Predigt
»Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.« (Röm 1,7) Amen.
I.
Liebe Gemeinde,
im Jahre 70 n. Chr. wurde der Tempel in Jerusalem im Krieg zerstört. Die Römer machten die Stadt und das zentrale jüdische Heiligtum dem Erdboden gleich. Der Tempelschatz wurde geraubt. Und mit dem Erlös finanzierte der Kaiser den Bau des Kolosseums in Rom.
Bis dahin war es üblich, dass der Hohepriester einmal im Jahr das Allerheiligste im Tempel betrat. Das war am großen Versöhnungstag, dem Jom Kippur. Das ganze Jahr über hatte das Volk »aus Unkenntnis« (9,7) gegen die 10 Gebote verstoßen und sich von Gott entfernt. Einmal im Jahr sollte darum ein Neuanfang möglich gemacht werden – mit dem Eingeständnis von Versäumnissen, der Aussöhnung untereinander und mit Gottes Zusage der Vergebung.

Jetzt gab es aber kein Allerheiligstes mehr, in das der Hohepriester treten konnte, um Gott um einen Neuanfang zu bitten.
Gerade nach der bitteren Niederlage im Krieg war aber eine Aussöhnung im Volk erforderlich und eine von Gott zugesagte Vergebung bitter nötig. Denn jeder Krieg bringt Verwerfungen und Unrecht mit sich, Streit bis in die Familien hinein und unzähliges Leid, das nicht wiedergutgemacht werden kann.

Doch wie sollte ein Neuanfang noch möglich sein
- ohne Tempel,
- ohne Allerheiligstes,
- ohne einen Hohepriester?
Und was war mit Gott selbst, der seinen Namen in diesem Tempel wohnen ließ? Warum hatte er zugelassen, dass bei der Belagerung Jerusalems tausende Juden vor den Stadtmauern gekreuzigt wurden – wie auch 40 Jahre zuvor schon sein eigener Sohn Jesus von Nazareth unter Pontius Pilatus?

II.
Liebe Gemeinde,
der heutige Predigttext aus dem Hebräerbrief beschäftigt sich mit diesen Fragen, und ganz besonders mit dem Ausbleiben des Tempeldienstes: Woher sollte das Volk Israel jetzt die Hoffnung nehmen auf einen immer wieder möglichen Neuanfang mit Gott?
→ Wir können uns den damaligen Verlust des Tempels gar nicht schlimm genug vorstellen. Das wäre, als wenn Borussia Mönchengladbach den 1. FC Köln im Pokalfinale besiegt, danach den Kölner Dom in Brand setzt, die Stadt dem Erdboden gleichmacht und allen Karnevalisten bei Todesstrafe verbietet, die Stadt am Rhein jemals wieder zu betreten. Der goldene Schrein des Doms mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige wäre geraubt und auf immer verschwunden. Und von dem erbeuteten Gold würden die Gladbacher ihr Stadion auf dem Bökelberg zur größten Fußballarena Europas ausbauen.
Jetzt will ich nicht behaupten, dass der Verlust der kölschen Heiligtümer mit der Zerstörung Jerusalems gleichzusetzen wäre. Aber zu Rosenmontag habe ich wieder gemerkt, welche Anziehungskraft von der Stadt am Rhein ausgeht, wie viele Menschen extra zum Karneval nach Köln reisen, dem FC Köln die Daumen drücken und den Dom bestaunen, das meistbesuchte Denkmal in ganz Deutschland.
→ Wenn wir uns das vor Augen führen, können wir uns ein wenig vorstellen, was dieses Ereignis in der religiösen Heimat für Juden und Christen jüdischen Glaubens bedeutet hat.
Wenn die Römer mit ihren heidnischen Göttern den Tempel zerstören können, in dem der Gott Israels seit König David seinen Namen wohnen lässt – welche Hoffnung gibt es dann noch auf einen Neuanfang mit Gott, der auch der Gott und Vater von Jesus ist?

III.
Doch bevor wir hier weiterdenken, hören wir zunächst den für heute vorgeschlagenen Predigttext. Er steht im 13. Kapitel des Hebräerbriefes, der wahrscheinlich in Rom geschrieben wurde [Einheitsübersetzung]:
9 Lasst euch nicht von vieldeutigen und fremden Lehren irreführen; denn es ist gut, dass durch Gnade das Herz gefestigt wird und nicht durch Speisevorschriften, die denen, die sich daran hielten, keinen Nutzen brachten.
10 Wir haben einen Altar. Von ihm dürfen diejenigen nicht essen, die in dem Zelt Dienst tun. 11 Denn vom Hohepriester wird zur Sühnung der [Gesetzes-]Übertretungen das Blut der Tiere in das Heiligtum gebracht, ihre Körper aber werden außerhalb des Zeltlagers verbrannt.
12 Auch Jesus hat daher außerhalb der Stadt gelitten, um durch sein eigenes Blut das Volk [Israel] zu heiligen. 13 Somit lasst uns zu ihm vor das Zeltlager ziehen und seine Schande tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Liebe Gemeinde,
diese Verse sind vielfach so verstanden worden, dass die Gläubigen dem Diesseits abschwören und sich ganz auf das Jenseits ausrichten sollen (Klaus Berger). Doch schon beim ersten Hören merken wir, dass es hier nicht um oben und unten, sondern um drinnen und draußen geht: drinnen beim Altar und draußen bei Jesus.
Andere Ausleger haben dieses Drinnen und Draußen als eine Aufforderung gelesen, sich vom Judentum zu trennen (Erich Grässer): Die christliche Gemeinde solle den jüdischen Tempel verlassen. Doch der ist von den Römern bereits zerstört, sodass diese Aufforderung keinen Sinn macht. Plausibler ist es, dass sich die Christen und Christinnen aus den heidnischen Tempeln der Römer fernhalten sollten.
Dazu passt auch die versteckte Polemik gegen die ›ewige Stadt‹ Rom: »Wir haben hier keine bleibende [d.h. ewige] Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.«, heißt es in Vers 14. Christ_innen sollen also nicht auf Rom schauen, sondern auf das »himmlische Jerusalem« (12,22), die zukünftige Stadt Gottes.
Und von Jesus wird im Hebräerbrief gesagt, er habe den Auftrag gehabt, »durch den Tod den zu entmachten, der die Gewalt über den Tod hat, nämlich den Teufel, und um die zu befreien, die durch die Furcht vor dem Tod ihr Leben lang der Knechtschaft verfallen waren.« (2,14f).
Rom hatte damals die Gewalt über den Tod; sie war eine teuflische Macht oder wie die Johannesoffenbarung sagt, ein ›Tier aus dem Abgrund‹ (13,5-7). Viele, die sich der römischen Macht entgegenstellten, wurden versklavt oder getötet.
Indem die Römer auch Jesus töteten, verloren sie jedoch diese Macht. Und noch viel deutlicher wird der Hebräerbrief in 10,29: »Meint ihr nicht, dass eine noch viel härtere Strafe der verdient, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten hat?«
Und auch die römische Verfolgung der christlichen Gemeinde spiegelt sich im Hebräerbrief. Es ist vom Leiden die Rede, von Beleidigungen und Bedrängnissen, von öffentlichen Anklagen, von Gefangenschaft, Enteignung (10,32-34) und von Misshandlungen (13,3).
Und wer immer noch glaubte, die Christen sollten sich vom Judentum trennen, dem gibt der Hebräerbrief unmissverständlich zu erkennen, dass sich Jesus »keineswegs der Engel an[nimmt], sondern der Nachkommen Abrahams« (vgl. 2,16).
Zudem bedient sich der Hebräerbrief ständig aus dem Alten Testament wie aus einem ›Bilderbuch‹. Wir müssen also in dem atl. Bilderbuch nachblättern, um die theologische Beweisführung unseres Predigttextes zu verstehen.

a. Das erste Bild, das uns der Hebräerbrief vor Augen stellt, ist das Zelt der Begegnung. Dieses Zeltheiligtum begleitete das Volk Israel bei seinen Wanderungen durch die Wüste. In ihm befanden sich der 7-armige Leuchter und der Tisch für die Schaubrote.
Weiter innen standen der goldene Rauchopferaltar und die mit Gold überzogene Bundeslade; darin befand sich ein goldener Krug mit dem Manna aus der Wüste, der Stab Aarons und natürlich die Tafeln mit den 10 Geboten (vgl. 9,2-5).
Das Zelt stand dafür, dass Gott sein Volk auf der Wanderung durch die Wüste begleiten würde. Das Zelt wurde aber nicht als ›Wohnplatz‹ Gottes verstanden. Sondern als ein Wahrzeichen für Gottes Treue. Und um mit diesem Gott in Gemeinschaft zu bleiben, sollte auch das Volk Israel Gott treu bleiben. Und dazu gehörte das Einhalten der 10 Gebote. Mose hatte die Gebote auf dem Berg Horeb empfangen, und sie wurden seitdem in der Bundeslade aufbewahrt.
b. Das zweite Bild stammt aus einer späteren Zeit, als das Zelt und die Bundeslade im Jerusalemer Tempel untergebracht waren, und zwar im Allerheiligsten. Der Hohepriester durfte diesen Bereich nur einmal im Jahr betreten und zwar anlässlich des Versöhnungstages, des Jom Kippur. Diesem hohen Festtag kommt die Aufgabe zu, das Volk, das das Jahr über »aus Unkenntnis« (9,7) gegen die 10 Gebote verstoßen hatte, wieder kultfähig zu machen.
Dahinter steckt die Vorstellung, dass die Begegnung mit Gott nicht einfach so möglich ist. Sondern sie bedarf einer gewissen Vorbereitung. Nämlich der kultischen Reinigung durch einen symbolischen Akt.
In unserer Passionszeit ist davon etwas erhalten, wenn wir eine 7wöchige Bußzeit durchlaufen, bevor wir dann zu Ostern den Auferstandenen vor Augen haben.
Der symbolische Akt an Jom Kippur bestand nun darin, dass das Volk fastete und der Hohepriester die Bundeslade mit dem Blut von zwei Opfertieren besprengte. Ebenso wurde über zwei Ziegenböcken das Los geworfen. Der eine wurde geopfert, der andere lebend als Sündenbock in die Wüste gejagt. Der Hohepriester legte diesem Bock die Sünden des Volkes auf und erlangte so stellvertretend für das Volk die Vergebung dieser Sünden.
Nach der Zerstörung des Tempels – und in genau dieser Zeit entstand ja der Hebräerbrief – wurden keine Tiere mehr geopfert. Beim Jom Kippur traten jetzt die persönliche Reue und das Sündenbekenntnis in den Vordergrund.

c. Auf diese beiden Bilder des Alten Testamentes legt der Hebräerbrief nun ein neutestamentliches Bild. Dieses Bild ist die Szene der Kreuzigung Jesu vor den Stadttoren Jerusalems:
- So wie beim Zelt der Begegnung das eigentliche Opfer außerhalb des Zeltlagers passierte, so war es auch bei der Kreuzigung Jesu auf Golgatha.
- Und so wie das Blut der Opfertiere im Allerheiligsten Sühnung bewirkte, so auch das von Jesus vergossene Blut.
- Und so wie der Hohepriester für das Volk Israel Sündenvergebung erlangte, so trug Jesu Kreuzigung zur Heiligung des Volkes bei – nicht nur zur Heiligung des Volkes Israel, sondern auch der übrigen Menschen, die an ihn glaubten. (Pause)
Der Hebräerbrief macht sich also Gedanken, wie die notwendige Wiederherstellung der kultischen Reinheit des Volkes vor Gott gewährleistet werden kann. Und zwar, nachdem der Tempel durch die Römer zerstört ist. (Pause)
Auch die jüdischen Gelehrten mussten eine Lösung für dieses Problem finden. Sie entschieden, dass Gebete im Gottesdienst und gute Taten von nun an die Opfer im Tempel ersetzen sollten.
Und wenn man im Hebräerbrief die nächsten Verse nach unserem Predigttext liest, könnte man meinen, dies sei bei den jüdischen Gelehrten abgeschrieben; dort heißt es: »15 Durch ihn lasst uns Gott allezeit als Opfer ein Lob darbringen. Dieses Lob ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. 16 Und vergesst auch nicht, einander Gutes zu tun und an der Gemeinschaft festzuhalten, denn an solchen Opfern findet Gott Gefallen.«

IV.
Nun gab es aber offenbar in der Gemeinde, die der Hebräerbrief vor Augen hatte, Menschen, die sich durch »vieldeutige und fremde Lehren« verführen ließen (13,9). Wir wissen nicht genau, was das für Lehren waren, aber offensichtlich ging es darum, dass bestimmte Speisen von einem Altar gegessen wurden.
Wahrscheinlich handelt es sich um ›Götzenopferfleisch‹, wie Paulus es nennt. Das waren Tiere, die in den römischen Tempeln geschlachtet, deren Innereien den Göttern geopfert und deren Fleisch gemeinsam am Altar verzehrt wurde. Die Teilnahme an diesen öffentlichen Festmahlzeiten brachte Vorteile mit sich. Wer sich jedoch weigerte teilzunehmen, machte sich verdächtig, die Götter der Römer nicht zu respektieren. [Viele Jahrzehnte später wurden Christen, die nicht teilnahmen, sogar verfolgt und getötet.]
Der Hebräerbrief argumentiert nun gegen die Teilnahme an den Festmahlzeiten mit ›Götzenopferfleisch‹. Er argumentiert, dass weder in der Wüste noch später im Tempel vom Altar gegessen wurde. Das war nämlich verboten. Die eigentliche Wirkung des Opfers ging nämlich nicht von einem Verzehr des Opfertieres aus, sondern von der reinigenden Kraft des Blutes, das man nach jüdischer Vorstellung weder essen noch trinken darf.

Es zu vergießen bedeutet, dass von dem im Blut befindliche Leben eine Kraft ausgehen kann, wenn es Gott zurückgegeben wird. Diese Kraft sorgt dafür, dass die Gemeinschaft der Menschen Vergebung erlangt und sie wieder rein wird für einen Neuanfang mit Gott.
So jedenfalls die Logik des Opferkultes, die der Hebräerbrief voraussetzt, wenn er in Kapitel 9 folgert:

13 Wenn nun schon das Blut von Böcken und Stieren (...) Verunreinigte (...) heiligt, 14 um wie viel mehr wird dann das Blut Christi, der durch ewigen Geist sich selbst als makelloses Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen und uns zum Dienst am lebendigen Gott bereitmachen!

Vom Blut des Opfers geht hier also eine heiligende Wirkung aus. Die Gewissen der Menschen werden von toten Werken gereinigt und sind wieder bereit, dem lebendigen Gott zu dienen. Und erst recht gilt das für das Blut Christi, das die Römer vergossen haben, der aber von den Toten auferstanden ist.


V.
So weit also die drei Bildebenen unseres Predigttextes und seine komplizierte theologische Beweisführung.
Der Hebräerbrief nutzt das alles nun, um daraus für seine Gemeinde eine Folgerung abzuleiten:
Wenn Jesu Blut durch die Römer vergossen wurde und das nicht irgendein sinnloser Tod bleiben sollte, dann müssen wir seinen Tod verstehen als einen durch Gott ermöglichten Neuanfang:
Jesus steht auf und wir stehen auf. Wir werden befreit von Werken, die in den Tod führen. Wir werden dazu befreit, »einander Gutes zu tun und an der Gemeinschaft festzuhalten« (13,16).
Und deshalb sollen wir hinausgehen zu Jesus vor das Lager, uns zu ihm stellen und mit ihm seine Schmach tragen. Also nicht mitmachen bei den römischen Festmahlen mit Götzenopferfleisch und dadurch den römischen Göttern huldigen.
Der Hebräerbrief hält es für einen Irrweg, von diesen kultischen Speisen Heil zu erwarten. Und deshalb führt er die Adressaten seines Briefes nach draußen. Er ruft sie dazu auf, dorthin zu gehen, wo Menschen heute wie Jesus leiden und Hilfe brauchen, um ihm auf diese Weise nachzufolgen.
Der Brief fordert die Gemeinde auf, festgefahrene Strukturen zu verlassen und die Welt so zu verändern, wie Gott sie sich für die Zukunft vorstellt.
Oder um es mit den Worten des Hebräerbriefes zu sagen: »Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.« (V.14)

VI.
Liebe Gemeinde,
beim Kölner Karneval wird bei den mehrtägigen Feiern manchmal ganz schön über die Strenge geschlagen. Verkleidung und Masken ermöglichen es, in neue Rollen zu schlüpfen. Der Rausch des Festes, die Ausgelassenheit und auch der Alkohol tun dann ihr Übriges. Berauscht und enthemmt passieren Dinge, die so an den übrigen Tagen nicht möglich wären.
»Am Aschermittwoch ist alles vorbei«, heißt ein berühmtes Lied. Und die Kölner Jecken wissen, dass vor Aschermittwoch noch etwas passieren muss, um die Verfehlungen der ›tollen Tage‹ wieder ins Reine zu bringen. Im Rheinland gibt es dafür einen besonderen Sündenbock: eine lebensgroße Strohpuppe, die »Nubbel« genannt wird.
Der Nubbel wird meist zum Auftakt des Straßenkarnevals außen an den Kneipen befestigt. Am Karnevalsdienstag wird er herabgenommen und durch die Straßen getragen. Dann wird durch einen als Geistlichen verkleideten Jecken eine Anklageschrift verlesen.
Das gipfelt dann in der Frage: »Wer hat Schuld, dass wir unser ganzes Geld versoffen haben? Und wer hat Schuld, dass wir fremdgegangen sind?« Und die johlende Menge antwortet dem Redner mit einem lauten »Dat wor der Nubbel!«, »Dä Nubbel hat Schuld! Er soll brenne!« Um 24 Uhr wird die Strohpuppe dann unter Wehklagen angezündet. Mit der Verbrennung werden symbolisch alle Sünden der Karnevalszeit getilgt, sodass die Feiernden rein in die Fastenzeit vor Ostern gehen können.

VII.
Liebe Gemeinde,
sie merken, hier treiben die Jecken Spott mit dem, was sie oft von den Kanzeln gehört haben: dass Jesus für unsere Sünden sterben musste; dass ein zorniger Gott das Opfer seines Sohnes gefordert hat, um mit den sündigen Menschen wieder ins Reine kommen zu können.
Und leider ist es so, dass genau dies aus dem Hebräerbrief herausgelesen wird. Doch Jesus ist kein Nubbel, der für die willentlichen Verfehlungen anderer leiden muss. Sondern er ist ein Märtyrer, der von brutalen Machthabern unschuldig hingerichtet wurde – so wie nach ihm viele andere bis hin zur Belagerung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels.

Jesus hat die Leiden seines Volkes am eigenen Körper vorweg genommen. Und daraus folgert der Hebräerbrief, dass der Tod des einen das Volk als ganzes heiligt. Auch wenn die Römer den Tempel zerstört haben, ist das nicht das Ende des jüdischen Glaubens. In dem unschuldig gekreuzigten und auferweckten Jesus hat Gott mit seinem Volk ein für alle Mal die Versöhnung vollzogen.
Und das bedeutet nun, dass Christenmenschen auf keinen Fall zu den Römern in die Tempel gehen und auf diese Weise den Göttern und dem Herrscherkult der Römer huldigen.

Der Hebräerbrief sagt, dass wir da nicht mitmachen sollen, sondern vor die Tore gehen, wo Jesus getötet wurde, wo andere getötet und gedemütigt werden – bis heute.
Drinnen beim Altar oder draußen bei Jesus. Bei den Menschen, die ihm wichtig waren – die Gebrochenen und Gefallenen. Und ihnen eine Idee zu geben von dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit.

Ich schließe mit Versen aus dem Hebräerbrief:
13,20 Der Gott des Friedens aber, der Jesus, unseren Herrn (...), von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut eines ewigen Bundes, 21 er mache euch tüchtig in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut. Er bewirke in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, dem die Ehre sei in alle Ewigkeit. Amen.