Predigt für den Gottesdienst am 1. Februar 2026

Liebe Gemeinde, der Predigttext für heute steht im zweiten Korintherbrief, Kapitel 4, Verse 6-10. Ich lese aus der BasisBibel:

 6 Gott hat einst gesagt: »Aus der Dunkelheit soll ein Licht aufleuchten!« Genauso hat er es in unseren Herzen hell werden lassen. Durch uns sollte das Licht der Erkenntnis aufleuchten: Die Herrlichkeit Gottes sollte sichtbar werden, die uns in Jesus Christus begegnet.

 7 Wir tragen diesen Schatz aber in zerbrechlichen Gefäßen. So soll deutlich werden, dass unsere übergroße Kraft von Gott kommt und nicht aus uns selbst.

 8 Wir stehen von allen Seiten unter Druck, aber wir werden nicht erdrückt. Wir sind ratlos, aber wir verzweifeln nicht.

 9 Wir werden verfolgt, aber wir werden nicht im Stich gelassen. Wir werden zu Boden geworfen, aber wir gehen nicht zugrunde.

 10 Täglich erleben wir am eigenen Leib etwas von dem Sterben, das Jesus erlitten hat. Denn unser Leib soll auch das Leben zeigen, zu dem Jesus auferstanden ist. Amen.

 Liebe Gemeinde,

“Door duisternis tot licht: Gedachten over en für das javanische Volk”. Auf Deutsch: Durch Finsternis zum Licht. Gedanken über und für das javanische Volk.

So heißt der niederlänische Titel eines Buches. Dieses Buch wurde auf Niederländisch geschreiben. Das war nämlich die Amts- und Schulsprache in Indonesien, als es noch eine Kolonie der Niederlande war.

Das Buch ist eine Sammlung von Briefen, die Raden Ajeng Kartini an ihre Freunde in Europa schrieb. Frau Kartini ist in Indonesien eine Nationalheldin. Sie lebte auf Java und gehörte dem Adel an. Zeit ihres Lebens kämpfte sie für die Rechte und die Stellung der Frauen. Sie lehrte sie lesen, schreiben und verschiedene Fertigkeiten, obwohl ihr Handeln durch die niederländischen Kolonialherren eigentlich stark eingeschränkt oder gar verboten war.

Nicht alle indonesischen Frauen spürten damals die Auswirkungen von Kartinis harter Arbeit. Die Tatsache, dass sie die Erlaubnis erhielt, eine Schule für Frauen zu gründen, hatte nur Auswirkungen auf die Frauen in ihrer Region. Es war ein kleines Licht im Vergleich zu der großen Zahl von Frauen in ganz Indonesien, die unter der Kolonialisierung litten. Und auch die Frauen, denen sie half, waren nicht von der niederländischen Kolonialisierung befreit. Sie bekamen vielleicht eine kurze Atempause, weil sie in der von Kartini gegründeten Schule lernen durften.

Aber dieses kleine Licht war genug. Ein wenig Licht inmitten der Dunkelheit reicht aus, um Hoffnung zu geben. Und Hoffnung reicht aus, um eine große Kraft zu wecken.

So war es auch bei Paulus. Wenn wir seinen Brief an die Korinther lesen, sehen wir, dass er kein Apostel war, dem der Weg im Verhältnis zur Gemeinde leicht gemacht wurde. Oft musste er sich selbst als Apostel Jesu Christi gegen Anfeindungen verteidigen. Auch in diesem Kapitel betont er noch einmal, dass er das Werk der Verkündigung des Evangeliums ehrlich, wahrhaftig und treu getan hat. Dass das Evangelium in ihm lebt und dass das Evangelium ihn verändert hat, wie eine neue Schöpfung.

Deshalb sagt er nicht wie der Titel von Kartinis Buch: "Vom Dunkel zum Licht". Er ging nicht zu einem Licht hin. Vielmehr wurde das Licht in ihm geschaffen. Wie Gott zu Beginn der Schöpfung gesagt hat: "Es werde Licht". Und es wurde Licht. So war es auch bei Paulus, dass Gott sein Herz erleuchtet hat. Dass er das Licht Christi gesehen hat und dass dieses Licht ihn zu einer neuen Schöpfung gemacht hat. Von einem grausamen und unbarmherzigen Christenverfolger zu einem treuen Apostel Christi, der die Gemeinde liebt und pflegt und sein Leben für das Evangelium gibt.

Vielleicht können wir uns nicht vorstellen, wie Gott dieses Licht auch in uns scheinen lässt. Es ist schon schwer vorstellbar, wie dieses Licht Paulus erleuchtet und ihn für immer in einen neuen Menschen verwandelt hat. Und das blitzschnell. Von heute auf morgen.

Aber die Realität ist, dass wir ohne dieses Licht heute nicht hier sitzen würden. Das ist für mich die Realität, dass wir dieses Licht bereits haben. Es ist das Licht des Evangeliums. Das Evangelium, dass Jesus Christus Herr, Heiland und König ist. Dass er zuerst litt, aber nicht aufgab. Dass er zuerst gehasst wurde, aber dennoch liebte. Dass er am Kreuz starb, aber an dem dritten Tag auferstand. Und dass er die Macht über diese Welt hat und dass er eines Tages alles neu machen wird.

Das Evangelium ist in uns und ist uns ein Licht. Das Evangelium ist die Quelle der Kraft, denn durch das Evangelium haben wir Hoffnung. Eine Hoffnung, die nicht vergeblich ist, auf Jesus Christus, unseren Erlöser.

Und wie Paulus sagt, gibt es keine größere Kraft als die Kraft, die aus dieser Hoffnung geboren wird:

Wir stehen von allen Seiten unter Druck, aber wir werden nicht erdrückt. Wir sind ratlos, aber wir verzweifeln nicht.
Wir werden verfolgt, aber wir werden nicht im Stich gelassen. Wir werden zu Boden geworfen, aber wir gehen nicht zugrunde.

Ich kenne niemanden in dieser Gemeinde, der so unterdrückt, bedrängt und gefoltert wurde wie Paulus. Aber es ist auch kein Geheimnis… wir alle wissen, dass selbst während wir hier sitzen, jetzt in unserer Zeit, viele Menschen an verschiedenen Orten gefoltert, verhaftet, bedrängt, gequält oder gar getötet werden. Wir hören schreckliche Nachrichten aus dem Iran, dass viele Menschen ihr Leben verlieren, weil sie sich für die Freiheit einsetzen. Wir hören schreckliche Nachrichten über die ICE (Immigration and Customs Enforcement) in den USA. Wir hören von Bergbau- und Palmölunternehmen in Indonesien, die immer noch arbeiten und Betriebsgenehmigungen haben, obwohl die von ihnen verursachten Umweltschäden zu großen Überschwemmungen führten, die über 1.000 Menschen das Leben kosteten.

Und man hat auch in Deutschland erlebt, wie Juden und Sinti und Sozialisten, Homosexuelle und Gewerkschaftler eingesperrt, gefoltert, gequält und sogar getötet wurden von Menschen, die sich selbst für Gott hielten.

Wir leiden zwar nicht so wie viele Menschen an anderen Orten oder zu anderen Zeiten aber jeder von uns trägt eine Last, und manchmal fühlt sich diese Last so schwer an. Nicht nur das. Unsere Herzen fühlen sich oft dunkel an, wenn wir sehen, dass die Welt um uns herum im Chaos zu versinken scheint.

 

Doch wie Paulus sagte, sind wir keine Menschen ohne Schwächen. In der Tat sind wir voller Schwächen. Wir sind wie ein zerbrechliches Gefäß, wie aus Ton gemacht, sowohl unser Körper als auch unsere Seele. Unser Körper kann schwach sein und unsere Seele ist manchmal müde und hilflos. Wir machen auch Fehler, die uns selbst und anderen weh tun können. Wir sind so zerbrechlich.

Aber gelobt sei Gott, der diesen kostbaren Schatz, das Licht, in den Ton gelegt hat. Denn dieses Licht, wie klein es auch sein mag, reicht aus, um uns stark zu machen. Wie wir es in der Adventszeit oft hören: Eine Kerze der Hoffnung reicht aus, um andere Kerzen zu entzünden. So ist es auch mit dem Licht, das in uns von Gott geschaffen wird. Wie schwach wir auch sein mögen, das Licht hat uns vor der Verzweiflung bewahrt. Wir gehen nicht zugrunde, denn wir geben nicht auf. Und das ist nicht aus unserer eigenen Kraft, nicht die Kraft des zerbrechlichen Gefäßes, sondern die Kraft des Lichtes.

Am Dienstag vergangener Woche wurde daran erinnert, wie das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz vor 81 Jahren befreit wurde. In jener Zeit gab es einige Menschen, die nicht aufgegeben haben, die nicht aufgehört haben zu hoffen, obwohl sie zu Unrecht beschuldigt wurden und um ihr Leben fürchten mussten, nur weil sie für das eintraten, was richtig ist. Ich finde es wichtig, dass ich jetzt ein paar Namen erinnere:

 Dietrich Bonhoeffer. Er stellte sich als Pastor und theologischer Lehrer gegen die Nazi-Ideologie, die sich in der evangelischen Kirche breit gemacht hatte.

Viktor Frankl, ein Psychiater, der seinen Mitgefangenen half, nicht aufzugeben, indem er sie an ihre Aufgaben, ihr Werk oder ihre Lieben erinnerte.

Sophie Scholl, eine junge deutsche Studentin, die zusammen mit ihrem Bruder Hans Scholl und ihren Freunden im Geheimen Flugblätter an der Universität München verteilte, in denen sie das deutsche Volk zum passiven Widerstand gegen die Nazis aufrief. Sie wurde schließlich verhaftet und hingerichtet.

Oskar Schindler, der seinen Reichtum, seine Verbindungen und seine List einsetzte, um Nazi-Beamte zu bestechen, damit er Juden in seiner Fabrik beschäftigen konnte. Mit gefälschten Namenslisten gelang es ihm, mehr als 1.200 Juden vor den Gaskammern zu retten. Er gab sein gesamtes Vermögen aus, um seine Arbeiter zu ernähren und ihr Leben zu retten.

Dr. Adelaide Hautval, eine französische Ärztin, die in Auschwitz inhaftiert war, weil sie Juden in Frankreich verteidigt hatte. Im Lager befahlen ihr die Beamten, an grausamen medizinischen Experimenten an jüdischen Gefangenen teilzunehmen. Sie lehnte dies entschieden ab und sagte, ihr Beruf sei es, zu heilen, nicht zu verletzen.

Irena Sendler, Nicholas Winton, Dr. Gertrud Luckner und Georges Garel. Sie haben jüdische Kinder versteckt, verschickt und ihre Dokumente gefälscht, um sie zu retten.

Diese Namen und noch viele andere Namen dürfen wir nicht vergessen. Und vor allem dürfen wir nicht vergessen, dass sie eine große Kraft hatten, weil sie die Hoffnung hatten, selbst in den dunkelsten Zeiten. Auch wenn fast 6 Millionen Leben verloren gehen, war es ihnen nicht vergeblich, ein Leben zu retten, dieses kleine Licht zu bewahren.

Auch in uns ist diese Hoffnung. Wenn wir uns schwach und voller Sorgen fühlen, dürfen wir in uns hineinschauen und erkennen: So schwach wir auch sind – vielleicht wie Mose, der aus Angst und aus Schuldgefühlen fliehen musste, der sich Inkompetenz fühlten, aber dennoch Gottes Licht empfangen hat. So haben auch wir Gottes Licht empfangen.

Ein Licht, das er und uns die Hoffnung gibt, dass Gott doch über alles herrscht und dass Er alles neu machen wird. Diese Hoffnung wird uns Kraft geben, und wie schön ist es zu wissen, dass keine Macht, sei es von Menschen, die Macht des Geldes oder sogar die Macht der Krankheit, uns diese Kraft der Hoffnung aus unserem Inneren rauben kann.

Zum Abschluss dieser Predigt lese ich einen Ausschnitt aus einem Psalm von Dr. Petra Liane Pohl, einer Prädikantin.

Weil Gott die Liebe ist, gibt es immer Hoffnung.

Die Hoffnung ist eine Kraft aus einer anderen Welt.

Sie ist das göttliche Samenkorn, dessen Blüten und Frucht Überraschungen offenbart.

Mit Hoffnung gesegnet zu sein, bedeutet Leben in sich zu tragen.

Weil Gott die Liebe ist, gibt es immer Hoffnung.

Die Hoffnung ist eine Kraft aus einer anderen Welt.

Und sie leuchtet hinein in unsere Welt.

Amen.