• Predigt
»Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.« (Röm 1,7) Amen.

I. Liebe Gemeinde,
es war am 12. Oktober 1873. An diesem Tag wurde auf dem Hof von Peter Georg Johannsen das zwölfte Kind getauft. Das Mädchen erhielt den Namen Helene Petrea. Und wie es damals auf der Halbinsel Nordstrand üblich war, sollte das freudige Ereignis gebührend gefeiert werden. Es gab nur ein Problem: Der Pastor von Elisabeth-Sophien-Koog würde auch dabei sein und der hatte mehrfach auf der Kanzel gegen den übermäßigen Alkohol-Konsum der Insulaner gewettert.
Doch die Tauffamilie wusste sich zu helfen. Um nicht auf Hochprozentiges verzichten zu müssen, wurde in der Küche zu dem gesüßten schwarzen Kaffee in jede Tasse etwas aus der Rumflasche beigefügt. Und damit man nichts vom Alkohol roch, sollte eine dicke Schicht Schlagsahne oben drauf gegeben werden. → Aber nur für eingeweihte Gäste; der ›Herr Pastor‹ bekam seinen Kaffee ›ohne Beigabe‹. →Doch dann wurde ihm aus Versehen eine ›falsche‹ Tasse angeboten. Er nippte und begriff sofort die Zusammenhänge. Er blickte in die feuchtfröhliche Runde und rief: »Oh, Ihr Phari­säer!« Seitdem hat das Getränk genau diesen Namen: »Pharisäer«.1
II.
Liebe Gemeinde,
bei dem Wort ›Pharisäer‹ denken wir an die Konflikte zwischen der frühen christlichen Gemeinde und den Schrift- und Rechtsgelehrten im damaligen Judentum. Vor allem im 23. Kapitel des Matthäus-Evangeliums wird diese jüdische Gruppe massiv angegangen.
Jesus bezeichnet die Schriftgelehrten und Pharisäer dort als »Heuchler« und »blinde Führer« (23,13.16). Er vergleicht sie mit außen blank geputzten Bechern, die innen mit Gier und Selbstsucht gefüllt sind (23,26). Er zieht Parallelen zu frisch getünchten Gräbern, unter denen sich nur Totengebeine befinden (23,27).
Jesus wird in diesem Kapitel des Matthäus-Evangeliums so ausfallend, dass es scheint, als sei der friedliebende und bedächtige Jesus selbst zum ›Pharisäer‹ geworden. Denn er beschimpft die jüdischen Gelehrten als »Schlangen« und »Otterngezücht« und wünscht ihnen Tod und Hölle auf den Leib für alle Vergehen, die seit Abel an den Gerechten begangen worden sind (23,33-36).

Ich stelle mir vor, wie Pastor Adolf Georg Bleyer am Sonntag nach der Kindstaufe auf seiner Kanzel stand und zu eben diesen Versen aus dem Matthäusevangelium predigt. Die antijüdischen Anwürfe werden förmlich auf die trinkfreudige Gemeinde niedergeprasselt sein: Schlangen, Otterngezücht, Heuchler, blinde Führer.
Doch genau dieser Geistliche in seinem tadellos gebügelten Pastorenrock trug im Inneren ein dunkles Geheimnis: 6 Jahre zuvor soll sich der Pastor an seinem 17-jährigen Dienstmädchen vergangen haben. Kirche und Staat ermittelten. Der Pastor leugnete und veranlasste das Mädchen zu widerrufen, was die Magd »wider besseren Wissens« auch tat. Nach einem »ernstlichen Verweis« durch die Kirchenbehörde durfte er weiter Pastor auf Nordstrand bleiben. In der Gemeinde wird indes kräftig gelästert worden sein über die Doppelmoral ihres Geistlichen.
Pastor Bleyer war trotz des Vergehens im Großen und Ganzen durchaus beliebt, aber er hatte offenbar kein erfülltes Leben. Am 27. Juni 1880 erschoss er sich kurz vor dem Sonntagsgottesdienst. Er war damals 57 Jahre alt. Der Arzt gab zu Protokoll, der Pastor habe seit längerem an »Gehirn-Erweichung« und Verfolgungswahn gelitten. »Gehirn-Erweichung« – damit bezeichnete man im 19. Jahrhundert meist das Endstadium der Syphilis.2
→ Der Namensgeber des ›Pharisäer-Getränks‹ war also selbst das, was er unter einem ›Pharisäer‹ verstand – ein Heuchler, ein Moralapostel, ein Musterbeispiel für Doppelmoral und Selbstgerechtigkeit. (Pause)

III.
Mit diesen Zuschreibungen tun wir den Pharisäern und Schriftgelehrten im Neuen Testament aber großes Unrecht. Sie gehörten – genau wie die Christengemeinde – zu einer Erneuerungsbewegung im jüdischen Glauben. Vor allem nach der Zerstörung des Tempels leisteten die Pharisäer wichtige theologische Aufbauarbeit. Die frühen Christen verdanken ihnen viele Einsichten.
Von Paulus z.B. wissen wir, dass er zur Gruppe der Pharisäer gehörte: Im Philipperbrief schreibt er: »Ich wurde am achten Tag beschnitten, komme aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, bin ein Hebräer von Hebräern und nach dem Gesetz ein Pharisäer« (3,5).
Und auch Jesus von Nazareth wäre wohl ohne jüdische Schriftgelehrsamkeit nicht der große Lehrer seiner Jünger*innen geworden. Denn Jesus selbst wuchs zunächst in einer Handwerkerfamilie auf. Die Familie war fromm und im jüdischen Glauben verankert. Das heißt, Jesus war beschnitten (Lk 2,21), er feierte mit seiner Familie den Sabbat und die großen jüdischen Feste. Und jedes Jahr pilgerte die Familie zum Pessachfest nach Jerusalem.
Das Lukasevangelium berichtet uns, dass Jesus im Alter von 12 Jahren eine solche Pilgerreise nutzte, um am Tempel drei Tage lang mit schriftgelehrten Menschen zu diskutieren. Dort konnte er zuhören, eigene Fragen stellen und zeigen, wie tief er schon in das Verständnis des Heiligen Schriften eingedrungen war. Es scheint, als wenn Jesus hier am Tempel bei den Gelehrten seine Bestimmung gefunden hat – nämlich selbst ein Schriftgelehrter zu werden.
Seine Eltern, die ihn drei Tage lang suchten, machten ihm schwere Vorwürfe: Wie konnte er sich nur unerlaubt von der Pilgergruppe entfernen und niemandem Bescheid geben? Dass Jesus bei dem sein wollte, was seinem ›Vater‹ – also Gott – gehöre, ließen die Eltern nicht gelten. Mutter Maria und Vater Joseph zwangen ihn zum Gehorsam und nahmen ihn mit zurück nach Nazareth (vgl. Lk 2,41ff).
IV.
Liebe Gemeinde,
Jesus blieb es also verwehrt, in eine Toraschule zu gehen und sich zu einem klassischen Schrift- und Rechtsgelehrten ausbilden zu lassen. Denn das entsprach nicht dem Wunsch seiner Eltern. Gleichwohl können wir davon ausgehen, dass das kurze Schnupperstudium in Jerusalem etwas in Jesus zum Schwingen gebracht hat, nämlich den Wunsch, Gott mit Hilfe der Schriften tiefer zu ergründen und nach einer schriftgemäßen Lebensweise der Menschen zu fragen.
Und das war wohl die erste Lektion, die Jesus damals bei den Schriftgelehrten in Jerusalem verstanden hat: Dieser Gott, der sein Volk erwählt und befreit hat, ist der ›Vater im Himmel‹. Nicht wie ein Vater im biologischen oder rechtlichen Sinne, nicht wie ein Vater, von dem man sich in der Pubertät löst, sondern wie ein Vater, dem man sich bedingungslos anvertraut.
Das ist gemeint, wenn Jesus in unserem heutigen Predigttext sagt: »Ihr sollt keineN von euch hier auf der Erde ›Vater‹ nennen. Denn nur einer ist euer Vater: der Vater im Himmel.« (V.9)
In diesen Worten Jesu höre ich auch Kritik daran, wie Väter damals ihre Rolle in der Familie wahrgenommen haben. Und ich höre Kritik daran, wenn Menschen anderen gegenüber eine solche väterliche Autorität beanspruchen oder sich als ›Heiliger Vater‹ anreden lassen.
Für Jesus ist der Gott seines Volkes
• ein Vater, von dem man sich als Sohn nicht ablösen muss,
• ein Vater, vor dem man nichts zu verbergen braucht,
• ein Vater, dem man sich bedingungslos anvertrauen kann – im
Leben, im Sterben und danach.
→ Alles das kann ein biologischer oder geistiger Vater nicht leisten.

V.
Das könnte also die erste Lektion gewesen sein, die der zwölfjährige Jesus im Tempel von den Schriftgelehrten mitgenommen hat: Jeder Mensch hat einen Vater, dem er oder sie für eine gewisse Zeit Gehorsam schuldet. Darüber hinaus gibt es aber den anderen und eigentlichen Vater, von dem es in Psalm 103 heißt: »Wie ein Vater seine Kinder liebt, so liebt der Herr alle, die ihn achten und ehren.« (V.13). Diese Erkenntnis erklärt vielleicht, warum Jesus zu seinem leiblichen Vater ein eher distanziertes Verhältnis eingenommen hat. Und es erklärt, warum Jesus sein zentrales Gebet mit »Unser Vater im Himmel...« beginnt.

Und vielleicht hat Jesus in Jerusalem auch noch eine zweite Lektion gelernt: In der Religion geht es nicht nur um Gott, sondern auch um Glaubwürdigkeit und Macht.
Ein religiöser Lehrer wird nicht nur daran gemessen, wie originell seine Gedanken sind und wie klug er sie vorzutragen vermag. Es kommt in der Religion auch darauf an, dass ein Lehrer das Gesagte auch auf sich selbst bezieht. Wenn er das ausblendet und daraus auch noch einen Vorteil zieht, dann ist schnell alle Glaubwürdigkeit dahin.
Das gilt auch außerhalb der Religion. Dazu drei Beispiele:
- Ein Politiker hat noch im Februar gegen die Legalisierung von Leihmutterschaften gestimmt. Zu diesem Zeitpunkt haben er und sein Partner aber schon längst eine bezahlte Leihmutter engagiert. Ein Politiker, der so widersprüchlich handelt, gilt schnell als Heuchler und muss damit rechnen, dass er in seiner eigenen Partei fallen gelassen wird.
- Oder ein Sportlehrer, der seinen Schüler*innen zur ersten Stunde einen 5km-Waldlauf aufdrückt, sich selbst aber erst einmal ins Auto setzt, um dort in Ruhe zu frühstücken. So ein Lehrer erscheint den Schüler*innen wenig vorbildhaft.
- Oder ich könnte auch mich selbst nennen. Im aktuellen Gemeindeblatt habe ich über den Klimawandel geschrieben und das zerstörerische Beharren auf Mobilität beklagt. Zugleich sind wir als Familie in diesem Sommer mit dem Flugzeug nach Südfrankreich geflogen und konnten dort erfahren, was Extremhitze infolge des Klimawandels für fatale Folgen hat.

VI.
›Glaubwürdigkeitslücken‹ oder sagen wir auch ›Heuchelei‹, gibt es also an vielen Orten: in Institutionen wie Politik, Schule, Kirche, Sport, aber auch in unserem persönlichen Umfeld – als Eltern, als Nachbarn, am Arbeitsplatz, beim Einkauf, im Urlaub usw.
Und eine ›Glaubwürdigkeitslücke‹ ist auch gar nicht so verabscheuungswürdig, wie wir vielleicht denken mögen.
Denn wenn jeder Politiker daran gemessen würde, ob sein persönliches Leben überall mit dem Wahlprogramm seiner Partei zusammenpasst, würde niemand mehr Politiker oder Politikerin sein wollen.
Wenn ein Pastor nur dann noch über die 10 Gebote predigen kann, wenn er selbst jedes einzelne Gebot genau einhält, dann würde niemand mehr auf die Kanzel wollen.
Und wenn ein Sportlehrer bis ins hohe Alter jede Turnübung selbst vorführen können muss, täte er besser daran, rechtzeitig auf Kunstlehrer umzusatteln.
Und manchmal ist es gegenüber den nervigen Nachbarn besser, ein wenig Freundlichkeit zu heucheln, als ihnen einmal richtig die Meinung zu sagen mit all den Konsequenzen, die das für die nächsten Jahre hätte.

Soziologen sagen heute: Ein bisschen Heuchelei hält unsere Gesellschaft überhaupt erst zusammen. Sie ist wie das Öl im Getriebe unseres Miteinanders. In gewisser Weise machen wir alle in diesem Spiel mit. Wir drücken bewusst ein Auge zu, wenn der andere einmal nicht perfekt ist. Denn wer kann es sich schon erlauben, immer und überall seine schonungslose Wahrheit auszusprechen? Unser Gemeinschaft würde schnell auseinanderbrechen.
Und bei großen Organisationen ist es ähnlich; sie stecken in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite müssen sie wirtschaftlich sein, sparen und Gewinne machen. Auf der anderen Seite sollen sie gerecht, umweltfreundlich und moralisch integer handeln. Das geht oft nicht zusammen. Organisationen trennen dann Innenleben und Außendarstellung, Sein und Schein.
In der Marketing-Abteilung entstehen dann Kampagnen über Nachhaltigkeit und gute Absichten.
Wir kennen das: Mit einer Kiste Krombacher kann man einen Quadratmeter Regenwald retten. Die Botschaft dahinter: Wenn wir nur ordentlich weitersaufen, haben wir bald den ganzen Regenwald gerettet.iii Tatsächlich aber wurden selbst nach Angaben der Brauereiiv bisher nur etwa 10.000 Hektar Regenwald geschützt. Das ist genau die Fläche tropischen Regenwalds, die die Erde jeden Tag in 7 ½ Stunden verliert.
›Heuchelei‹ in großen Organisationen ist also kein Zufall, sondern vor allem eine Strategie, um wirtschaftlich zu überleben und den Erwartung von außen entgegenzukommen.

VII.
Fassen wir also zusammen:
Der Namensgeber des Pharisäer-Kaffees war selber ein ›Pharisäer‹. Die Pharisäer selbst waren aber gar keine durch und durch heuchlerischen Menschen, sondern wichtige Lehrer der frühchristlichen Kirche. Und Heuchelei ist nicht immer etwas Schlimmes, manchmal eher überlebensnotwendig.

Was ist es also dann, was wir aus dem heutigen Predigttext lernen sollen? Was will Jesus uns hier in der Zuspitzung durch Matthäus sagen?
Jesus sagt in V. 3 seinen Jüngern, dass sie alles, was die Schriftgelehrten und Pharisäer ihnen sagen, tun und befolgen sollen! Das ist schon mal überraschend: Christen sollen die Ratschläge von Pharisäern und Schriftgelehrten beherzigen. Dies gilt vor allem in theologischen Fragen und bei Rechtsstreitigkeiten.
Jesus und die frühe christliche Gemeinde wussten also, was sie an den jüdischen Gelehrten hatten: zuverlässige theologische Auslegung und bewährte Klärung von Rechtsfragen. In der aus Heiden und Juden bestehenden Kirche gab es noch nichts Vergleichbares.
Darum überliefert Matthäus dieses Jesuswort: »Was die Schriftgelehrten und Pharisäer euch sagen, sollt ihr tun und befolgen.« (V. 3)
Um bei unseren Beispielen zu bleiben, heißt das:

- 5 km Waldlauf bringen Kondition und halten gesund – egal wie fit unser Sportlehrer war.
- Auf Auto- und Flugreisen zu verzichten, ist nachhaltig und klug – auch wenn der Pastor das in diesem Sommer nicht beherzigt hat.
- Sich bei Alkohol zu mäßigen, ist verantwortungsvoll – auch wenn man Alkoholismus so schön verheimlichen kann.
- An Parteientschlüssen mitzuwirken, ist wichtig – auch wenn man im persönlichen Leben andere Entscheidungen trifft. Und
- zu den 10 Geboten zu predigen, ist unerlässlich – auch wenn niemand alle Gebote halten kann.
→ Das alles ist wichtig und richtig – daran sollen wir uns halten.
Was wir aber nicht tun sollen, ist das andere. Und hier wird Matthäus nun deutlich, weil er das bei jüdischen Gelehrten erlebt hat:
- anderen hohe Lasten aufbürden, die einen selbst nicht treffen (V. 4).
- sich in den Vordergrund spielen (V. 5),
- durch Äußerlichkeiten seinen Status unterstreichen (V. 5),
- aus einem Amt persönlichen Nutzen ziehen (V. 6) oder
- sich mit Titeln schmücken, um andere zu verunsichern (V. 7).
Das alles sind Dinge, die sich in einer Gemeinde schnell einschleichen und verselbstständigen können. Silke Behrens z.B. berichtete am Mittwoch bei der Predigt-Vorbesprechung, dass sie in der Grafschaft Bentheim noch gelernt hat, vor dem Pastor einen Knicks zu machen.
Matthäus würde sagen, dass wir allenfalls vor Gott einen Knicks machen können, aber nicht vor Menschen in der Gemeinde mit besonderen Aufgaben. Und Theologiestudium hin oder her – der entscheidende Schriftgelehrte ist für uns Jesus Christus.
Und weiter gilt für Matthäus das, was dieser Jesus selbst vorgelebt hat, als er alle Menschen gleich behandelte – Sünder, Pharisäer, Zöllner, Aussätzige, Behinderte, Sklaven, Frauen und Kinder.
Für Matthäus sind wir in der Gemeinde untereinander alle Brüder und Schwestern. Wir helfen uns gegenseitig. Oder um es mit unserem Predigttext zu sagen:
»11 Wer unter euch am größten ist, soll euer Diener sein. 12 Wer sich selbst groß macht, wird von Gott niedrig und klein gemacht werden. Und wer sich selbst niedrig und klein macht, wird von Gott groß gemacht werden.«
Dadurch sollte sich die frühchristliche Gemeinde auszeichnen, dass sie eben nicht so funktionierte wie ihre Umwelt, wo Hierarchien allgegenwärtig und selbstverständlich waren: Meister und Schüler, Vater und Sohn, Herr und Sklave, Mann und Frau, – asymmetrische Beziehungen definiert durch Geburt, Geschlecht, Alter, Bildung und Status.
Leider hat die Kirche dies in ihrer Geschichte zeitweise vergessen, als sie anfing, sich nicht mehr als Brüder und Schwestern anzureden, sondern als:
Eure Heiligkeit, Eure Seligkeit, Eure Eminenz, Hochwürden, Eure Exzellenz, Heiliger Vater, Herr Superintendent, Herr Landessuperintendent, Herr Landesbischof usw.

→ Es ist leicht, mit dem Finger auf die Pharisäer zu zeigen. Schwieriger ist es, bei sich selbst genau hinzuschauen.

VIII.
Liebe Gemeinde,
ich hatte mit der Taufgesellschaft auf der Halbinsel Nordstrand begonnen. Nicht nur der Pastor der Gemeinde fand ein tragisches Ende. Auch der wohlhabende und angesehene Bauer Johannsen verfiel der Trunksucht. Er konnte seinen Bauernhof nicht mehr führen und wurde schließlich entmündigt. Bei allem Heuchlertum seines Pastors hätte er dessen Rat befolgen sollen: Weniger ›Pharisäer‹ trinken. Dann wäre ihm vielleicht erspart geblieben, dass sein Hof heute nicht den Namen seiner Familie trägt, sondern »Pharisäerhof« heißt, wo man neben Kaffee mit Schlagsahne auch Friesentorte, Eierlikör-Torte und Pharisäergeist-Torte bestellen kann.
»Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.« Amen.