• Predigt
»Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.« (Röm 1,7) Amen.

Liebe Gemeinde,
heute haben wir Taufe, Predigt und Abendmahl – Wasser, Wort und Brot. Und genau darum geht es heute auch in der Predigt.
Es geht um den Propheten Elija. Er hat Stress mit König Ahab. Der ist zwar außenpolitisch recht erfolgreich. Aber er ist mit Isebel verheiratet, einer phönizischen Prinzessin. Und auf Betreiben seiner Frau Isebel sollen jetzt zwei phönizische Fruchtbarkeitsgötter besonders verehrt werden: Baal und Aschera. 850 Propheten und Kultbedienstete werden eingestellt, um den Baal-Tempel in Samaria und den Aschera-Kult am Königshof zu bedienen (1. Kön 16,30-33; 18,19).
Elija protestiert im Namen des Gottes Israels gegen die staatliche Bevorzugung dieses Götterpärchens. Er prophezeit, dass sich der erhoffte Segen dieser Götter in einen Fluch verkehren wird.
Baal wurde nämlich als Wettergott verehrt, vor dessen Blitzen und Donner die Menschen gehörigen Respekt hatten. Von ihm erwarteten sie sich zugleich jede Menge fruchtbaren Regen. Elija prophezeit nun, dass diese phönizischen Götter zum Schaden für das Land werden. Regen und Tau würden ausbleiben, und die erbarmungslosen Strahlen der Sonne würden den Menschen zusetzen.

II.
Jemand, der so etwas verkündet, muss auf zweierlei gefasst sein: Zum einen auf die Reaktion der Staatsmacht und zum anderen, dass die Prophezeiung wahr wird. Gott befiehlt Elija deshalb, ins Exil zu gehen. Denn König Ahab ist ein skrupelloser Herrscher und lässt den unbequemen Propheten überall suchen – sogar im Ausland (18,9-11). Hören wir den Predigttext aus 1. Könige 17:

1 Elija, ein Tischbiter aus Tischbe in Gilead, kündigte Ahab an: »So gewiss der Herr, der Gott Israels, lebt, in dessen Dienst ich stehe! Es wird in diesen Jahren weder Tau noch Regen geben – es sei denn, dass ich es befehle.«
2 Danach kam das Wort des Herrn zu Elija: 3 »Geh weg von hier in Richtung Osten! Versteck dich am Bach Kerit, der in den Jordan fließt! 4 Aus dem Bach kannst du trinken. Den Raben habe ich befohlen, dich dort zu versorgen.« 5 Da ging er los und tat, was der Herr befohlen hatte. Er ging und setzte sich an den Bach Kerit, der in den Jordan fließt. 6 Morgens und abends brachten Raben ihm Brot und Fleisch. Trinken konnte er aus dem Bach. 7 Aber nach einiger Zeit trocknete der Bach aus, denn es gab keinen Regen im Land.
8 Da kam das Wort des Herrn zu Elija: 9 »Auf, geh nach Sarepta, das bei Sidon liegt! Bleib dort! Denn ich habe einer Witwe befohlen, dich dort zu versorgen.«
10 Da machte sich Elija nach Sarepta auf. Als er an das Stadttor kam, war dort eine Witwe, die Holz auflas. Elija sprach sie an und sagte: »Hol mir doch bitte einen kleinen Krug mit Wasser. Ich möchte etwas trinken.« 11 Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: »Bring mir doch bitte auch ein Stück Brot mit.«
12 Da antwortete sie: »So gewiss der Herr, dein Gott, lebt! Ich habe überhaupt keine Vorräte mehr. Nur noch eine Handvoll Mehl ist im Krug und etwas Öl in der Kanne. Ich wollte gerade ein paar Hölzchen sammeln, wieder heimgehen und etwas aus den Resten backen. Mein Sohn und ich wollten noch einmal etwas essen und danach sterben.«
13 Da sprach Elija: »Fürchte dich nicht! Geh nur und tu, was du gesagt hast. Aber mach zuerst für mich ein kleines Brot und bring es zu mir heraus. Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas backen. 14 Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Der Mehlkrug wird nicht leer werden, und die Ölkanne wird nicht versiegen. Das wird so bleiben bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen schenkt und es auf den Ackerboden regnen wird.«
15 Sie ging los und tat, was Elija gesagt hatte. Und tatsächlich hatten sie alle drei zu essen: Elija, die Frau und ihr Sohn, Tag für Tag. 16 Der Mehlkrug wurde nicht leer und die Ölkanne versiegte nicht. So hatte es der Herr durch Elija gesagt. [Und] 17 Die Witwe nahm Elija in ihr Haus auf. (...)

III.
Liebe Gemeinde,
Elija prophezeit also, dass die fremden Götter nicht die gewünschte Fruchtbarkeit bringen werden: kein Baal, der aus den Wolken regnen lässt, und keine Aschera, die für Fruchtbarkeit und Wachstum sorgt. Stattdessen das, war wir in diesem Sommer in Südeuropa erleben: Die Temperaturen kratzen an der 40-Grad-Marke, es gibt Wassermangel, Wälder stehen in Flammen und lassen sich nur schwer löschen.
Elijas Prophezeiung ist also in Erfüllung gegangen. Er flieht zunächst in den Norden und versteckt sich am Bach Kerit. Dort gibt es noch Wasser. Und Raben bringen ihm zu essen.

Doch schon bald muss Elija sein Versteckt verlassen. Die von ihm selbst prophezeite Dürre lässt den Bach versiegen.
Wir können uns vorstellen, dass die Trockenheit die Menschen damals schwer getroffen hat. Auf den Feldern verdorren die Früchte, Vorräte gehen zur Neige. Und wenn es nicht bald regnet, verhungern und verdursten Mensch und Tiere – die Schwächsten zuerst.
Und genau dorthin, zu einer der Schwächsten, schickt Gott Elija – nämlich zu einer Witwe, die sich um ihren Sohn kümmert. Sie hat den Auftrag, Elija zu versorgen. Die Frau weiß genau, wie unmöglich das ist. Als Witwe lebt sie am Rande der Gesellschaft. Und die lange Dürre hat ihre Möglichkeiten, sich und ihren Sohn durchzubringen, an eine Grenze gebracht.
Etwas Mehl und ein wenig Öl hat sie noch – eine letzte kleine Mahlzeit also, bevor beide verhungern müssen. Mehr als den sicheren Tod kann sie dem Propheten Elija also nicht anbieten.
IV.
Am Hof dagegen von König Ahab und Königin Isebel sind die Vorratsräume und Zisternen gefüllt. Sie spüren nicht viel von dem Klimawandel, der ihrer Bevölkerung schwer zu schaffen macht. Dabei sind sie mitverantwortlich für die Dürrekatastrophe, denn sie haben die Warnungen des Propheten in den Wind geschlagen.
Stattdessen versuchen sie, von den Missständen abzulenken: mit dem Fruchtbarkeitskult und den 850 neuen Bediensteten, die den alten Glauben zurückdrängen sollen.
[→ Mich erinnert das aktuell an einen Präsidenten, der sich im Wahlkampf als ›Vater der Befruchtung‹1 bezeichnet hat, der Geburtenprämien verspricht und die CO²-Grenzwerte vor wenigen Tagen abgeschafft hat, um die ›Klimawandel-Religion‹, wie seine Umweltbehörde es ausdrückt, auszurotten.²]

Liebe Gemeinde,
wie gesagt, am Hof spürt man nicht viel vom Klimawandel, der der Bevölkerung schwer zusetzt. Sehr wohl aber sind die Folgen zu spüren im Haus der Witwe und ihres Sohnes, die jetzt auch noch einen Fremden versorgen sollen.
Warum schickt Gott Elija ausgerechnet zu dieser armen Witwe?
Ich glaube, in unserer biblischen Geschichte geht es um den Kontrast und auch ein wenig um Humor:
Dem König der Fruchtbarkeitsgötter lässt Gott durch den Propheten ausrichten, dass es solange weder Tau noch Regen geben wird, bis der Prophet es anders beschließt.
Der sterbensunglücklichen Witwe lässt Gott durch den Propheten ausrichten, dass ihr Mehlkrug und ihre Ölkanne niemals versiegen werden, bis es wieder anfängt zu regnen.
Die biblische Weisheit dahinter ist: Die Mächtigen, die Ignoranten und Zyniker erfahren das Gegenteil ihrer törichten Politik: Statt Fruchtbarkeit verursachen und ernten sie Dürre.
Die Machtlosen, die Hungernden dagegen sind es, die Leben retten. Und statt Hunger erhalten sie Nahrung genug für jeden Tag.
Paulus hat diese biblische Weisheit so auf den Punkt gebracht: »Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich (…) rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.« (2. Kor 12,9f).

Liebe Gemeinde,
in einer längeren jüdischen Legende aus einem Shtetl in Osteuropa wird diese Weisheit, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist, so erzählt:
»Eines Tages kam der Prophet Elias, als Bettler verkleidet, in ein kleines Shtetl im großen russischen Reich. Dort lebten zwei Brüder, der eine arm, der andere reich. Bei dem Reichen rollte der Rubel, beim Armen nicht mal eine kleine Kopeke. Der arme Bruder war gut und freundlich, der reiche aber hart und geizig, und er dachte nicht daran, seinem Bruder zu helfen.
Der Prophet im Bettelgewand ging zuerst zu dem reichen Bruder. Der stand gerade vor seinem Hoftor, und Elias grüßte ihn höflich. ›Sholem alejchem, einen guten Tag! Werter Herr, seid so gut und gebt mir ein bisschen Geld, nur eine Kopeke, dass ich mir etwas zu essen kaufen kann!‹
Der Reiche schrie wütend: ›Gar nichts kriegst du von mir! Verschwinde, du Schnorrer, oder ich hetze meinen Hund auf dich!‹ Doch der Hund, der knurrend und zähnefletschend herbeigelaufen kam, wich zurück vor dem Bettler und legte sich ganz sanft auf den Boden, sehr zum Ärger seines Herrn.
Der Bettler ging weiter und bald kam er zur Hütte des armen Bruders. Er klopfte an und bat: ›Seid so gut und gebt mir nur eine Kopeke, ich hab Hunger!‹ – Der antwortete: ›Du siehst doch selbst, wie arm ich bin! Ich kann dir kein Geld geben, aber was ich habe, will ich mit dir teilen.‹
Er lud den Bettler ein, sich zu setzen, und sie teilten sich das Wenige, was im Haus war: ein Stück Brot, ein halber Hering, heruntergespült mit etwas kaltem Tee, der noch von gestern übrig war. Sie aßen und redeten miteinander, und dann stand der Bettler auf und schickte sich an, weiter zu ziehen. Doch vorher bedankte er sich herzlich bei seinem Gastgeber und sagte: ›Was Ihr anfangt zu tun, soll kein Ende nehmen!‹ Ein seltsamer Wunsch: ›Was Ihr anfangt zu tun, das soll kein Ende nehmen!‹
Der arme Mann dachte sich nicht viel dabei. Er sah nur, dass der Bettler seinen Tallit, den Gebetsschal, liegen gelassen hatte, und er legte ihn sorgfältig zusammen. Und er traute seinen Augen nicht: auf einmal lag da noch ein Tallit, aber ein viel schönerer Schal als sein eigener, von ganz feinem Stoff. Also faltete er den auch zusammen. Doch da lag noch ein dritter und ein vierter, und die Schals nahmen kein Ende. Da erst begriff er, was der Bettler gemeint hatte, und dass das kein einfacher Bettler gewesen war, sondern der Prophet Elias! Schließlich war seine ganze Stube voll mit Gebetsschals; er machte einen Laden auf und verkaufte sie, und seine Not hatte ein Ende.

Natürlich verbreitete sich die Nachricht davon wie ein Lauffeuer und gelangte auch zu den Ohren des reichen Bruders. Der dachte sich seinen Teil und hätte sich den Bart ausreißen können, dass er zu dem vermeintlichen Bettler so grob gewesen war. Er hoffte inständig, dass dieser sich noch einmal sehen ließe, und ihm auch so einen Segensspruch geben würde.
Er dachte sich: ›Ich werde bestimmt nicht bloß Tuch um Tuch zusammenlegen wie mein Bruder, der Nichtsnutz, der Schnorrer! Ich werde goldene Rubel zählen!‹ Und für alle Fälle stellte er seine ganze Stube mit leeren Truhen voll, in die er die Haufen Gold hinein füllen wollte. Auf den Tisch legte er eine Goldmünze, damit er etwas hätte, womit er anfangen könnte zu zählen.
Und tatsächlich! Kurz darauf sah er den Bettler von ferne, lief ihm entgegen und rief: ›Scholem alejchem, teurer Freund – kommt herein und seid mein Gast!‹ Und er bat den Bettler unter vielen Verbeugungen in sein Esszimmer. Es gab zu Essen und zu Trinken von allem, was gut und teuer ist: eine köstliche Hühnerbrühe, Gefilten Fisch, ganze gebratene Hühner und zum Nachtisch einen süßen Kugel-Auflauf, dazu die besten Weine – es war so fein wie bei reichen Leuten!
Als sie mit dem Mahl fertig waren, stand der Bettler auf und sagte zu seinem Gastgeber: ›Ich danke Euch! Möge das, was Ihr beginnt, kein Ende nehmen!‹
›So ein Glück!‹ dachte sich der reiche Mann und schob den Bettler rasch hinaus, denn er konnte es nicht erwarten, mit dem Zählen der Goldmünzen zu beginnen.
Er stürzte in die Stube mit den leeren Truhen und griff schon zu der Münze, mit der er anfangen wollte. Doch dann besann er sich. Er würde ja die ganze Nacht hindurch zählen. Und nach all dem Wein, den er getrunken hatte, wäre es besser, sich vorher zu erleichtern. Also ging er auf den Hof in eine dunkle Ecke…
→ Nun, was soll ich sagen – der Wunsch des Propheten Elias ging in Erfüllung!
Und so steht er noch und pischt bis zum heutigen Tag!³

»Und die Weisheit Gottes, die die höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.« Amen.

 

1 https://www.fr.de/politik/us-wahl-2024-donald-trump-stimmenfang-frauen-familien-vater-befruchtung-ivf-usa-zr-93390114.html

2 https://www.spiegel.de/ausland/washington-us-regierung-will-einschaetzung-zu-gefahren-von-treibhausgasen-streichen-a-360303fc-27b1-4ffc-b69d-37d51d62da74

3 https://www.hagalil.com/2021/06/der-wunsch-des-propheten-elias/