch die einzelnen Fußballerinnen und Fußballer, wenn sie durch körperliches Geschick, Schnelligkeit und Ballgefühl ihre Gegenspieler*innen abhängen und dadurch eine gute Position für einen Schuss aufs Tor bekommen. Aber egal mit welcher Taktik gespielt wird – „Fair Play“ gehört dazu! „Fair Play“ heißt: Regeln einhalten, niemanden mit Absicht verletzen, kein Foul vortäuschen, im Team zusammenhalten und gemeinsam das Spiel gestalten, sich über Erfolge freuen, aber auch mal verlieren können.

„Fair Play“ ist nicht nur im Fußball wichtig, „Fair Play“ sollte auch im Alltag gelten: In der Familie, in der Schule, in der Gemeinde. Überall gibt es Regeln, die das Zusammenleben erleichtern. Trotz unterschiedlicher Meinungen wird darauf geachtet, niemanden zu verletzen und ehrlich miteinander umzugehen. So handeln wir klug wie die Schlange und ohne Falsch wie die Taube. So wird Gemeinschaft gestiftet und Freundschaft und Zusammenhalt gefördert. Sie geben uns ein Gefühl von Sicherheit und Stärke. Gemeinsam kann man sich über tolle Erlebnisse freuen und sich gegenseitig trösten, wenn etwas Trauriges passiert.

Das wünsche ich uns auch für das Fußballspiel am heutigen Abend: vor allem, dass wir uns gemeinsam freuen können!

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Mittwoch, den 15. Juni 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Haltet fest am Gebet!

Das ruft der Apostel uns zu mit der Tageslosung.
ich stört das auf, denn ich gebe zu:
Ich bete weniger, wenn es mir gut geht.
Und momentan ist die Lage ja stark verbessert!
Der Sommer kommt und die Corona-Zahlen fallen.
Hat Gott die Gebete aus unseren Gottesdiensten erhört?
Im „Jahr der Masken“ haben wir IHM ja viele Fragen gestellt:
Hört das irgendwann wieder auf mit der Pandemie?
Oder sind die Virus-Varianten schneller als der Impfstoff?
Kriegen wir jetzt die Quittung für die Vergiftung unserer Mitwelt?

Eine Zeit zum Durchatmen könnte dieser Sommer werden.
Auch wenn die Hitze uns wieder den Klimawandel spüren lässt.
Was uns Christenmenschen bleibt, auf Durststrecken wie Höhenflügen:
Der Kontakt zu Gott im Gebet - mit Fragen, Klagen und Bitten.
Ich stelle noch eine Lebensweisheit aus Marokko dazu.
Der Rocksänger Wolfgang Niedecken erwähnte sie neulich im Interview:
Geduld und Humor heißen die Kamele, mit denen man durch jede Wüste kommt.
Für beides sind Gebete eine unerschöpfliche Kraftquelle.

Vollständig lautet der Vers für heute:
Haltet fest am Gebet, wachen Sinnes und voller Dankbarkeit. (Kolosser 4,2)

Amen.

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Mittwoch, den 9. Juni 2021

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Wer hat sich nicht schon über die Menschen geärgert, die meinen, die „Weisheit mit Löffeln gefressen“ zu haben? Da redet jemand zu einem Thema ohne Unterbrechung, ohne die Fragen des Gegenüber zu hören. Da überschätzt jemand sein Wissen. Da maßt sich jemand ein Urteil an, das gar nicht alle Faktoren bedenkt. Da ist jemand überheblich und selbstgerecht. Die Diskrepanz zwischen der Selbstwahrnehmung und der Fremdwahrnehmung ist besonders groß bei denen, die meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen haben.

Aber: eine erworbene Kompetenz im Fachgebiet soll gesagt und gezeigt werden. Sie ist stichhaltig begründet und mit Belegen weiterentwickelt worden. Fachwissen ist nötig, denn nur sie hilft anderen bei der Urteilsbildung. Was hätten wir in den vergangenen Monaten ohne die Informationen und Empfehlungen aus der Virologie gemacht? Eine wichtige Korrektur können andere Fachgebiete geben. Doch zum Schluss braucht es auch den gesunden Menschenverstand, um sich nicht in Details zu verlieren. Und für glaubende Menschen - eine Portion Gottvertrauen beim Denken und Tun.

In der Bibel gibt es die Weisheit nur mit Gotteserkenntnis. Im Buch der Sprüche geben Menschen ihre Lebenserfahrungen an die jüngere Generation weiter und verbinden damit Ermahnungen, was zu tun und zu lassen sei. Zu diesen Erfahrungen gehört auch der Glaube an den barmherzigen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde. Ohne Gottesfurcht können sie sich keine Weisheit vorstellen.

Der Prophet Jeremia beobachtete die Gruppe der Berater um den Jerusalemer König. Sie waren Schreibgelehrte und von Beruf „Weise“. Weil sie bei ihrer Arbeit Gottes Weisungen unbeachtet ließen, war Jeremia tief von ihnen enttäuscht. Sie hätten die Tora lesen und dem König helfen können zu verstehen. Doch ihre Ratschläge führten zu falschen Entscheidungen. Und die Folgen waren für das ganze Volk Israel katastrophal. Was können die Weisen Weises lehren, wenn sie des Herrn Wort verwerfen? (Jer. 8,9) so schimpfte Jeremia. Es ist die Losung des heutigen Tages.

Jeremia erinnert mich an den Zusammenhang von menschlicher Weisheit und Gottes Weisungen. Ich mache Erfahrungen und werte sie aus. Ich beobachte meine Umgebung und ziehe Schlüsse. Ich lerne aus dem Fachwissen anderer und setze es für mich um. Ich nehme Neues auf und verwerfe überholtes Wissen. Ich lerne hinzu. Und mit innerer Gelassenheit wächst so etwas wie Weisheit. Aber die Weisung Gottes kommt hinzu. Es ist das, was mir Gott schenkt: die Einsicht in die eigenen Möglichkeiten und Grenzen als sein Geschöpf, das Wissen um Gottes Zusage für sein Volk und die Verheißung für alle Menschen. Dabei werden mir Gebote/ Regeln anvertraut, die dem guten Zusammenleben der Menschen und Völker dienen sollen. Menschliche Weisheit und Weisung Gottes ergänzen einander.

Die Weisheit passt sicher eher zur älteren Generation. Wer weise handelt, handelt informiert und überlegt. Das braucht Zeit, um Erkenntnisse zu erwerben und um Erfahrungen zu sammeln. Das verzögert. Dann ist spontane Parteinahme schwierig, weil auf größere Zusammenhänge geschaut wird. Jüngere Menschen lassen sich eher durch aktuelle Schlagzeilen ansprechen. Sie entscheiden spontaner. Unbeabsichtigte Folgen können leichter auftreten. Das muss kein Gegensatz bleiben. Manche Themen führen überlegtes und spontanes Denken zusammen. Das gibt besondere Impulse, beispielsweise beim Klimaschutz. Auf der eine Seite gibt es die erschreckende Zahlen. Bei der Suche nach Lösung lässt weises Denken wertvolle, ökologische Zusammenhänge erkennen, die durch wirtschaftliche Kriterien zurückgedrängt worden waren. Beim Artenschutz hilft es, sich an die Praxis der früheren Generationen zu erinnern und Biotope anzulegen...

Wie gut ist es, wenn sich die menschliche Weisheit an Gottes Weisung orientiert. Dann wird sie im Umgang mit anderen fair sein. Und sie wird gerecht urteilen wollen. Dann öffnet sie sich für neue Anfragen. Dann schätzt sie die Anregungen der jüngeren Generation. Dann hilft sie den Menschen, damit sie nicht meinen, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Elisabeth Griemsmann

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Mittwoch, den 2. Juni 2021

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

In Hannover lebe ich nicht weit vom Maschsee entfernt. Der See lädt ein zu zahlreichen Wassersportarten, auch zum Segeln in kleinen Segelbooten mit ein bis zwei Mann bzw. Frau. Ich selbst habe das noch nicht gemacht, aber in den letzten Wochen gern beobachtet, wie wieder mehr und mehr kleine Bötchen auf dem See unterwegs waren.

Bei der Betrachtung ist mir bewusst geworden: Von den Erfahrungen auf der See können wir eine Menge lernen. Selbst wenn man, wie ich, vielleicht wenig Ahnung vom Segeln hat, sind einem doch zumindest einige Redewendungen aus der Seemanns – oder Seglersprache bekannt. Ich kennen zum Beispiel „aufgetakelte" Personen. „Aufgetakelt“ stammt aus der Seglersprache. Wenn man ein Segelboot auftakelt, dann setzt man das Segel, dann versieht man das Boot mit einem Takelwerk. Oder ich rede davon, dass ich „klar Schiff mache“, dass ich irgendwo „aufkreuze“ oder meinem Gegenüber „den Wind aus den Segeln“ nehme. All diese Redewendungen nehmen Erfahrungen aus der Seefahrt auf.

Doch es gibt noch mehr vom Segeln zu lernen. Schon der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.) tat das und formulierte folgende  Weisheit: „Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen."

Wie wahr! Wir können den Wind, sprich schicksalhafte Umstände, nicht ändern. Da werden wir plötzlich mit einer Pandemie konfrontiert. Wir werden vielleicht krank oder arbeitslos oder müssen sonst etwas Unangenehmes erleben. Wie wir damit fertig werden, hängt stark davon ab, wie wir die Segel setzen, also darauf reagieren. Da erleben zwei Menschen das gleiche Schlimme — und gehen doch ganz unterschiedlich damit um. Während der eine hadert: „Warum muss mir das nur passieren?", denkt der andere: „Mal sehen, was Gutes daraus entstehen kann.

Ähnlich erging es im Übrigen den israelitischen Kundschaftern, die Mose ins Gelobte Land vorausschickte (4.Mose 13). Alle zwölf haben das Gleiche erlebt, doch zehn von ihnen verzagen und geben bei ihrer Rückkehr einen frustrierenden Bericht ab. Sie jammern und machen Angst: „Wir haben dort die Riesen gesehen und sind uns wie Heuschrecken vorgekommen!“ Das Land ist nicht zu erobern! Die dort lebende Bevölkerung erscheint ihnen viel zu stark. Nur zwei von ihnen bleiben zuversichtlich gespannt, wie Gott ihnen helfen wird, die Schwierigkeiten zu meistern. Josua und Kaleb vertrauten auf die Hilfe und Kraft Gottes. Sie blieben dabei: „Das Land ist schön, es ist gut und fruchtbar. Gott schenkt es uns!“

Der starke Gegenwind aus dem „Verheißenen Land“ setzt allen 12 Kundschaftern gleichermaßen zu, doch sie setzen das Segel unterschiedlich — und darum unterscheidet sich ihr Kurs und damit auch ihr Ziel. Das Ergebnis dieses unterschiedlichen Kurses, den sie da fahren, ist, dass das Volk Israel als Folge daraus noch viele Jahre durch die Wüste ziehen muss. Nur Josua und Kaleb überleben aus dieser Generation und ziehen ins verheißene Land ein. Sie nahmen die Zusage Gottes persönlich und wussten: Wir kommen ins Land der Verheißung! Gott steht zu seinem Wort. Nach 40 Jahren soll es dann auch endlich geschehen, ihr Vertrauen zahlt sich aus.

Kann auch ich Gott mit einem solchen Vertrauen folgen?

Es ist stets eine Entscheidung, die ich immer wieder neu treffen muss: Ich werde, ich will in allem das Gute sehen und mich an Gottes Verheißungen festhalten. Egal, welche schicksalhaften Umstände ich zu meistern habe. Egal, was andere sagen oder denken! Ich lasse mich in meinem Glauben durch nichts und niemanden einschränken - außer von Gott selbst! So setze ich die Segel richtig, so halte ich den Kurs. Den Kurs in Richtung Gottes offene Arme. Das ist mein Ziel.

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Mittwoch, den 26.Mai 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

„Ich wünsche euch allen die Gnade, die der Herr Jesus Christus gewährt. Ich wünsche euch die Liebe, die Gott schenkt, und die Gemeinschaft, die der heilige Geist bewirkt.“

Ein bekannter Bibelvers in frischem Gewand. Aus der Basis Bibel, die neu ist auf dem Buchmarkt. Sie will Jüngere ansprechen, ohne die Schönheit der Sprache aufzugeben. Hier formuliert sie behutsam den Segen neu, den Paulus der Gemeinde in Korinth zuspricht – am Ende seines zweiten Briefes (2. Korinther 13,13). Bei uns im Gottesdienst ist die Luther-Übersetzung als Kanzelgruß zu Beginn der Predigt vertraut: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!“

Ich persönlich hätte die Gnade eher bei Gott gesehen und die Liebe bei Jesus Christus. Macht nichts! Gedanken zur Dreieinigkeit können variieren. Und haben ja die Grundlage, dass unser Gott ein- und derselbe bleibt. Kurt Marti spricht von der geselligen Gottheit. Er zitiert in seinem Buch den jüdischen Denker Franz Rosenzweig: „SEINE Liebe wandelt in immer frischem Trieb durch die Welt.“

Zu unserer Gemeinde heute möchte ich zwischen Pfingsten und Trinitatis (3=1!) den dritten Teil sprechen lassen: die Gemeinschaft, die der heilige Geist bewirkt.  Genau die möge jetzt im Frühsommer bald wieder leiblich erfahrbar sein. Berührung mit den Händen, Umarmungen, wie war das noch? Auf dass die Abstände wieder kleiner werden!

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Mittwoch, den 19. Mai 2021

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Mit jüngeren Kindern singen wir am liebsten die Lieder, die sich durch Gesten und Klatschen begleiten lassen. Bis alle textsicher sind, braucht es bei neuen Liedern etwas Zeit, aber die Bewegungen helfen dabei. Und es macht allen Spaß, wenn sie ein Lied wiedererkennen. Dann singen sie besonders laut mit. Dann bilden sich auch Hits heraus. Auch Seniorinnen und Senioren haben ihre Lieblingslieder. Und immer wieder freuen sie sich darüber, wenn diese Lieder in der Gruppe angestimmt werden. Ein bisschen traurig, weil die eigene Stimme nicht mehr so gut klingt. Ein bisschen wehmütig, weil das Singen bekannter Lieder an die Schul- und die Jugendzeit erinnert. Aber sie würden nicht darauf verzichten wollen. Ich selbst singe am liebsten die Lieder, die ich besonders mag. Wegen des Textes, wegen des Rhythmus´, wegen der Melodie oder wegen der Jahreszeit: im Mai singe ich einfach gern Frühlingslieder.

Und wie ist das mit neuen Liedern? Da tun sich viele ein bisschen schwer. Da müssen zuerst ein paar Hürden genommen werden: Gefällt der Text? Gefällt die Melodie? Es ist leicht zu erlernen? Lohnt es sich ein kompliziertes Lied zu lernen? Kann es mir wichtig werden? Immer wieder haben wir neue Lieder kennen- und lieben gelernt: in einer besonderen Lebensphase, auf einer Freizeit, auf dem Kirchentag, bei einem Fest. Und manches Lied entwickelte sich zu einem Hit.

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Heißt es zu Beginn des 98. Psalms.

In der Tageslosung erinnert der Psalmbeter an Gottes Wunder. Sie veranlassen zum Singen. Im Monat Mai denken viele als erstes an die Schöpfung Gottes. Wir freuen uns so sehr über das Wachsen und Blühen, über das Zwitschern und Nester bauen um uns herum. Wir staunen und danken Gott für die vielen, schönen Eindrücke. Alte und neue Lieder können wir dafür benutzen.

Der Psalmbeter hat jedoch an die Wunder Gottes gedacht, die Gott in der Geschichte für sein Volk Israel getan hat. Nach fast 70 Jahren in der Fremde, in Babylon, durften sie in ihre Heimat nach Judäa und Jerusalem zurückkehren. Ihre Rückkehr war überraschend, ein Wunder. Diese Rückkehr zeigte, dass Gott zu seinem Volk hielt. Und auch für die Nachbarvölker konnte es sichtbar werden, dass Israel mit ihrem Gott eine Zukunft hatte. Alle Welt konnte seine Hilfe sehen und seine Gerechtigkeit erkennen. Zum Mitsingen und Musizieren wurden dann die Betroffenen und die Zuschauenden eingeladen.

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Ein Lied kann das kommentieren, was Menschen gesehen oder gehört oder erlebt haben. Das können Lieder von Kindern und von Erwachsenen. Sie antworten auf das, was sie als Wunder erkennen. Dazu gehört auch die Einsicht, bisher behütet worden zu sein. Oder die Erkenntnis, dass etwas Böses zum Guten geführt wurde. Oder die Freude an der Bewegung. Ein neues Lied versucht die Einsichten und Gefühle des Augenblicks ausdrücken, den Dank oder die Sehnsucht. Es ist wie ein Gebet. Vielleicht hilft ein Lied einfach, das wahrzunehmen, was uns gutgetan hat. Die vielen, kleinen Wunder im Alltag.

Weil Gott schon geholfen und gerecht gehandelt hat, erhoffen wir es auch für die großen und kleine Konflikte in unserer Gegenwart. Es ist ein Wunder, wenn verfeindete Parteien die Waffen schweigen und sich zu Gesprächen einladen lassen. Oder wenn einer sich für die Position des Gegners öffnet. Es ist ein Wunder, wenn Menschen ihre Vorrechte in Fragen stellen lassen. Oder wenn sie gerecht und fair handeln.

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Lassen wir uns für die großen und kleinen Wunder die Augen öffnen. Dann können wir auch singen, fröhlich sein und Zuversicht ausstrahlen. Dann können wir das Singen eines Liedes mit Gesten unterstützen. Das wünsche ich uns allen.
Elisabeth Griemsmann

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Mittwoch, den 5. Mai 2021

Dieses Mal ohne Bibelstelle, aber im Geist Jesu:

 In einer Zeit, in der direkte Kontakte eingeschränkt sind, wird persönlich geschriebene Post wieder wichtiger. In einer Zeitschrift der Richtung “kritisch, christlich, unabhängig“ berichtet ein Kollege in seiner Kolumne von zwei Briefen. Die erhielt seine Tochter, nachdem sie sich auf einen Studienplatz beworben hatte. Einer davon kam aus Deutschland mit folgendem Inhalt: „Sehr geehrte Frau V., im Rahmen des Auswahlverfahrens der Hochschulen erhalten Sie einen Studienplatz an der oben genannten Hochschule. Dieser Bescheid ergeht auf der rechtlichen Grundlage des Staatsvertrages über die Hochschulzulassung und der von den Ländern für das zentrale Vergabeverfahren erlassenen Verordnung über die zentrale Vergabe von Studienplätzen in ihrer jeweils geltenden Fassung.“

Die zweite Zusage kam von einer amerikanischen Hochschule: „Liebe C. Die Antwort lautet Ja. Ja, du bist eine faszinierende, kluge und unvergleichliche Persönlichkeit. Wir freuen uns schon darauf, zu sehen, wie es bei dir weitergehen wird. Es ist Frühling, und das war schon immer die Zeit der Hoffnung, dass Neubeginns und der Möglichkeiten. Ja – um es noch mal mit offiziellen Worten zu sagen –, es ist mir eine Freude, dass ich dir einen Platz an unserem College anbieten kann.“

Die Empfängerin hat sich darüber riesig gefreut, auch wenn andere wohl mit ähnlichen Worten angeschrieben werden. Und ihre Eltern staunten bewegt, dass auch sie am Tag danach Post aus den USA bekamen: „Herzlichen Glückwunsch zur Zulassung ihrer Tochter C. Wir können es kaum erwarten, sie bei uns willkommen zu heißen. Weil wir wissen, was es bedeutet, ein Kind groß zu ziehen, möchten wir uns an dieser Stelle einfach mal bei Ihnen bedanken: Danke für alles, was sie getan haben, um ihre Tochter auf ihrem Weg zu unterstützen.“

Wie schön, so etwas zu lesen! Da kommt Freude auf – oder?

Ich denke, C. wird sich auf die Reise über den Atlantik machen...

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Mittwoch, den 28. April 2021

WORTmeldung von Pastorin coll.Carolin Zierath

Carola Rackete wurde vielen Menschen weltweit in der Nacht zum 29. Juni 2019 bekannt. Bereits drei Wochen zuvor rettete sie als Kapitänin der Sea Watch 3 insgesamt 53 Flüchtlinge aus Seenot. In dieser Nacht lief sie nach wochenlangem vergeblichem Warten auf eine behördliche Genehmigung und trotz Verbots den Hafen der Insel Lampedusa an. Als sie dort an Land ging, wurde Carola Rackete festgenommen. Nach wenigen Tagen kam sie wieder frei.

Der Monatsspruch für den Monat Mai erzählt von einer Szene zwischen Mutter und Sohn. Der Sohn ist König und die Mutter gibt ihm auf seinen Lebensweg folgenden Ratschlag mit:

„Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen.“ (Sprüche 31,8)

Ein König soll sich an den Schwachen orientieren und seine Macht für die Stummen einsetzen, so sagt es die Mutter ihrem Sohn.

Mich fordert diese Bibelstelle heraus. Sie fordert mich auf: Setze dich ein für andere Menschen, die selbst nicht die Kraft oder Stimme dazu haben! Rede für sie und schweige nicht!

Ich möchte sensibel und wachsam sein für die Bedürfnisse von Menschen, die in unserer Gesellschaft und in unserer Gemeinde zu wenig gehört werden, für die Menschen ohne große gesellschaftliche Lobby, für die, die häufig in Vergessenheit geraten. Um mir das immer wieder in Erinnerung zu rufen und auch im Alltag nicht zu vergessen, hilft mir die einfache Frage: „What would Jesus do?“ - „Was würde Jesus tun?" Auch sein Platz als König war immer an der Seite der Schwächsten und Ärmsten: bedingungslos, bis in den Tod.

Auch Carola Rackete setzte sich als Kapitänin eines großen Schiffes für die Schwachen und Stummen ein. Im Bewusstsein der Konsequenzen, die daraus für sie folgen konnten, hat sie das Schiff in den Hafen gesteuert und die Menschen an Land gehen lassen.

Ihr inspirierender Mut und ihre Zivilcourage wurden in dem kleinen Büchlein von Käpt*in Rakete aufgenommen und spielerisch für Kinder dargestellt. Denn auch die Kleinsten verstehen schon, was es bedeutet, sich für die Stummen und Schwachen einzusetzen!

„Uns’re Käpt*in heißt Rakete. Alles and’re als aus Knete. Sie hält stets stand, ob heiß, ob nass. Ihr Leitspruch heißt: WIR SCHAFFEN DAS!“   

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Mittwoch, den 21. April 2021

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

„Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich! Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!“ (Psalm 66,1-3a)

Diese Worte aus dem Psalm 66 spreche ich vor mich hin, als ich an diesem so herrlich milden Frühlingstag mit meinem Fahrrad umherfahre und mir die Sonne ins Gesicht scheinen lasse. Endlich ist er so richtig da: der Frühling. Dieses Jahr ist mir das Warten besonders lange vorgekommen und besonders schwer gefallen. Diese vielen dunklen, kalten, grauen Tage. Nun endlich werden die Tage wieder länger, die Sonne wieder wärmer, die Bäume grüner, die Blumen bunter und die Vögel munter. Das gibt mir neuen Lebensmut. Das entlockt meinen Lippen ein Lob.

Der deutsche Dramatiker und Lyriker Friedrich Hebbel (1813-1863), der für seine Kritikfreude bekannt war, hat sich einmal erstaunlich milde über den Frühling geäußert: „Ich werde nie zum Frühling sagen: Verzeihen Sie, Sie haben dort ein welkes Blatt.“

Ja, das wäre wirklich eine lächerliche Kritik, dem Frühling ein welkes Blatt vorzuwerfen! Einfach absurd. Und doch drängt sich mir der Eindruck auf, als mäkelten wir viel zu oft herum, als könnten wir es nicht ertragen, einfach mal Danke zu sagen oder zu loben, ohne eine kleinkarierte Einschränkung hinterherzuschicken:

„Herrlich, dieser Frühling! Aber das wechselhafte Aprilwetter ...

„Was für ein schöner Gottesdienst! Leider war die Orgel zu laut und das eine Lied zu modern."

„Das war ein leckeres Essen, aber leider etwas zu fettig.“

Freude, Dank, Lob — geht's auch mal ohne Aber, ohne den Hinweis auf ein welkes Blatt inmitten eines blühenden Blütenmeers? Nur ab und zu mal…

Probieren wir es in dieser Woche doch einfach mal aus. Ich bin sicher, es wird sich segensreich auswirken. „Eine ganz ausgezeichnete Idee, aber ..."

Nichts „aber" — versuchen wir's!

Mittwoch, den 14. April 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Freut euch, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind!

Lukas 10,20 (Züricher Bibel) – neutestamentliche Losung zum 14. April

Wenn ich mit Menschen aus Kulturen Vorderasiens spreche, fällt mir etwas auf: Sie können fast immer die Bedeutung ihres - oft sehr klangvollen - Vornamens erklären. Wir Mitteleuropäer*innen sind oft nicht so geübt darin. Obwohl auch unsere Eltern sich viele Gedanken gemacht haben: Passt der Name? Lässt er sich gut rufen, ist die Rechtschreibung einfach?

Vielen fällt es schwer, der positiven Bedeutung ihres Namens gerecht zu werden. Und den Wünschen, die Eltern damit verbinden: Nicht jeder Max wird der Größte und auch Felicia kann mal unglücklich sein.

Ich selbst frage mich gerade in diesen Zeiten, ob es mir gelingt, als „Christusträger“ dem mainstream mit Kraft und Charakter standzuhalten: Haben wir Christenmenschen „unter Corona“ noch klar im Blick, dass ohne Liebe alles nichts ist? Können wir noch glaub-würdig von Hoffnung sprechen für die Zukunft unserer Erde?

Die ihm folgen wollen, die macht Jesus stark durch einen satten Zuspruch: Auch wenn Petrus nicht immer der Fels ist und Salome ihre Friedfertigkeit mal vergisst – das Eine ist sicher: Du bist geliebt bei deinem Schöpfer und Erlöser, in dessen Haus viele Wohnungen sind. Dieser biblische Rückenwind macht das Weiterleben und -kämpfen leichter.

Freu dich, dass dein Name im Himmel geschrieben ist!

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Mittwoch, den 7. April 2020

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

Das Thema „Jesus“ steht im Konfirmandenunterricht wieder an. Aus den vier Evangelien tragen wir die Eckpunkte für einen Steckbrief zusammen. Dort finden wir Angaben zur Person, aber auch Besonderheiten seines Auftretens. Hinzu kommen die Ereignisse zur Gefangennahme, Haft und Hinrichtung. Die Auferstehungsberichte runden die Informationen ab. So lässt sich ein Überblick geben und anderes gut zuordnen: Wie Jesus seine Jünger gewinnt, wie er Frauen ernst nimmt und aufwertet, wie er Kranke anspricht und heilt, wie er in Gleichnissen den Alltag für das Kommen des Reiches Gottes öffnet, wie er mit Randfiguren umgeht und wie er mit anderen Schriftgelehrten diskutiert, wenn er die Gebote auslegt... So vieles lässt sich erkennen über sein Reden und Tun. So vieles weckt Bewunderung. So viel erscheint auch wichtig für das Verhalten in unserer Gegenwart. Dass er - wie der Gottesknecht aus dem Buch des Propheten Jesaja - die Sünden anderer trägt, diese Deutung besprechen später. Dabei war es für die ersten Christen so wichtig, Texte des Alten Testaments auf Jesus zu beziehen, um sein Leiden und Sterben zu deuten. Dort finden wir auch die Losung des heutigen Tages: Er hat die Sünde vieler getragen, und für die Übeltäter trat er ein. (Jesaja 53,12).

Doch sehen wir genauer hin: Jesu Hingabe für andere lässt sich auch durch Geschichten aus den Evangelien verdeutlichen: Wenn er sich mit Sündern wie dem Zöllner Zachäus abgab oder die Ehebrecherin vor der Steinigung rettete oder wenn er Nachsicht mit Simon Petrus zeigte. In den Passionsgeschichten spitzt es sich zu: Als Pilatus das anwesende Volk an der Begnadigung des Festtags beteiligte und es zwischen dem Widerstandskämpfer Barabbas und Jesus wählen ließ, sprach es sich für Barabbas aus. So kam Barabbas frei, und Jesus wurde gekreuzigt. Und auf Golgatha war es nicht nur sein Kreuz, das aufgerichtet wurde, sondern auch das von zwei Übeltätern bzw. Räubern.

Er hat die Sünde vieler getragen, und für die Übeltäter trat er ein. Mit diesem Verhalten beginnt eine neue Ära. Es geht dabei um Stellvertretung für die, die ins Abseits geraten sind. Oder sich bewusst ins Absicht begeben haben. Wer würde sich für sie einsetzen? Wer würde das Unangenehme auf sich nehmen? Wer holt sie zurück in die Gemeinschaft? Nur einige wenige lassen sich darauf ein. Doch so beginnen Entlastung und Befreiung. So trocknen Tränen. Jesus können wir für solch ein Verhalten dankbar sein.

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Mittwoch, den 31. März 2021

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Er ist schön, er ist schnell und er kann fliegen der Schwalbenschwanz. Ein toller Schmetterling. Bevor er allerdings zu so einem bunten, leichten Falter wird, ist er eine schwerfällige Raupe, die nur langsam und mühsam einen Stängel hochkriecht. Wenn die Raupe „erwachsen" geworden ist, verpuppt sie sich — und ein wenig später entpuppt sie sich als wunderschöner Schwalbenschwanz. Wohlgemerkt, es ist die ganze Zeit über das gleiche Wesen geblieben.

Gibt es ein schöneres Bild für die Verwandlung durch den Tod zur Auferstehung?

Wir befinden uns in der Karwoche. Karfreitag steht unmittelbar bevor. Wir blicken zurück auf Jesu Leidensweg und seine Kreuzigung. Was da geschah, ist für mich fast unvorstellbar. Menschen fügten Jesus unglaubliche Schmerzen zu, erniedrigten ihn bis aufs Äußerste und machten sich noch darüber lustig. Sie hatten dafür gesorgt, dass Jesus ohne irgendeine Schuld umgebracht wurde und zwar auf qualvolle Art und Weise, am Kreuz. An eine Auferstehung in Herrlichkeit und Kraft war da nicht zu denken. Und doch hat Jesus sie für uns alle auf diese Art und Weise ermöglicht. So steht geschrieben:

„Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft" (1. Korinther 15,43)

Nun wissen Raupen nichts von ihrer herrlichen Zukunft — aber wir wissen etwas von unserer, wenn wir zu Jesus gehören. Und wie wirkt sich dieses Wissen auf unser jetziges „niedriges" und „armseliges" Leben aus? Heinrich Böll bemerkte einmal dazu Folgendes: „Wenn die Raupen wüssten, was einmal sein wird, wenn sie erst Schmetterlinge sind, sie würden ganz anders leben: froher, zuversichtlicher und hoffnungsvoller." Also, lassen Sie uns den Raupen ein gutes Vorbild sein. Lassen Sie uns hoffnungsvoll auf Karfreitag und Ostern blicken und zuversichtlich in die Zukunft gehen!

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Mittwoch, den 24. März 2021

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

In dieser Zeit suche ich nach Zeichen der Hoffnung. Zu sehen sind die vielen Narzissen und Krokusse, die der Sonne ihre Kelche entgegenstrecken. Die Sonnenstrahlen lassen das Wasser im Fluss glitzern. Ich beobachte die Vögel, die Zweige für die Nester davontragen. Hoffnung schenkt vielen Christinnen und Christen die Botschaft von Ostern: Jesus ist auferstanden, und die Jünger und Jüngerinnen können an die Zukunft mit ihm glauben. Als Ausdruck der Hoffnung sehe ich die Freude werdender Eltern und die Geburt eines Babys. Eltern vertrauen auf die Zukunft für sich selbst und für ihre Familie. Zeichen der Hoffnung – manches beobachten wir alle Jahre wieder, wenn der Frühling sich ankündigt. Zu den Osterfeiertagen gehört das Osterlachen. Christen und Christinnen wollen sich nicht entmutigen lassen, sondern gegen die Macht des Todes aufbegehren. Und die Paare freuen sich in dieser Zeit der Coronapandemie über eine Schwangerschaft. Die Freude ist verbunden mit einer Hoffnung. Sie ist Ausdruck für einen Mut zum Leben.

In der ersten Schöpfungsgeschichte der Bibel heißt es: Und Gott segnete Mann und Frau und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan. (1. Mos 1,28a)

Als dieser Auftrag gegeben wurde, war das Leben der Menschen bedroht. Vieles konnten sie nicht kontrollieren. Vieles ängstigte sie. Vielem fühlten sie sich hilflos ausgeliefert. In dieser Situation sollten sie ihre Ängste bändigen und an die Zukunft glauben. Sie sollten ihre Fantasie und Kreativität einsetzen, um den Gefahren zu begegnen und gemeinsam zu überleben. Und den Kindern gehörte die Zukunft. Sicher ist dieser Auftrag als Begründung für die Ausbeutung der Erde mit ihren Ressourcen und die Demütigung vieler Mitgeschöpfe missbraucht worden. Und das Bewusstsein musste erst wachsen, wie dringend die Schöpfung bewahrt werden muss, um die Zukunft für alle zu sichern. Aber es gibt immer wieder Lebensformen zwischen Himmel und Erde, die das Leben der Menschen bedrohen, wie auch das Coronavirus mit seinen Mutanten.

In diesen Tagen suche ich nach Zeichen der Hoffnung, dass das Virus erfolgreich bekämpft werden kann. Bekämpft wird es, wenn wir Risiken abwägen und mit Menschen auf Abstand in Verbindung bleiben. Und wenn immer mehr Menschen geimpft werden können, verliert das Virus an Schrecken. In dieser Wartezeit suche ich nach Zeichen der Hoffnung. Die Frühlingsboten geben uns Hoffnung. Die Botschaft von Ostern gehört dazu. Und sicher auch die Geburtsanzeige eines Kindes...

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Mittwoch, den 17. März 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Du bist ein Gott, der mich sieht.
1. Mose (Genesis) 16, Vers 13

 

Gott sei Dank, mit dieser Tageslosung kann ich was anfangen.

 

Denn wenn ich mich selbst so sehe, geht es mir nicht gut.
Ich sehe nicht, wie wir in der Gemeinde gut planen können.
Ich sehe nicht, dass die Impfkampagne wirklich greift.
Ich sehe Menschen, die allmählich die Geduld verlieren.
Ich sehe fern und höre nur selten gute Nachrichten.
Ich sehe schwarz für die Wirtschaft, auch für die an der Ecke.

Und Du, Gott, bist ein Gott, der mich sieht?

Ich lese nach, wer das von dir sagt.
Es ist Hagar, die von Abraham Schwangere.
Auf der Flucht vor der Wut der kinderlosen Sara.
In der Wüste ohne weitere Perspektiven.
Mit ihr spricht Gott, ihr sendet er Engel.
Ihr Leben geht weiter. Gott sagt ihr, wie.
Am Ende steht da ein Brunnen, der Wasser gibt.

Der Brunnen des Lebendigen, der mich sieht.

So nennt ihn Hagar. Sie kann daraus trinken.
Gott sieht sie in der Wüste. So fasst sie neuen Mut.

Mutmachgeschichten – die brauchen wir „in diesen Zeiten“!

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Mittwoch, den 10.März 2021

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Wo ich gehe, wo ich stehe, bist du lieber Gott bei mir, wenn ich dich auch niemals sehe, weiß ich doch, du bist bei mir.“

Ein Gebet, das ich jeden Abend mit meiner Tochter vor dem Schlafengehen bete. Ein Gebet, das wir auch regelmäßig im Kindergottesdienst beten.

„Warum ist Gott durchsichtig?“, hat mich meine Tochter einmal im Anschluss an dieses Gebet gefragt. Eine gute und sehr schwierige Frage zugleich.

Hinter  dieser  großartigen  Kinderfrage  stecken grundsätzliche Fragen,  die  Erwachsene ganz genauso umtreiben, wie Kinder. Fragen wie: „Gibt es  Gott wirklich?“, „Wie kann ich wissen,  dass  Gott  existiert?“, „Kann ich  Gott irgendwie erfahren?

Gottes Unsichtbarkeit und Unansichtigkeit ist Thema durch alle Zeiten hindurch. Im Alten Testament, im 2. Buch Mose, da spricht Gott zu Mose: „Du kannst mein Angesicht nicht sehen, kein Mensch kann mich sehen und leben“ (Ex 33,20). Und im – für uns Reformierten – so wichtigen 2. Gebot, dem Bilderverbot, da wird deutlich, dass wir Gott nicht nur nicht sehen können, sondern uns auch kein Bild von ihm machen dürfen.

Gott bleibt der Verborgene. Das macht den Glauben erst zu unserem Glauben: Nicht sehen zu können und doch zu glauben. Das ist alles andere als leicht, gerade wenn wir nur „auf Sicht" fahren können und nicht wissen, was noch auf uns zukommt. Aber gerade dann gilt: Zuversichtlich bleiben, die Hoffnung nicht wegwerfen und losgehen mit einer „guten Vermutung zu Gott" - nichts anderes ist der Glaube an den unsichtbaren Gott.

Ein altes Abendlied, was ich meiner Tochter dann noch vor dem Schlafen vorsinge, benennt eine Erfahrung, die meinen Glauben und meine Zuversicht bestärken: Das Verborgene hinter allem Unsichtbaren, es kann zum Anker werde. Es  macht vollständig, was wir noch nicht sehen können.

„Seht ihr den Mond dort stehen? / Er ist nur halb zu sehen / und ist doch rund und schön. / So sind ja manche Sachen,/ die wir getrost belachen, / weil unsere Augen sie nicht seh'n."

aus: Der Mond ist aufgegangen - Matthias Claudius (1790)

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Mittwoch, den 3. März 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Abgelegene Weiden

Aus meiner Tageszeitung rutschte neulich zur Abwechslung mal eine sehr interessante Beilage heraus. Keine Werbung, sondern ein „Fleischatlas“. Ökologisch orientiert, mit dem Untertitel Jugend, Klima und Ernährung. Das ist was für unsere Töchter, dachte ich. Und fing dann doch selbst an zu lesen.

Eine Überschrift lockte mich besonders: PASTORALISMUS - Karges Land und reicher Nutzen. Ich zitiere: “Mobile Hirtenvölker ziehen mit ihren Nutztieren noch über die abgelegensten Weiden. Diese Wirtschaftsform, der Pastoralismus, ist ökonomisch bedeutend und klimafreundlich, aber auch stark bedroht“. Das Wort Pastor ist lateinisch und heißt Hirte – das Ganze ist eine gute Beschreibung für meinen Beruf. Ebenso wie für das, was Wesen und Aufgabe unserer Gemeinden ist. Doch die Zukunft von Kirche? Momentan scheint sie – genau! - „stark bedroht“.

In der Passionszeit steht es uns Christenmenschen gut an, zuerst an den zu denken, der von sich gesagt hat: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe kennen meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. (Johannes 10, 11.27)

Das ist unser „einziger Trost im Leben und im Sterben“. So heißt es im Heidelberger Katechismus. Und genau darum braucht uns auch „unter Corona“ nicht bange zu sein. Als einzelnen nicht, und als Schaf-Gemeinde des guten Hirten schon gar nicht.

Denn Jesus sagt: Ich gebe ihnen das ewige Leben und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. (V. 28)

Hören wir auf seine Stimme! Amen.

Mittwoch, den 24. Februar 2021

WORTmeldung von Pastorin Griemsmannn

Ich esse gern Brot, helles und dunkles, Vollkornbrot und Weißbrot, Körnerbrot und Schwarzbrot. Deshalb freue ich mich über die Vielfalt an Brotsorten in unserem Land. Und ich begrüße die Tradition, dass in unserer Kirche Brot beim Abendmahl ausgeteilt wird. Auf Reisen in die Nachbarländer lerne ich, welches Brot dort gern gegessen wird und welche Mahlzeiten es ergänzt. Auch das Mehl erhält eine andere Zusammensetzung. Überall auf der Welt müssen die Menschen mit dem nötigen Grundnahrungsmittel ihrer Heimat versorgt werden: mit Reis, mit Mais, mit Hirse, mit Weizen. Der Hunger soll dort gestillt werden, wo Menschen durch Krieg und Bürgerkrieg von ihren Feldern vertrieben worden sind, wo die Dürre eine Ernte unmöglich macht und wo Menschen in großen Flüchtlingslagern zusammen. Wenn Brot knapp ist, wünscht man sich die Fülle, wenn das Brot alt ist, wünscht man sich den Duft von frischem Brot. Doch Brot im Überfluss wird auch wird vernichtet oder landet an der Tafel.

Die Losung des Tages lautet: Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen. (3. Mose 26,5) So spricht Gott spricht zu Mose und zu seinem Volk in der Wüste. Es ist für sie noch keine Gegenwart, sondern Zukunft, denn noch ist das Land nicht erreicht. Noch sind sie mit Mose am Sinai. Und es liegt auch an ihrem Verhalten, ob sie gemeinschaftsfördernde Gebote beachten werden, ob sie Schwache schützen und Gott die Ehre geben werden. Dann wird Gott ein gutes Miteinander und ihre Ernte segnen, und sie werden der Eroberungslust ihrer kriegerischen Nachbarn eine kluge Verhandlungspolitik entgegensetzen können.

Es ist nicht so, dass die spätere Geschichte des Volkes so gesegnet aussah. Denn es gab viele Phasen, in denen das Brot knapp war und Zeiten, in denen Kriege schlimme, tödliche Spuren hinterließen. Aber Gottes Segen würde sich nach einer Zeitspanne wieder zeigen. Darauf konnte sie hoffen. Und zu seinem Segen gehören Brot in Fülle und ein sicheres Leben für alle Bewohner und Bewohnerinnen des Landes. Gemeinschaft, Nahrung und Frieden gehören zu einer gesegneten Zukunft.

Im Neuen Testament gibt es die Geschichten der wunderbaren Speisungen. Jesus will seine vielen Zuhörerinnen und Zuhörer versorgt wissen. So lässt er nach einem Dankgebet das austeilen, was sie zur Verfügung haben: nur fünf Brote und zwei Fische. So wenig! Und doch reicht es für unzählige Menschen. Sie empfangen, teilen und werden satt. In seiner Gegenwart erleben Menschen Brot in Fülle, denn es blieb auch etwas übrig: 12 Körbe voll. Ein rundes Dutzend. Oder auch ein Korb für jeden der Stämme Israels. Bei Jesus finden Menschen Sättigung, Gemeinschaft und Frieden. Erfüllt sich so in Jesu Gegenwart nicht auch das, was Gott schon Mose und dem Volk versprochen hat!?

Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen. Wir haben in unserem Land Brot die Fülle, es funktioniert nur nicht immer mit der Verteilung. Denn manche haben zu wenig davon. Wir leben seit 75 Jahren im Frieden, aber es gibt doch Ängste vor Überfremdung und die Bedrohung von Minderheiten. Speise schmeckt dann am besten, wenn sie Menschen an einen Tisch zusammenführt. Zum Teilen des Brotes und zum Leben in Sicherheit kommt als Drittes die Gemeinschaft: es lohnt sich das Miteinander zu fördern. Der Austausch kann intensiviert werden. Unter dem geltenden Abstandsgeboten ist das eine besondere Herausforderung.

Und so wünsche ich mir eine große Tafel, an der wir wieder zusammensitzen können: alte und junge Menschen, Männer und Frauen, Geflüchtete und Einheimische, Single und Familien. Und ich freue mich auf die Abendmahlsfeier, zu der Gott uns einlädt, wenn wir Brot und Kelch miteinander teilen und von Gottes Friedensreich hören können. Zukunftsmusik?! Ja, heute noch. Aber sie trägt, nutzt das Mögliche und schenkt Geduld.

Elisabeth Griemsmann

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Mittwoch, den 17. Februar 2021

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“  Psalm 51,12

Es ist wieder soweit, heute beginnt die Aktion #7wochenohne. Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit.

46 Tage sind es von Aschermittwoch bis Ostern, doch gefastet wird traditionell nur an 40 Tagen. Die Sonntage gelten als Freudentage und sind ausgenommen. Die Zahl 40 hat in der Bibel eine hohe Symbolkraft. Sie steht für Zeiten der Bewährung, der Buße und der Läuterung. 40 Tage und Nächte währte die Sintflut. 40 Tage und Nächte hielt sich Mose auf dem Sinai auf und in dieser Zeitspanne wanderte auch Elia zum Horeb. 40 Tage war die Frist, die der in Ungnade gefallenen Stadt Ninive bis zum Untergang eingeräumt wurde. Ganze 40 Jahre wanderte Israel durch die Wüste, bis es das Gelobte Land erreichte. Und 40 Tage und Nächte verbrachte Jesus nach seiner Taufe in der Wüste und fastete.  

In der Bibel begegnen Menschen mit Fasten den Übergängen zwischen unterschiedlichen Phasen und Sphären. In der Sphäre zwischen Leben und Tod, beim Trauern oder in Lebensgefahr wurde, in einen Sack gekleidet und mit Asche auf dem Haupt, gefastet. Aber auch zu Gerichtsprozessen, an der Grenze von Recht und Unrecht, enthielt man sich der gewohnten Speisen. Und wer sich an Gott wenden wollte, bereitete sich darauf mit einem Fasten vor. Damit nahm man Gott gegenüber eine fragende Haltung ein und machte sich bereit auf das zu hören, was Gott zu sagen hat. Im Verzicht der Fastenzeit lebt die Erinnerung daran, dass wir Menschen selten selbst wissen, was gut für uns ist. Daran hat sich übrigens auch in Zeiten der Pandemie nichts geändert. Da wird es nur oft noch deutlicher, dass wir selbst nicht mehr so genau wissen, was eigentlich gut für uns ist. Auch wenn diese Zeit einen Verzicht erschwert, weil wir die letzten 10 Monate bereits auf so vieles verzichten mussten, kann es doch gerade jetzt von besonderem Wert sein.

 

Jetzt, in dieser Fastenzeit, da kann ich meinen Blick noch einmal bewusst nach innen und zu Gott richten und mich stärken lassen für diese Zeit und für die Hinwendung zu anderen. Ich kann mich darauf vorbereiten, was nach Ostern sein wird – hoffentlich ein Übergang in eine neue Phase.    

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Mittwoch, den 10. Februar 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Winter-Wunderland – im Dezember wurde es singend ersehnt, jetzt ist es da. In echt - mit sechs Wochen Verspätung und ganz überraschend. Was für ein Zauber! Der Schnee knirscht, der Frost klirrt. Und endlich wieder spielende Kinder draußen. Eiskristalle scheinen im hellen Licht über Aerosole zu siegen. Auch Erwachsene strahlen, rodelnd auf Schlitten, staksend auf Skiern...

Am Schreibtisch schlage ich nach, ob Schnee auch in der Bibel vorkommt. Ich weiß, deren Texte entstanden in subtropischem Klima. Trotzdem werde ich fündig an mehr als 10 Stellen im Wortregister. Von den weißen Gipfeln des Libanon ist da die Rede. Und ein Gebet finde ich, über das ich ins Nachdenken komme. Psalm 51,9: Wasche mich, Gott, dass ich schneeweiß werde.

Schneeweiß – die Farbe der Reinheit. Der noch immer lebendige Brauch eines weißen Taufkleides für frische, noch „unverdorbene“ Erdenbürger erinnert daran. Ich bete den Psalm weiter: Ach Gott, wie schön wäre es, wenn null Covid uns (r)einen Neuanfang bescheren könnte. Das wird wohl so schnell nichts werden. Und doch - eine Vollwäsche, die täte deiner und unserer ganzen Erde gut. Weg mit allen Viren und menschengemachten Dreckschleudern - lass uns einen Neustart zur Bewahrung der Schöpfung wenigstens versuchen! Weiß Gott: Schwarzmalen führt überhaupt nicht weiter. Einstweilen gilt: Ski und Rodel gut.

Amen.

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Mittwoch, den 3. Februar 2021

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann

So vieles ist uns entglitten. Pläne, die ihm wichtig waren, kann er zurzeit nicht realisieren. Er fühlt sich ausgebremst. Begegnungen, auf die sie sich so sehr gefreut hat, sind bis auf weiteres ausgesetzt. Es fehlen ihr die persönlichen Gespräche im Gegenüber. Lernmethoden, die viele Jahre von Schülern und Schülerinnen eingeübt und praktiziert wurden, werden durch andere ersetzt. Sie brauchen bei den Lernenden besondere Konzentration, und ohne Unterstützung fällt es vielen schwer zu lernen. Es fehlen ihnen der direkte Austausch sowie Bewegung. Und die Geduld, die ich seit Monaten von mir erwarte, ist immer schwieriger aufzubringen. Schon solange übe ich mich darin. Die Verzögerungen belasten mich.

So vieles ist uns entglitten. Und wir suchen nach dem, was den Alltag erhellt. Das, was mir bisher so selbstverständlich war, nehme ich wahr und beginne es zu wertschätzen. Weil die Zukunft unbestimmt ist, versucht sie, den Augenblick bewusster zu genießen. Und er wird kreativ in Haus und Hof. Vieles ist schon erledigt. Doch auch diese Aufmerksamkeit für das Kleine lässt nach. Und wir stellen fest: vieles entgleitet uns. Und so suchen wir nach dem, was uns Halt gibt.

Wie kann ein Mensch sich Götter machen? Diese rhetorische Frage finden wir heute beim Propheten Jeremia (16,20). Die Antwort lautet: Nein. Das, was Menschen Halt in ihrem Leben gibt, können sie sich nicht selbst bauen. Und sie brauchen es auch nicht vergeblich zu versuchen. Das, was ihnen Halt gibt, kann nicht statisch und unbeweglich sein. Denn das, was den Menschen Sinn gibt, ist lebendig und passt sich den jeweiligen Situationen an, wenn jemand Angst spürt oder Sorge empfindet. Gottes Name lautet: Gott ist da. Der Gott der Bibel geht mit durch das Leben der Menschen seines Volkes und der Völker. Es ist nicht so, dass er sich für die eine oder andere Seite vereinnahmen ließe, das gewiss nicht. Aber er kommt uns entgegen - heute. Und wir können ihm vertrauen, dass er für jeden und jede von uns ansprechbar ist.

Vieles entgleitet uns. Manches lässt sich nicht mehr nachholen. In diesen Monaten der Kontaktbeschränkungen nehmen wir das besonders deutlich wahr. Aber weil Gott da ist, haben wir auch ein Gegenüber in trauriger Zeit. Er wird uns das finden lassen, was wir zum Leben brauchen. Er wird uns Halt geben. Er wird uns Freude schenken. Er lässt uns nicht allein. Bleiben Sie zuversichtlich.

Mittwoch, den 27. Januar 2021

 

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“
Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!
Psalm 4,7

Gerade zu Beginn eines neuen Jahres wüssten wir gerne, wie wir dafür sorgen können, dass uns nur Erfreuliches und Angenehmes begegnet. Doch wir ahnen, das ist nicht möglich. Es wird auch dunkle Tage geben. Es wird sie nicht nur geben, sie sind schon da.  Das Jahr hat dunkel begonnen mit vielen Einschränkungen, Ungewissheiten, grauen Tagen und Isolation. Der Weg im neuen Jahr führt durch dunkle und kalte Nächte.

Dieses Dunkel auszuhalten, das kostet eine Menge Kraft. Es stellt uns auf die Geduldsprobe und macht uns bei Zeiten Angst. Doch wenn wir uns in Geduld üben und das Dunkel auszuhalten lernen, dann hat es auch was Gutes: Die finstere Zeit können wir nutzen, um zu uns selbst zu finden und in uns hinein zu spüren. Und wenn die Zeit des Lichtes gekommen ist, dann scheint es umso heller und freundlicher.

Wir können das einmal ausprobieren und uns für 2 bis 3 Minuten in ein dunkles Zimmer setzen. Dann merken wir auch, wie viel Bestrahlung wir täglich durch Lampen, Leuchten und technischem Equipment ausgesetzt sind. Wirkliche Dunkelheit erleben wir in der Stadt nur selten. Die Dunkelheit kann beängstigend sein, aber man gewöhnt sich an sie und kann sich dadurch auch einmal auf die anderen Sinne konzentrieren: wir können genau hinhören und unsere Umgebung erfühlen. Wir sollten eine Kerze bereithalten und uns auch ein Bibelwort raussuchen. Vielleicht den Psalm 4 oder den Psalm 23. Wenn wir die Dunkelheit für einige Minuten ausgehalten haben, ja vielleicht sogar genießen konnten, dann zünden wir die Kerze an und lesen uns die Worte aus der Bibel laut vor. Das Kerzenlicht wird uns wunderschön und sehr hell vorkommen. Das Bibelwort macht spürbar: Ich bin nicht allein. Es gibt ein Licht in der Dunkelheit, Gottes Licht. Seine liebevolle und fürsorgliche Zuwendung leiten uns durch jedes finstere Tal hindurch und schenkt uns Leben, immer wieder neu. Es ist gut, sich das bewusst zu machen und es durch diese Übung spüren zu können, gerade jetzt in dieser Zeit. Probieren wir es doch mal aus.    

Bild: Ein Zettel zum Mitnehmen vor der Pauluskirche in der Südstadt  

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Mittwoch, den 20. Januar 2021

WORTmeldung von Pastor Christoph Rehbein

Mein Adressbuch,

es ist in die Jahre gekommen. Die Ecken sind abgestoßen. Viele Anschriften und Telefonnummern durchgestrichen, weil veraltet. Bei einigen Buchstaben fehlt es freiem Platz für neue Namen. S und K sind in unserem Land offenbar sehr beliebt. Und neulich ging es mir beim Durchblättern zum ersten Mal so, dass ich mich gar nicht erinnern konnte an den Menschen, dessen Adressdaten ich da notiert hatte. Trotzdem hänge ich an dem Buch und werde es noch nicht durch ein neues ersetzen. Aus Freude am Glauben habe ich mir unter G die 5015 notiert, ohne Vorwahl:

Die Telefonnummer Gottes, so lernte ich als Schüler im CVJM.

Psalm 50, Vers 15:

Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.

Das Gebet, so spüre ich, ist in unseren Gottesdiensten in diesen Zeiten noch wichtiger geworden.

Unser Gott ist immer ansprechbar. Seine Leitung hat viele Kanäle. Und ER gibt andere Antworten als automatische Ansagen.

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Mittwoch, den 13. Januar 2021

 

WORTmeldung von Pastorin coll. Carolin Zierath

Bei einem flüchtigen Blick kann man es glatt übersehen, das Chamäleon. Und das will es ja auch, schließlich ist es hilfreich, unsichtbar zu sein, ob man nun als Opfer oder Jäger unterwegs ist. Das sonderbare Tier kann sich dabei nicht nur an die Farbe seiner Umgebung anpassen, sondern auch an die Form. Es ist so kaum wahrzunehmen.

Auch Menschen verstehen es, sich anzupassen und zu tarnen. Eine solche Tarnung passiert nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich.  Oft gleichen wir uns mit unserem Verhalten und unseren Äußerungen der jeweiligen Umgebung oder Situation an, in der wir uns befinden. Nicht selten lassen wir dabei unter den Tisch fallen, dass wir im Glauben an Jesus Christus leben.

Gestern hörte ich im NDR2-Radio bei „Moment mal“ eine tolle Geschichte dazu: bei den Olympischen Spielen in London 1908 stand das Finale über 110 Meter Hürden an einem Sonntag auf dem Programm. Der Amerikaner Forrest Smithson hatte sich dafür qualifiziert. Nun brachte ihn das in Gewissensnöte, weil er die Gewohnheit hatte sonntags den Gottesdienst zu besuchen. Er war ein überzeugter Christ, das gute Gebot der Feiertagsheiligung wollte er auf keinen Fall übertreten. Aber im Finale der Olympischen Spiele zu stehen, das passierte einem auch nicht jeden Tag. Also machte er einen Kompromiss: Er ging an den Start und zwar mit einer Bibel in der Hand. Und er gewann.

Wenn das nur immer so einfach wäre. Aber was mir diese Geschichte noch einmal vor Augen führt: Unser Glaube, der kann was, den müssen wir nicht verstecken, auch und ganz besonders nicht in dieser Zeit. Er kann uns über diese große Corona-Hürde führen. Er kann uns über die Hürden des Lebens helfen. Und anderen auch, wenn wir ihnen davon berichten und uns nicht einfach anpassen und uns davor scheuen. Wir sind schließlich keine Chamäleons. Wir alle können ein Zeichen setzen, so wie Forrest Smithson auch.

Paulus schrieb dazu einmal in seinem Brief an die Gemeinde in Rom: „Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln" (Römer 12,2).

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Zum 6. 1.2021 (Epiphanias)

WORTmeldung von Pastorin Elisabeth Griemsmann
zum 6. Januar 2021 (Epiphanias)

Am 6. Januar „endet“ die Weihnachtszeit. Danach wird die Weihnachtsdekoration abgenommen. Die erleuchteten Bäume, die hellen Sterne an den Fenstern, die Lichterketten mit ihrem warmen Licht verschwinden. Zurück bleibt ein nüchterner, grauer Eindruck.

Am 6. Januar geht es noch einmal um eine Weihnachtsgeschichte. Die Figuren und Symbole sind uns vertraut, denn die Weisen an der Krippe und der Stern über Bethlehem gehören zum Krippenspiel hinzu. Die Figuren sind bei Kindern besonders beliebt, auch deshalb, weil die Requisiten begehrt sind: goldene Kronen, glänzende Umhänge und die drei Geschenkpakete mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Ein Krippenspiel ohne Weise, ohne Stern und ohne Geschenke – da würde uns etwas fehlen. Das Weihnachtsevangelium aus dem Lukasevangelium verzichtet jedoch darauf. Erst im Matthäusevangelium finden wir die Gruppe der Weisen, die mit Geschenken ausgerüstet, in Israel nach dem neu geborenen König suchen und den Stern. Wir lesen von dem „fiesen“ König Herodes und den Gelehrten, die sich erst in der Bibel schlau machen müssen. In dem neutestamentlichen Vers für den heutigen Tag heißt es: Da die Weisen den Stern sahen, wurden sie hocherfreut. 11und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an. (Matthäus 2, 10-11).

Diese Geschichte macht ein Wunder anschaulich: den Weisen werden die Augen geöffnet. So können sie in dem kleinen Kind den gesuchten, neugeborenen König erkennen. Sicher, sie brauchten den Stern, aber sie brauchten auch den Hinweis aus der Bibel auf den Ort Bethlehem. Es ist das Wunder des 6. Januar: Gottes Ganz leuchtet von diesem Kind aus und erstrahlt die, die herantreten. Sie können es anbeten.

Weihnachten „endet“ am 6. Januar. Mit dieser wunder-vollen Geschichte. Diese Geschichte kann uns mit ihrem Glanz in unseren Alltag begleiten. Der Glanz von dem Kind ist nicht zu Ende, wenn die Dekoration abgenommen wird. Der Glanz des Kindes leuchtet auch in den grauen Alltag, der sich auftut, wenn weiterhin Geduld für die Folgen eines Lockdowns aufgebracht werden müssen. Der Glanz des Kindes erhellt unser Inneres, wenn wir traurig gestimmt das neue Jahr beginnen. Der Glanz, der von dem Kind Gottes ausgeht, erleuchtet auch unseren Aufbruch in das neue Jahr. Vielleicht hilft auch das Weihnachtslied über von dem „Stern über Bethlehem“, der uns den Weg zum Kind und wieder zurück in unser Leben führen wird.

Gottes Stern leuchtete den Weisen. Gottes Glanz aus Bethlehem strahlt auch für uns - nicht nur zur Weihnachtszeit. Er tut uns gut, jeder Zeit.

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